Der kleine Tobi schnappt sich im Buchladen das, was er sowieso schon mag. Also irgendwas, wo LEGO draufsteht. Heute das Lexikon der Minifiguren. 2012, als die erste Version davon erschien, war das etwas ganz Besonderes für ihn. Stundenlang die Seiten durchforsten, Figuren abgleichen, die man hat und nach jenen lechzen, die man unbedingt möchte und in der Sammlung fehlen. Dazu noch der exklusive Han Solo mit Medaille, der hervorragend zum Luke Skywalker aus dem Lexikon der Figuren, Raumschiffe und Droiden aus dem Jahr 2010 passt.
Dicker, teurer, aber gleich viel Inhalt
Seither sind drei weitere dieser Minifiguren-Lexika erschienen. Kein Wunder, es sind schließlich auch viele neue Minifiguren auf dem Markt. In der Version von 2016 gab es einen weißen Boba Fett, in der von 2020 einen Darth Maul und in der neuesten Version, die 2025 bei Dorling Kindersley erschienen ist? Genau, Imperator Palpatine im Bademantel. Beginnen wir also direkt bei der Komponente, die den kleinen Tobi damals so fasziniert hat: der Minifigur. Diese ist über die Jahre immer beliebiger geworden. Damals hatte sie noch den exklusiven Faktor. 2020 war es dann immerhin ein cooler Darth Maul samt Doppellichtschwert. Jetzt ein Imperator Palpatine im Stil von Episode IX – leider ohne Monitorarm und auch ohne die LEGO-Blitze, die eigentlich anstelle des Lichtschwerts gepasst hätten.

Mit Blick auf eine weitere Variable zeigt sich eigentlich eine Konstante. Denn bis 2020 gab es diese Bücher immer für 16,95 Euro. Die Version von 2025 mit Bademantel-Palpatine kostet knapp 23 Euro. Eine Steigerung um sechs Euro. Dafür mehr Inhalt? Nein. Eher weniger. Hatte die Version 2020 noch 223 Seiten, kommt die neue auf 219. Nicht viel Unterschied in der Seitenanzahl, dafür aber im Preis. Man beachte übrigens auch das offizielle Promo-Bild des Werks (weiter unten im Beitrag), das fast ausschließlich Seiten zeigt und den riesigen Pappteil vorne ignoriert.

Trügerisch ist das ganze aber schon. Stehen die drei Werke, die ich besitze (die mit Boba von 2016 habe ich nicht), nebeneinander, wirkt die neueste Ausgabe wie die umfangreichste. Sie ist fast ein Drittel dicker als die bisherigen. Das liegt aber – genau wie bei der neuesten Ausgabe des Lexikons der Figuren, Raumschiffe und Droiden von 2024 – allein an dem dickeren Papp vorne, wo sich die Figur befindet. Lustiger Nebeneffekt dabei: Klappt man das Buch auf, schnallt es von allein wieder zu, wenn man es nicht festhält, da der Schwerpunkt und Buchrücken durch den dickeren Deckel nicht dafür sorgen, dass das Buch aufgeklappt bleibt. Ohne Festhalten klappt das Buch bis Seite 50 wieder zu, bis Seite 86 findet es nicht den Mittelpunkt und die Seiten links sind dadurch immer schräg in der Luft. Ab dann lässt es sich auch „normal“ lesen. Das folgende Video also als sinnbildliche Veranschaulichung verstehen:
Immerhin sieht man die Figur bei der Ausgabe wieder – und zwar ganz ohne Plastiksichtschutz. Dafür ist Palpatine mit einer Art Halskrause festgemacht, damit er nicht aus seinem Pappheim rausfällt oder rausgeklaubt werden kann. Am Ende also doch eine Art Monitorarm, oder eher Wandhalterung.
Viele Figuren und viele mehrmals
Schauen wir mal hinter den dickeren Papp, den Palpatine und das Preisschild ins Innere des Buchs. Darin hat sich an der Sortierung kaum etwas geändert. Noch immer geht es chronologisch durch die Ären. Hinzugekommen sind die Kategorien für Andor (sowieso nur drei Figuren) und The Mandalorian. Am Ende ein paar besondere Mash-ups. Legends-Figuren wie einst Starkiller fehlen in dieser Ausgabe komplett.
Nicht nur das Gleichgewicht beim Aufschlagen des Buches ist stark einseitig, sondern auch die Auswahl an Figuren. Innerhalb von 20 Seiten haben wir Luke als Sturmtruppler, Luke als Pilot, Luke als Ordensträger, Luke auf Hoth, Luke im Bacta-Tank, Luke auf Dagobah sowie Luke in der Wolkenstadt. Die restlichen Seiten gehören dem Spiegelbild Han, nur in Karbonit statt Bacta. Für diese Häufung an Hauptfiguren hätten sich durchaus Doppelseiten für deren jeweilige Outfits je Film angeboten, die Inquisitoren aus Obi-Wan Kenobi wurden schließlich auch so behandelt. Damit wäre mehr Platz für weitere Randcharaktere gewesen.

