Rezension: Star Wars #127: Die Herrschaft Kylo Rens, Teil 6 & Jagd nach dem Falken, Teil 1

Aber die Jedi sind wie Ratten. Man denkt, man habe alle erwischt, und dann huscht eine durch den Raum, wenn man das Licht anmacht.

Vaneé

Am 17. Februar erschien in Paninis monatlicher Star Wars-Comicreihe nach der kurzen Jubiläumspause ein neues Kapitel der aktuellen Serie Legacy of Vader. Ausgabe #127 steht insgesamt ganz im Zeichen der Sequel-Ära und bleibt bei der Solo-Familie, denn vor Kylo Rens neuen Herausforderungen als Oberster Anführer der Ersten Ordnung feiert noch die neue fünfteilige Miniserie Han Solo: Jagd nach dem Falken den Start ihrer deutschen Erstveröffentlichung. Zu diesem Anlass gab es neben der Kiosk- und Comicshop-Variante auch mal wieder ein drittes Cover zur Ausgabe, das einen Monat später in der Abo-Auslieferung als Gratis-Beigabe zum 121. Journal of the Whills verschickt wurde. Das Motiv von Derrick Chew war ursprünglich das im Deutschen bisher ausgelassene US-Cover der fünften Ausgabe von Legacy of Vader, wogegen das Originalcover der enthaltenen #6 vom selben Künstler auf der Standard-Ausgabe Verwendung findet. Die exklusivere Comicshop-Ausgabe schmückt Ramon Rosanas‘ erstes Cover von US-Han Solo: Hunt for the Falcon. Kuriose Auffälligkeit: Die Cover als auffaltbares zweiseitiges Poster genau in der Heftmitte sind in dieser Ausgabe nach Jahren plötzlich wieder vorhanden.

Star Wars: Han Solo – Jagd nach dem Falken heißt unsere brandneue Storyline, die in Ausgabe 127 startet! Han Solo ist mit seinem mittlerweile eher ruhigen Dasein unzufrieden und beschließt, den Millennium Falken zurückzuholen, um wieder ein Leben voller Abenteuer zu führen.

Auch wenn ihm das prominentere Hauptcover gewidmet ist, rutscht Legacy of Vader zum Start der neuen Miniserie um Han Solo erstmals auf den hinteren Platz im Heft und wird damit zur Zweitstory. An seiner statt dürfen Schreiberling Rodney Barnes (Lando: Doppelt oder Nichts, Inquisitoren) und Zeichner Ramon Rosanas (Age of Resistance, Inquisitoren) mit Jagd nach dem Falken, Teil 1 die Ausgabe eröffnen. Kurz vor Episode VII: Das Erwachen der Macht – der im vergangenen Jahr sein Zehnjähriges feiern durfte – packt den alten Schurken wieder das Fernweh und der Stolz vergangener Tage. Er setzt sich aber nicht mit seiner zerrissenen Ehe oder dem irreparablen Verhältnis zu seinem der Dunklen Seite verfallenen Sohn auseinander, sondern projiziert seine Unzufriedenheit auf einen verlorenen Gegenstand. Natürlich war der Millennium Falke mehr als nur ein Objekt, er war über viele Jahre Hans Zuhause und die Verkörperung seiner erlangten Unabhängigkeit. Dennoch könnte der Haudegen auch auf andere Weisen versuchen, bestimmte Themen zu verarbeiten oder anzugehen, aber dann könnte man darüber keine spannende und spaßige Comicgeschichte in der weniger gefüllten Ära rund um die letzte Trilogie erzählen.

Diese Prämisse umfasst natürlich auch den in Episode VII in Bezug auf den Falken erwähnten Ducain, der bei Panini bereits in Star Wars Abenteuer: Der Flug des Falken aufgetreten ist. Der bösartige Antagonist wird hier aber zunächst am Ende auf wenigen Seiten unsympathisch vorgestellt, handelt doch der Großteil des Kapitels von Hans aktuellem Leben als Podrennen-Unternehmer und den Impulsen, die ihn auf sein neues großes Abenteuer schicken, wenn auch manche davon etwas zu plötzlich geschehen. Apropos schnell und apropos Podrennen, leider hat Matthias Wieland in seiner deutschen Übersetzung nicht wie die Film-Synchros zu „Podrenner“ oder „Podrennen“ übersetzt, sondern es bei „Podracer“ und „Podracing“ belassen, was eine kleine Umgewöhnung nötig macht, um beim Lesen nicht immer wieder darüber zu stolpern. Nicht übersetzt werden müssen dafür die Shyriiwook-Ausrufe von Chewbacca und seiner Familie, die nach ihrem Holiday-Special-Ursprung schon durch diverse Auftritte in LEGO-Specials und sogar Kanon-Romanen immer bekannter wird. Es darf sogar Lando Calrissian zwischen Im Schatten der Sith und seinem Comeback als Anführer in Episode IX: Der Aufstieg Skywalkers einige Szenen mit Han teilen. In der Miniserie dürften damit je nach weiteren Auftritten des Glücksritters vermutlich die letzten Dialoge zu sehen sein, die die beiden langjährigen Freunde vor der tragischen Mission auf die Starkiller-Basis miteinander führen.

