Vor vielen Jahren endete mit Das Erbe der Jedi-Ritter eines der bis dahin ambitioniertesten Literatur-Projekte im Star Wars-Universum: Sage und schreibe 19 Romane von verschiedensten Autor*innen erzählten vom Yuuzhan-Vong-Krieg, der die Galaxis nachhaltig verändern würde. Dabei schlugen die Romane einen deutlich ernsteren Ton an, so verloren viele Figuren ihre Plotarmor – das erste und wohl tragischste Opfer entstammte auch direkt der Riege der Helden der Rebellion. Viele traumatische Ereignisse im Rahmen des Krieges formten die überlebenden Charaktere, die sich nun in einer Galaxis befinden, die mit der alten Galaxis nicht mehr viel gemein hat.

Im Jahr 2006 wagte sich Del Rey noch tiefer in die Zukunft und begann die Reihe Wächter der Macht. Über zehn Jahre nach dem Ende des Yuuzhan-Vong-Kriegs braut sich neues Unheil über die Galaxis zusammen, doch dieses Mal von innen – was auch unsere Helden tief zeichnen wird. In neun Romanen erzählen Aaron Allston, Karen Traviss und Troy Denning vom Aufstieg und Fall des Darth Caedus‘ und diese Erzählungen haben mit der Sequel-Trilogie interessanterweise sogar einiges gemeinsam.
In den nächsten Wochen wollen wir uns – passend zum 20. Jubiläum – nun den einzelnen Werken widmen, den Anfang macht natürlich Band 1: Intrigen aus der Feder Aaron Allstons. Die Rezension enthält natürlich keine Spoiler zum Roman selber, jedoch zu einigen davorgehenden Ereignissen, insbesondere zum Yuuzhan-Vong-Krieg. Das ist durch die zeitliche Einordnung des Buches leider nicht zu vermeiden. Der Roman erschien im englischen Original als Legacy of the Force 1: Betrayal am 30. April 2006, am 13. Oktober 2008 folgte die deutschsprachige Übersetzung. Auf dem Cover sehen wir Jacen Solo, der die Hauptfigur dieser tragischen Reihe ist.
Was bisher geschah
Zur Auffrischung wollen wir noch einmal kurz zusammenfassen, was genau in der Galaxis vor der Reihe geschah, da sehr vieles davon beeinflusst wird und natürlich verständlicher ist. Der folgende Abschnitt enthält dementsprechend große Spoiler zu Die Hand von Thrawn, der gesamten Das Erbe der Jedi-Ritter-Reihe und der Dunkles Nest-Trilogie.
Nach über zwanzig Jahren geht der Galaktische Bürgerkrieg zwischen der Neuen Republik und dem Imperium mit dem Pellaeon-Gavrisom-Abkommen zu Ende. Auch wenn die Neue Republik ein deutlich größeres Gebiet der Galaxis beherrscht, sind die imperialen Restwelten unter der Führung von Gilad Pellaeon bei weitem nicht in der Versenkung verschwunden.
Schon während des Bürgerkrieges hat Luke Skywalker den Orden der Jedi neugegründet und die erste Generation neuer Jedi-Ritter ausgebildet. Auf dem Mond Yavin 4 befindet sich nun die Jedi-Akademie, die immer mehr neue Ritter und Meister hervorbringt. Der neue Orden ist jedoch weniger dogmatisch als noch in der Alten Republik – so sind weder Heirat noch Liebe verboten; viele Jedi bringen ihre Kinder (mit) in den Orden. Zudem werden die Kinder nicht mehr im Säuglingsalter dem Orden übergeben und ihrer Familie entfremdet. Auch Luke Skywalker heiratet – Mara Jade, die ehemalige Hand des Imperators – und bekommt mit ihr gegen Ende des Yuuzhan-Vong-Krieges einen Sohn, Ben. Auch die Kinder Hans und Leias – Anakin, Jaina und Jacen – werden in der Akademie ausgebildet.