Ganz gut ist ein solches Lexikon aber dafür, zu sehen, welche Minifiguren eigentlich endlich mal ein Update brauchen. Mon Mothma beispielsweise wird immer noch in der Home One-Version von 2009 abgebildet. Die Texte sind derweil passend zu den Figuren, gehen aber selten in die Tiefe. Wie immer hilft ein Datenbank-Block dabei, die Figur im Jahr und Set zu verorten. Meist gibt es dann noch die Erklärung eines Accessoires, was die Figuren in ihren jeweiligen LEGO-Sets nutzen. Dazu am Ende eine Erklärung der gewählten Teile. Beispielsweise bei kleineren Figuren die kürzeren Beine oder spezielle Kopfformen.
Etwas verwirrend ist, dass manche Texte die Figuren als solche ansehen. So heißt es: „Rio Durant ist ein Ardennianer, ein Wesen mit sechs Gliedmaßen vom Planeten Ardennia.“ Direkt gegenüber jedoch steht: „Vals Minifigur genießt die gefährlichen Missionen mit Tobias Becketts Team.“ Sind es nun die Charaktere oder die Minifiguren? Wenn zweiteres – warum genießt dann nur die Minifigur von Val und nicht Val selbst die gefährlichen Missionen mit Tobias Beckett? Hier hätte es gerne ein zusätzliches Lektorat und schlussendlich Einheitlichkeit geben dürfen.
Fazit
Natürlich urteilt hier jemand über ein Werk, der über 20 Jahre über der Altersempfehlung liegt. Als Kind hat mich das Buch fasziniert und da war es mir auch egal, ob es nun 17 oder 23 Euro gekostet hat. Dennoch hat die neueste Ausgabe dieses Lexikons in meinen Augen nachgelassen. Ja, es sind die aktuellsten Versionen der Figuren drin, aber dadurch kaum mehr Inhalt. Andere fallen dafür weg, damit Luke und Han in allen Variationen zu sehen sind. Zudem lässt sich das Buch kaum richtig lesen und muss immerzu aufgehalten werden, weil es sonst zurückklappt. All das wiederum nur, damit man es dicker und damit wertiger machen kann, obwohl effektiv sogar weniger Inhalt drin ist. Auch die Figur von Palpatine löst keinen Jubel bei mir aus, da sie bis auf den vorn aufgedruckten Bademantel keinerlei besondere Bedruckung hat und für mich keine ikonische Figur ist. Für Kinder bestimmt immer noch ein Spaß, aber kein solch bedingungsloser wie noch 2012 mit einem Buch, das aufblieb, wenn man es aufschlug, einem exklusiven Han Solo und wohl den Figuren im Inneren, mit denen ich meine goldenen LEGO-The Clone Wars-Jahre sehen konnte.
Wir danken DK für die Bereitstellung des Rezensions- und der Verlosungsexemplare.











Mein Tip – einfach die englische Version kaufen. Die sind meistens günstiger (bei Thalia gibt es gerade 15% extra auf ausländische Bücher, da die keiner Preisgarantie unterliegen). …und Englisch lernen hat noch nie soviel Spaß gemacht, wie mit STAR WARS LEGO (works with 8 until 80ty 😉