Rezension: Hyperspace Stories: Grievous von Dark Horse

Etwas über ein Jahr ist vergangen, seit der erste Band dieser Hyperspace Stories-Sonderreihe bei Dark Horse erschienen ist, damals zu Qui-Gon. Nun folgte mit Grievous ein Band, welcher zeitlich etwas später spielt und sich einem der großen Gegenspieler der Jedi widmet. Der Band hat 96 Seiten, von denen der Comic 86 ausmacht und mit einer 8-seitigen Sketchbook-Sektion ergänzt wird, in der verschiedene Entwürfe von Figuren und deren Ausstattung gezeigt werden.

Der Inhalt

Der Comic beginnt mit einem dramatischen, scherenschnittartig umgesetzten Auftritt von Count Dooku, der sich und seine jetzige Position in wenigen Sätzen definiert, selbiges dann mit General Grievous Rolle macht und aus dieser schließlich den Auftrag ableitet, mit dem er ihn nach Katou entsendet.

Danach lernen wir Jedi-General Cardiff Baye und seine Klonsoldaten unter Commander Maximus im Einsatz auf Covenanon kennen. Baye hat offensichtlich einen gewissen Hang zu dramatischen Auftritten und weitreichenden Plänen. Aber noch ehe er seinen Plan auf Covenanon vollends umsetzen kann, bekommt er von Obi Wan einen neuen, eiligen Auftrag des Hohen Rates übermittelt. Die Begeisterung hält sich bei Baye zwar stark in Grenzen, aber natürlich leistet er den Anweisungen von Meister Yoda Folge und begibt sich mit seiner Einheit ebenfalls nach Katou.

Dort gestalten sich die Dinge zunächst anders als erwartet und Baye und sein Trüppchen Klonsoldaten müssen sich erstmal in die Situation einfinden, noch nicht ahnend, dass all dies einem noch viel weiterreichenden Plan eines anderen entspringt. Als dann einer der Klonsoldaten verschwindet, beginnt sich dieser Plan Schritt für Schritt zu realisieren, und Baye hat dem Plan des anderen nur sein eigenes Vertrauen in die Macht und in deren Offenbarung, was zu tun ist, entgegenzusetzen. Aber auch General Grievous steht vor einer Spiegelung, die ihm zu einer Selbsterkenntnis verhilft.

Die Umsetzung

Autor Michael Moreci erzählt in dieser Geschichte in gewisser Weise den Gründungsmythos von General Grievous, der, umgeben von Monstern, erkennt, dass er selbst ebenfalls ein Monster ist. Also eigentlich eine recht konventionelle Prämisse. Ob es dafür wirklich einen derart verschwenderischen Einsatz großer Tiere bzw. kontrollierten Monstern bedurfte, sei mal dahingestellt. Aber Monster gehören ja ebenso zu Star Wars wie Todessterne, und eine ordentliche Prise Gigantismus ist meist auch mit dabei. Im Kampfgetümmel gehen allerdings einige nachdenklichere Panels fast unter. Die Frage, wie frei die unterschiedlichen Figuren in ihrem Handeln sind und wozu sie dies jeweils macht, ist das Kernthema. Und während die Antwort für Grievous noch eindeutig ausfällt, bleibt sie für Baye und die Klonsoldaten eher offen. Natürlich liegt der Fokus der Geschichte dem Titel nach auf Grievous, sodass dies ausreichen würde, aber da die Geschichte in weiten Zügen Baye folgt, ist es für den Leser etwas unbefriedigend, da Baye, wie die Hauptfigur, und Grievous nur als deren Gegenspieler wirken, während es eigentlich genau andersherum sein müsste. Das finde ich sehr schade, denn Moreci nimmt sich durchaus die Zeit, diese philosophisch sehr interessante Frage aufzubauen, um dann aber am Ende doch wieder zurückzuschrecken und einen eher konventionellen Abschluss zu suchen, wie wir ihn auch aus anderen Geschichten kennen. Verschenktes Potenzial für einen, trotz all der Action, doch sehr textlastigen und nachdenklichen Comic.

Der von Caio Filipe gezeigte Zeichenstil kommt zwar in der für diese Reihe typischen, eher spartanischen Grundform vor, ist im Detail jedoch durchaus sehr genau ausgearbeitet. Man sollte sich also vom ersten Eindruck nicht täuschen lassen. Über die Punkterasterung als Mittel zur Darstellung schattierter Flächen kann man streiten. Ich würde es als bewusste Reminiszenz an die eingeschränkten Gestaltungsmöglichkeiten vergangener Zeiten bewerten, die aber durchaus auch noch heute funktionieren. Dazu passen auch die meist einfarbig gehaltenen Hintergründe. Dafür hat man beim Schnitt und bei der Komposition der Panels viele sehr schöne und gelungene Varianten gefunden. Und auch sonst sind etliche Panels sehr bemerkenswert. Man sieht also sehr deutlich, wie viel Überlegung und Aufwand in die grafische Umsetzung der Geschichte investiert wurden.

Tyler Smith und Jimmy Betancourt hatten beim Lettering durchaus alle Hände voll zu tun, denn es wird nicht nur viel gesprochen, sondern auch sehr viel lautmalerisch vertont und auch hier hat man sich einige schöne Spielereien einfallen lassen, wie man z.B. auf dem Vorschaubild 5 oben mit der Kakofonie an Blasterfeuer oder den in die dreidimensionale Gestaltung eingepassten „Chom“s sehen kann.

Und auch Michael Cho hat Grievous auf dem Cover in seiner Charakter-Pose mit den zu einem Diamanten geformten vier Lichtschwertern sehr eindrucksvoll in Szene gesetzt.

Die Sketchbook-Sektion fand ich ganz interessant, so ein bisschen „The Art of … “ kommt ja immer gut, auch wenn es nur einen begrenzten Mehrwert hat. Es ist aber einfach mal nett zu sehen, welche Ideen für die verschiedenen Kreaturen vorgeschlagen wurden. Hilfreich ist auch die Aufstellung der unterschiedenen Markierungen der Klontruppen-Soldaten, um diese namentlich identifizieren zu können.

Fazit

Ein absolut lesenswerter Comic, dessen gute Anlagen und besonders die Gestaltung vieler Panels darüber hinwegtrösten, dass sich der Autor am Ende doch nicht ganz getraut hat, die Frage der Selbstbestimmung seiner Figuren in letzter Konsequenz zu stellen und zu beantworten.


Aktuell haben wir keine Erkenntnisse dazu, wann der nächste Band aus dieser Reihe erscheinen wird, aber es war seinerzeit, 2024, noch einer zu Obi-Wan angeteasert worden. Lassen wir uns überraschen!

Wir danken Dark Horse für die Bereitstellung des digitalen Rezensionsexemplars und StarWars.com für die Vorschauseiten.

4 Kommentare

  1. Die Story ist bloß durchschnittlich, aber Zeichnungen sind super. Obwohl mir ein derart schlichter Stil sonst nicht so zusagt, ist die Linienführung hier derart gelungen, das ich bei vielen Panels durchaus länger verweilt habe.

    Diese Geschichte ist nicht in der Timeline zu finden. Wo würdet ihr sie verorten? Den Rüstungen nach eher Ende 22 BBY, oder Anakins/Obi-Wans Outfit nach eher Ende 21 BBY?

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