Die Galaxis scheint im Frieden, doch das ändert sich schlagartig, als am Rande der Galaxis die ersten Schiffe der Yuuzhan Vong auftauchen – eine extragalaktische, fanatische Spezies, die alles Technische ausrotten will und in der Galaxis eine neue Heimstatt sucht. Im Jahr 25 NSY bricht darum der Yuuzhan-Vong-Krieg aus, der über vier Jahre wüten wird. Eines der ersten Opfer ist dabei Chewbacca, doch viele mehr werden fallen. Die Solo-Familie trifft es besonders schwer – nicht nur Hans bester Freund stirbt durch die Invasionen einen Heldentod, sondern auch sein Sohn Anakin. Viele Welten werden durch die biologischen und anfangs deutlich stärkeren Waffen unbewohnbar. Schließlich fällt auch Coruscant und wird „gevongformt“ – die Vong meinen in der Stadtwelt ihre Heimatwelt zu erkennen und wollen diese natürlich anpassen.
Mithilfe des Imperiums, der Chiss und verschiedenster Fraktionen – u. a. auch Splittergruppen innerhalb der Vong – gelingt es den Jedi und der in der Galaktischen Allianz aufgegangenen Neuen Republik (zu der Allianz zählt auch das wieder erstarkte Imperium), den Anführer der Vong auszuschalten und den Krieg zu beenden. Doch Schäden sind teils irreparabel – nicht nur sind komplette Planeten verseucht, sondern auch komplette Spezies an den Rande der Ausrottung gebracht. Viele sind traumatisiert, haben ihre Liebsten verloren, die Galaxis ist auch politisch eine andere.
Eine kurze Krise gibt es noch – die Kilik, eine insektoide Spezies, die nur alle paar Tausend Jahre aus ihren Bauen auftaucht – werden von den Jedi zwar aufgehalten, doch sind sie durch ihre Kollektivverbindungen mit Jaina Solo noch teils mit ihnen und dem Jedi-Ritter Jekk verbunden.
Eine neue Gefahr von innen
Wir schreiben das Jahr 40 nach der Schlacht um Yavin. Ein großer Teil der ganzen Galaxis ist in der Galaktischen Föderation Freier Allianzen vereinigt, doch ein System übt sich im ersten Widerstand! Die Kernwelt Corellia hätte gerne die Vorzüge einer Mitgliedschaft in der Galaktischen Allianz, aber möglichst ohne die Verpflichtungen. Gerüchte beginnen sich zu verbreiten, dass die Armee ausgebaut wird und die Centerpoint-Station – eine der mächtigsten Waffen der Galaxis, die einst von Anakin Solo versiegelt wurde – wieder in Betrieb genommen werden könnte.
Jacen Solo infiltriert mit seinem Padawan Ben Skywalker eine Waffenfabrik, doch fällt ihnen dabei auf, dass einige Waffen unterschlagen werden und eben nicht der Galaktischen Allianz zur Verfügung gestellt werden. Die beiden entkommen der Fabrik, aber finden so schon Anzeichen einer Aufrüstung Corellias.
Zurück auf Coruscant kommen die Familien Solo und Skywalker zum Abendessen zusammen, doch entzündet sich ein Streit, wie mit Corellia umzugehen ist. Besonders Han fällt es schwer, da er selber als Corellianer mit seinem Planeten verbunden ist, aber auch weiß, welche Gefahren ein neuer Bürgerkrieg bringen könnte. Auch hat sein Cousin, Trackan Sal-Solo, die Macht auf Corellia inne und ist ein gefährlicher Gegenspieler.
