Rezension: The Clone Wars Legacy: Crystal Crisis on Utapau

Heute Nacht hat uns das StarWars.com-Team überrascht, indem es vier neue Folgen von Star Wars: The Clone Wars veröffentlicht hat. Nun gut, nicht ganz: es handelt es sich um sogenannte „Story Reels“, also Rohanimationen nicht fertig produzierter Folgen aus dem zweieinhalb Staffeln großen Fundus unveröffentlichten The Clone Wars-Materials, dem man nun mit dem Titel The Clone Wars Legacy einen griffigen Namen gemacht hat. Nach Sichtung der Folgen möchten wir diese natürlich auch für euch rezensieren, so wie wir bereits die „Verlorenen Missionen“ der verkürzten 6. Staffel der Serie für euch rezensierten.

<em>The Clone Wars: Legacy</em>
The Clone Wars: Legacy
Der Handlungsbogen Crystal Crisis on Utapau (Produktionsnummern 6.01 bis 6.04) umfasst die vier Folgen A Death on Utapau, In Search of the Crystal, Crystal Crisis und The Big Bang. Die Folgen gehören – wie alles für die TV-Serie produzierte Material – zum offiziellen Lucasfilm-Kanon.

Wir werden in dieser Rezension keine Spoiler scheuen, also schaut die Folgen besser vor dem Lesen! Hier nochmals die relevanten Links:

Alle mit an Bord? Gut, dann geht es los. Klassischerweise habe ich bei der 6. Staffel eine ganze Sektion Auffälligkeiten der Produktion und des Animationsstils gewidmet. Das fällt diesmal aus ziemlich offensichtlichen Gründen flach, zumindest weitgehend. Ich möchte allerdings sagen, dass diese Rohanimationen trotz ihres unfertigen Zustands durchaus genießbar sind, was für mich aber nicht an den Animationen an sich liegt, sondern an der genialen Vertonung – wir haben eine komplette Tonspur mit Sprechern, Musik und Effekten und das erweckt diese unfertigen Animationen so richtig zum Leben. Das, was fehlt, ergänzt die eigene Vorstellungskraft – es ist also ein Erlebnis für alle Sinne und ich fand es auch sehr interessant, diese Vervollständigung des Materials vor dem geistigen Auge bei mir selbst zu beobachten. Fertig produzierte Folgen wäre mir zwar lieber gewesen, aber lieber so als gar nicht. Leider hat Lucasfilm-Mitarbeiter Matt Martin auf Twitter bestätigt, dass dies die einzigen Folgen sind, für die eine komplette Tonspur vorliegt, sodass dies wohl eine einmalige Sache bleiben wird.

Anakin und Obi-Wan in <em>Crystal Crisis</em>
Anakin und Obi-Wan in Crystal Crisis
Aber nun zur Handlung. Obi-Wan Kenobi und Anakin Skywalker werden nach Utapau geschickt, wo sie dem Tod der Jedi-Meisterin Tu-Anh auf die Spur gehen sollen, die von Obi-Wan charakterlich mit Qui-Gon Jinn verglichen wird, da sie oft Dinge entgegen der Anweisung des Rates in die Hand nahm. Offenbar hat sie auf Utapau die Fährte einer Separatistenverschwörung aufgenommen – Waffenhändler wollen heimlich eine geheime Superwaffe an General Grievous verkaufen – und hat das mit dem Leben bezahlt. Die Ermittlungen der beiden Jedi führen von primitiven Stammesgesellschaften zu den Sugi-Waffenhändlern bis schließlich wieder vor die Türe der Pau’aner selbst. Es stellt sich außerdem heraus, dass es sich bei der Waffe um einen Kyberkristall handelt, dieselbe Art Kristall, die auch ein Lichtschwert antreibt. Man sieht auch mehrmals eindrucksvoll, wie der Kristall Blasterfeuer zu superlaserartigen Strahlen bündelt…

Ja, offensichtlich wollen uns die The Clone Wars-Autoren hier einen kleinen Einblick in die Entwicklung des Todessterns gewähren, dessen Bau ja schon während der Klonkriege basierend auf Entwürfen der Geonosianer aus Episode II begonnen hat, denn wie uns das Ende von Episode III ja zeigt, stand das Gerüst zur Zeit der Order 66 schon. Und auch wenn der Kristall letztendlich zerstört wird, so merkt Yoda doch an, dass der Sith-Lord bestimmt einen anderen dieser seltenen Kristalle auftreiben wird, um eine Superwaffe wie aus der Zeit der alten Kriege zwischen Jedi und Sith zu bauen. Könnte hier vielleicht der Grund dafür liegen, warum der Bau des ersten Todessterns gut 20 Jahre dauerte? Dauerte es einfach lange, bis Darth Sidious einen neuen Kyberkristall finden konnte, der groß genug war, um den Todesstern-Superlaser damit zu bestücken?