Illustriert ist das alles von Barnes‘ erneutem Partner Ramon Rosanas, dessen dreidimensionale Zeichnungen von Charakteren, Fahrzeugen und Orten stets wirken, als könne man sie direkt anfassen und würde nicht bloß Striche auf Papier betrachten. Die fotorealistischen Farben des Studios Guru-eFX bewährten sich schon mehrfach in der Vergangenheit als optimale Ergänzung dazu und runden die hochwertige Form der neuen Miniserie ab.

Durch Die Herrschaft Kylo Rens, Teil 6 erreicht die weiter laufende zweite Reihe im Heft die Hälfte ihrer Gesamtzahl. Ja, das Abo-Variantcover stammt, wie eingangs erwähnt, eigentlich von US-Ausgabe #5, passt mit dem dargestellten Konflikt auf der Führungsebene der Ersten Ordnung aber ebenso gut zum neuen Kapitel. Kylo Ren und General Hux erobern Corellia und sind sich währenddessen und danach alles andere als einig über das richtige „Wie“. Neben der tiefergehenden Charakterisierung des gefallenen Jedi-Schülers ist es dank diesen Momenten vor allem die Entwicklung von Hux hin zu seiner späteren, bisher etwas unglaubwürdigen Schlüsselrolle in Der Aufstieg Skywalkers, mit der Autor Charles Soule die löchrige Sequel-Trilogie geschickt untermauert. Außerdem baut er diesmal die vom Titel vorgegebenen kurzen Vader-Flashbacks auf seiner früheren Darth Vader-Strecke auf und spannt nebenbei große Bögen quer durch den Kanon, der immer weiter wächst und damit im Detail immer schwieriger zu berücksichtigen wird. Dass aber wieder mal bei Soule und Jahrzehnte nach dem Galaktischen Bürgerkrieg trotzdem noch neue überlebende Jedi des alten Ordens auftauchen, nutzt sich zwar ohne Zweifel ab, aber dafür darf man den mächtigen Ren jetzt mal im Kampf gegen solche erleben.

Da kommt die Rückkehr von Luke Ross als Zeichner der Serie mit dieser Ausgabe genau richtig. Seine feinen Linien geben den Konflikte zwischen Ren und Hux wortwörtlich ein Gesicht und auch der seit dem Start der Serie in Star Wars #121 versprochene Thron des Obersten Anführers ist endlich fertig und sieht bei Ross beeindruckend aus. Das zeichnerische Highlight ist die fast schon weihnachtliche Atmosphäre des verschneiten Planeten Lahtee und das Dorf, in das es das Oberhaupt der Ersten Ordnung verschlägt. An unterschiedlichen Settings und Orten mangelt es Legacy of Vader nicht, sodass die Reise des jungen Solo durch die Galaxis in ihren verschiedenen Stadien auch durch unterschiedliche Umgebungen führt.

Fazit

Mit Han Solo: Jagd nach dem Falken startet nach der gelegentlichen Comic-Abstinenz des corellianischen Schurken eine vielversprechende abenteuerliche Serie im Vorfeld von Episode VII, die nach ihrem etwas zu schnellen Startschuss ab der nächsten Ausgabe und dank der auch im Alter nicht einrostenden Buddy-Dynamik der beiden Hauptcharaktere hoffentlich richtig loslegen darf. Legacy of Vader nimmt sich dafür bei der Untermauerung der in den Filmen zu schnell behaupteten Charakterentwicklungen genügend Zeit, bleibt düster und schickt Hans Sohn auf die unerwartete, wenn auch wenig originelle nächste Stufe seiner Selbstfindungsreise.

Wir danken Panini für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!


Die folgende Ausgabe #128 setzt beide Reihen fort und ist bereits am 17. März erschienen. Der erste von zwei Sammelbänden der tollen Serie Legacy of Vader: Die Herrschaft Kylo Rens erscheint mit einer bislang unveröffentlichten Kurzgeschichte zu Vaneé bereits im Juni und kann bei Panini¹, Amazon¹ und Thalia¹ vorbestellt werden. Bei Panini und im Comicfachhandel exklusiv erhältlich ist derweil das streng limitierte Hardcover¹. Auch der Sammelband zu Han Solo: Jagd auf den Falken lässt nicht lang auf sich warten und ist für August angekündigt. Vorbestellungen sind auch hier möglich bei Amazon¹ und Thalia¹. Panini selbst wird noch folgen und dort gibt es den Band dann ebenfalls als limitiertes Hardcover.

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