Han entscheidet, mit Leia inkognito nach Corellia zu reisen, während die Allianz einen Gegenschlag vorbereitet. Das Militär soll innerhalb kurzer Zeit die Macht demonstrieren, während Jedi-Teams Sal-Solo festsetzen und Centerpoint unschädlich machen. Die Hoffnung dahinter ist es, den Corellianern zu demonstrieren, dass es keinen Sinn hat, gegen die Allianz aufzubegehren. So nimmt der Plan seinen Lauf, im Zuge dessen Centerpoint zwar deaktiviert wird, die Machtdemonstration jedoch in ersten Kampfhandlungen endet. Dabei wird Tralus, eine der fünf Welten des Corellianischen Systems, von der Allianz besetzt – die Kampfhandlungen enden.
Um die Krise noch diplomatisch zu lösen, wird auf einer entlegenen Raumstation ein Friedenskongress einberufen, doch als dieser überfallen wird und unter den Opfern die Premierministerin der fünf Welten, Aidel Saxan, ist, stehen alle Zeichen auf Konfrontation, denn nun liegt de facto die gesamte Macht bei Trackan Sal-Solo. Die Corellianer bereiten einen Gegenschlag vor, während Jacen Solo während seiner Ermittlungen zu dem Überfall auf eine mysteriöse Frau trifft, die sein Schicksal tief prägen wird…
Viel Politik und eine entschlossene Allianz
Die Politik ist einer der Hauptaspekte des Romans und die Darstellung gelingt Aaron Allston sehr gut. Wir erleben viele politische Prozesse auf Allianz- und Corellia-Seite und Diskussionen, wie mit solchen Mitgliedswelten umzugehen ist. Interessanterweise reagiert die Allianz mit ihrem Präventivschlag sehr rabiat – eine Sache, die mich zunächst überrascht hat. Aber die Mitglieder der Allianz haben nun mal gelernt, was passiert, wenn man zu lange zögert. Auch dass die Jedi dort direkt teilnehmen, zeigt, dass auch der Orden sich in Folge des Yuuzhan-Vong-Krieges weiterentwickelt hat, trotz Lukes Zweifel in dieser Hinsicht.
Spannend war auch zu lesen, wie hier die Taktiken nicht nur rein militärisch betrachtet werden, sondern auch von der Seite der öffentlichen Meinung: Wie lässt sich die corellianische Bevölkerung am ehesten davon überzeugen, dass ein Austritt Corellias wirtschaftlich einen großen Schaden darstellen würde? Ist es ein Zeichen der Schwäche, wenn der Allianz-Staatschef Cal Omas zu einer Friedenkonferenz anreist, die eben nicht auf Coruscant stattfindet, um dort eine deutlich rangniedrigere Premierministerin zu treffen? Wie wirkt sich ein Austritt Corellias auf andere Welten aus, die auch darüber nachdenken – könnte das eine Kettenreaktion werden? Welche Rolle sollten die Jedi in alldem spielen?
Charakterfokus
Natürlich kommen hier die Charaktere nicht zu kurz, am spannendsten fand ich hier auf der einen Seite Han, Leia und Wedge, die sich zwischen den Stühlen fühlen und sich doch auf eine Seite schlagen müssen. Die Sache verkompliziert sich, als ihre eigenen Kinder auf der gegnerischen Seite kämpfen und es zu einem direkten Raumduell kommen kann, ohne, dass sie wissen, wer im anderen Raumschiff sitzt. Aber sie wissen, dass es ihre Kinder sein könnten. Wir haben hier zum ersten Mal eine Konstellation, bei der Han, Leia und Luke nicht ganz auf derselben Seite stehen, auch wenn Han und Leia ihr Möglichstes tun, um den Schaden möglichst gering zu halten und einen Krieg zu verhindern. Dabei sei auch gesagt, dass Leia zu Beginn einen eher zentralistischen Ansatz verfolgt, aber aus Liebe und Loyalität zu Han mit ihm nach Corellia reist. Sie zweifelt jedoch regelmäßig an ihrer Rolle zwischen beiden Seiten, freut sich jedoch auch, dass sie eben kein Amt mehr bekleidet und dementsprechend rein nach ihrem Gewissen handeln kann. Dieser Dualismus aus Zentristen und Unabhängigen erinnerte mich sehr an den Kanonroman Blutlinie von Claudia Gray. Wahrscheinlich nur ein Zufall, aber es freut mich, dass dieses Konzept auch im Kanon Anwendung fand.