Viel interessanter als der Todesstern-Subplot ist allerdings die Charakterzeichnung in diesen Folgen. Die meiste Zeit über folgen wir nur Obi-Wan und Anakin und deren Sprecher James Arnold Taylor und Matt Lanter laufen nochmal zu Hochleistungen auf. Besonders eindrucksvoll geschrieben und gesprochen ist die Szene, in der Anakin Ahsokas Abschied aus dem Orden thematisiert und mit Obi-Wan darüber spricht, wie er sich wohl fühlen würde, wenn Anakin den Orden verlassen würde. Da ist so viel Foreshadowing dabei, dass es dem einen oder anderen vermutlich negativ aufstoßen wird, andererseits hat diese Unterhaltung im Kontext der Serie – also so kurz nach Ahsokas Abschied – definitiv ihre Berechtigung und wirkt nicht erzwungen, sondern nur natürlich.

Anakin und Obi-Wan in <em>The Big Bang</em>
Anakin und Obi-Wan in The Big Bang
Foreshadowing, also das Einbauen von Anspielungen auf zukünftige Ereignisse, ist natürlich ein großes Element des gesamten Handlungsbogens – wir haben schließlich mit der Todesstern-Thematik zu tun. Außerdem werden wieder klassische Zitate Obi-Wans im Bezug auf die Unzivilisiertheit von Blastern aufgegriffen, was den einen stören mag, während es anderen (wie mir) egal ist. Es hat zum „comic relief“ der Situation beigetragen, man hätte es aber genauso gut weglassen können. Außerdem haben wir erneut eine Jedi-Feuerbestattung wie in Episode I. Was mir allerdings doch negativ auffiel war, dass man erneut eine Grievous-Geschichte auf Utapau erzählt. Ich habe ja nichts dagegen, wenn man bekannte Planeten erneut aufgreift und sie weiter erkundet, denn das macht diese Folge auf schöne Art und Weise – man bekommt neue Einblicke in die gesellschaftliche Struktur Utapaus und sieht ein paar neue Orte auf dem Planeten. Aber muss dann auf dem Planeten wie in Episode III einen Kampf gegen General Grievous stattfinden lassen? Inklusive Verfolgungsjagd durch die Tunnel und Klippen Utapaus? Das ist vielleicht ein Stück zu viel des Guten… Und natürlich müssen sich Anakin und Obi-Wan wieder um alles kümmern.

Dennoch, alles in allem war das gute Unterhaltung mit einer angenehmen Dynamik zwischen Anakin und Obi-Wan, die insbesondere in der ersten Folge auch die Psychologie dieser Charaktere erkundet, während die späteren Folgen eher actionlastig sind. Doch auch da kommt das freundschaftliche Gezanke zwischen den beiden nicht zu kurz, das mir in den Prequels schon so gut gefallen hat.

Wie bewerte ich diese Folgen nun also? Die Animation kann ich hier nicht in der Holocron-Vergabe berücksichtigen, wohl aber die hervorragenden Leistungen von Komponist Kevin Kiner und den Sprechern Matt Lanter und James Arnold Taylor. Das Drehbuch selbst bewegt sich eher im Durchschnitt. Die Dialoge sind gut gehandhabt, die Story an sich hätte man auch in einer Folge weniger erzählen können. Die Handlung an sich würde von mir wohl 3 von 5 Holocrons bekommen, aber die Leistungen derer, denen wir diese Tonspur verdanken, die diese Rohfassungen genießbar macht, würdige ich gerne mit einem weiteren Holocron.

Der Rezensent vergibt 4 von 5 Holocrons!
Der Rezensent vergibt 4 von 5 Holocrons!

Zum Abschluss noch ein kleines Zitat von Yoda aus The Big Bang, das uns als Fans des Erweiterten Universums gefällt:

In legends, we always find great truths

Zu gut Deutsch: In Legenden können wir immer große Wahrheiten entdecken. Nun denn – wie fandet und empfandet ihr diese vier Folgen? Schreibt es uns in die Kommentare.

5 Kommentare

  1. Mir haben die Episoden überraschenderweise sehr gut gefallen, nachdem Staffel 6 eher enttäuschend ausgefallen ist. Wie schon gesagt wurde, die Anspielungen, also das Foreshadowing, sind nicht jedermans Sache aber bei diesem Thema haben sie mir gut gefallen. Vor allem das Gespräch über Anakins hypothetisches Verlassen des Ordens hat mir gut gefallen. Allerdings wie auch Florian schon angemerkt hat ist die Wiederverwendung der Utapau-Welt etwas zu viel des Guten. Man hätte sich ja durchaus was anderes anfallen lassen können. Trotzdem finde ich die näheren Beschreibungen der Umwelt und der Lebewesen Utapaus sehr interessant, vor allem die Stellen der Amanis fand ich sehr unterhaltsam. Laut dem TNEGtAS sind diese Wesen nämlich nur auf dem Planeten Maridun heimisch. Großes Lob an den Autor für diesen Blog, ein schönes Stück Arbeit 🙂

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