Auf der anderen Seite haben wir Jacen und Ben, deren Beziehung hier sehr eingehend beleuchtet wird. Ben will sich beweisen und mit seinen dreizehn Jahren möglichst erwachsen sein. Jacen hat seine eigene Interpretation der Macht und ist ein etwas unorthodoxer Lehrmeister. Die Dynamik zwischen den beiden war sehr spannend zu verfolgen, doch merkt man auch hier schon, auf welchen dunklen Pfaden Jacen wandern wird. Insbesondere, wie er seinen eigenen Schüler manipuliert, um einen Mord zu vertuschen, von dem er meint, er musste ihn begehen, um Schlimmeres von der Galaxis abzuhalten, schockierte mich zum einen, passte aber auf der anderen Seite sehr gut in seine Charakterentwicklung seit dem Yuuzhan-Vong-Krieg. Jacen geht das alles überraschend pragmatisch an – andere bemerken das auch, sogar er selbst geht das alles reflektiert an.
Luke ist ganz in seiner Rolle als Großmeister des Ordens, doch merkt man, dass ihm dieser Status im Kontext der Politik der Allianz nicht ganz wohl ist, eben weil vom Orden erwartet wird, dass er sich ohne Wenn und Aber aufseiten der Allianz schlägt. Luke selber wird verfolgt von Visionen eines Mannes in Kapuze und merkt dadurch, dass sich auf einer ganz anderen Ebene eine neue Gefahr anbahnt. Davon abgesehen lernen wir auch einen sehr abgehärteten und politisch involvierten Luke kennen, dem man die schlimmen Erfahrungen des Yuuzhan-Vong-Krieges ansieht – und der bei weitem nicht mehr ein naiver Bauernjunge ist. Admiral Pellaeon bringt es gut auf den Punkt:
Ihr seid skrupelloser, als mir bewusst war, Meister Skywalker
Gilad Pellaeon
Diesen Satz spricht er, als er erfährt, dass Luke seinen 13-jährigen Sohn auf eine sehr risikoreiche Mission nach Centerpoint entsendet.
Bei all dem Lob muss ich leider auch einige kritische Worte dazusagen, die jedoch nicht das Werk selber betreffen, sondern die Übersetzung. Ein paar kleine Rechtschreibfehler sind natürlich kein Problem – ich meine, ich sollte der letzte sein, der sich hier über Flüchtigkeitsfehler beschwert – aber in diesem Ausmaß habe ich das selten erlebt. Ich bekam manchmal das Gefühl, hier eine noch nicht redigierte Ausgabe zu lesen, und die Fehler rissen mich teils aus dem Lesefluss.
Als Fazit kann ich jedoch eine unbedingte Leseempfehlung aussprechen. Wir erleben hier neue Konstellationen, spannende Politik mit interessanten Fragen und gute Charakterarbeit. Außerdem wird alles Relevante aus vorhergehenden Werken an verschiedenen Stellen nochmal zusammengefasst, sodass es nicht weiter schlimm ist, wenn es schon eine Weile her ist, dass man diese gelesen hat. Ich freue mich schon sehr auf die anderen Bände und darauf, wie alles zusammenkommen wird.












So oft wie diese Reihe jetzt schon im Jedi-Cast erwähnt wurde, wurde es jetzt auch mal Zeit.
Auch wenn ich in Legends nicht mal ansatzweise bei dieser Reihe bin, lese ich doch immer gerne auch Rezensionen zu Büchern die ich noch nicht kenne.
Nun freue ich mich jetzt schon auf die Wächter der Macht Reihe die bei mir erst in vielen Jahren ansteht.