Rezension: The High Republic Adventures #7 von IDW

Heute geht in The High Republic Adventures #7 von IDW der zweiteilige Mini-Handlungsbogen „Mission to Bilbousa“ zu Ende. Nachdem Padawan Farzala und Leox Gyasi im vorigen Heft beim Versuch, mit den Hutten zu verhandeln, in Gefangenschaft geraten sind und die Vessel von Jabbas Schergen eingenommen wurde, müssen sich die Jedi und die Crew der Vessel im heutigen Heft aus dieser misslichen Lage wieder befreien. Verantwortlich für die Story ist wie immer Daniel José Older. Die Zeichnungen stammen von Harvey Tolibao, koloriert von Rebecca Nalty.

Zum Inhalt

Farzala ist zu Beginn des Hefts niedergeschlagen und voller Angst, da er sich ohne seinen Meister in Gefangenschaft bei der Huttin Skarabda sehr allein fühlt. Diese Angst überwindet er jedoch Schritt für Schritt, indem er an Meister Obratuks Lehren zurückdenkt und sie anwendet: Angst zu fühlen ist nur eine Chance, dieses Gefühl zu überwinden. Farzala schafft es, sich selbst und Leox aus den Käfigen, in denen sie eingeschlossen sind, zu befreien, und kann so auch im Kampf gegen die Drengir mithelfen, der für Sicherheitschefin Ishnar und ihre Leute schon fast verloren scheint.

Auf der Vessel kämpfen Qort, Affie und Geode derweil gegen Jabbas Schergen, die das Schiff übernommen haben, können diese jedoch mit List und dem aus seinem Winterschlaf erwachenden Meister Obratuk besiegen. Nun muss nur noch Skarabda überzeugt werden, dass der Angriff auf Nal Hutta nicht von den Jedi ausging, sondern von Jabba. Doch Letzterer ist bereits auf dem Planeten angekommen und versucht, Skarabda zu überzeugen, dass es besser sei, ihm die Kontrolle zu übergeben, da sie ja anscheinend allein mit der Drengir-Bedrohung nicht klarkommt…

Zur Umsetzung

Zunächst einmal finde ich es schön, dass im heutigen Heft wieder Farzalas Erinnerungen an die Holo-Serie rund um den fiktionalen Jedi-Meister Tal Bota aufgenommen wird. Diese haben Farzala und Lula als Kinder geschaut und nahmen sich den mutigen Jedi-Meister als Vorbild. Auch in der Gefangenschaft denkt Farzala zurück an die Serie, in welcher Meister Tal Bota oft im Alleingang gegen Horden von Feinden kämpfte und dabei niemals Angst hatte. Ich denke, viele Leser*innen des Comics werden sich wahrscheinlich in diesen Gedanken Farzalas wiederfinden können, denn welcher Fan hat nicht einmal in verzwickten Lage darüber nachgedacht, was sein Lieblingsheld in dieser Situation tun würde? – Allerdings entpuppt sich die Lehre, die Farzala aus der Serie gezogen hat – Du musst alles alleine schaffen und darfst keine Angst haben – als wenig hilfreich im echten Leben. Viel hilfreicher sind Meister Obratuks Ratschläge, die Angst als ein natürliches Gefühl zu akzeptieren und zu überwinden. Mit Farzalas Erkenntnis, dass Tal Bota kein hilfreiches Vorbild ist, schafft es Daniel José Older wunderbar, der Handlung dieses Zweiteilers einen Rahmen zu geben, der die Geschichte zusammenhält, und gleichzeitig auf einer Meta-Ebene ein Plädoyer gegen überlebensgroße Vorbilder und Helden zu halten. Das gibt uns Fans auf jeden Fall mehr zum Nachdenken auf den Weg mit, als ich es von einem Comic je erwartet hatte.

Richtig schön finde ich auch, wie Farzala dafür belohnt wird, dass er sich sowohl in der vorigen als auch in der heutigen Ausgabe so nobel und Jedi-haft gegenüber von Skarabdas Sicherheitschefin Ishtar verhält. Ishtar wäre sicher eine Person gewesen, die Farzala sich leicht zur Feindin hätte machen können, wenn er sich ihr gegenüber aggressiv verhalten oder ihre Befehlsgewalt in Bilbousa nicht akzeptiert hätte. Stattdessen rettet er ihr mehrfach das Leben, obwohl sie ihn eingesperrt hat. Dafür schenkt sie ihm am Ende das nötige Vertrauen, was dazu führt, dass auch Skarabda den Jedi vertraut und das diplomatische Verhältnis zwischen beiden Parteien gerettet wird. Farzala ist wirklich ein beeindruckender junger Jedi, der auf dieser Mission eine Menge wichtiger Lehren mitnehmen konnte. Es macht richtig Spaß, seiner Charakterentwicklung zu folgen.

Der B-Plot auf der Vessel ist etwas weniger spannend, aber dafür actionreich und amüsant. Vor allem die Angst der Piraten vor dem ihrer Ansicht nach unheimlichen Geode sorgt immer wieder für Schmunzler. Spektakulär und überraschend kommt am Ende die Wendung in Form von Meister Obratuk, der aus seinem Winterschlaf erwacht und seine fünf Lichtschwerter mit seinen diversen Gliedmaßen schwingt. Dies ist auch visuell beeindruckend umgesetzt – ein echter Hingucker! Allerdings haben Obratuks Lichtschwerter einen traurigen Hintergrund: Sie gehörten alle seinen ehemaligen Padawan-Schüler*innen, die der langlebige Parwaner bereits zu Grabe tragen musste. Ein wirklich bedrückender Gedanke, aber in einer Galaxis, deren Spezies so unterschiedliche Lebenserwartungen haben, wohl leider nichts Ungewöhnliches. Und wieder einmal spricht The High Republic Adventures hier ein ernstes Thema an, das ich in diesem Format, das sich vornehmlich an Kinder richtet, nicht erwartet hätte.

Visuell ist nicht nur Meister Obratuk in Aktion ein Highlight. Auch die Panels aus Farzalas Gefangenschaft, ganz in düsterem Grün gehalten, vermitteln anschaulich die bedrückte Stimmung, in der sich der Padawan befindet. Weniger gut umgesetzt finde ich allerdings die Befreiung von Farzala und Geode. Was genau Farzala mit den in der Luft hängenden Käfigen macht, ist mir anhand der Zeichnungen nicht ganz klar. Schwingt er sie mit der Macht hin und her, um sie aneinanderprallen zu lassen, sodass sie aufspringen? Die sehr skizzenhafte Zeichnung dieser Szene lässt da bei mir einige Fragen offen. Ebenso hätte ich gerne etwas mehr Kontext gehabt, woher Farzala das Monster namens „Blixy“ auf einmal her hat. Wahrscheinlich muss man einfach davon ausgehen, dass jeder Hutt sich solche Geschöpfe in seinem Keller hält.

Insgesamt fällt auch der Kampf gegen die Drengir, die ja eigentlich das Hauptproblem von Skarabda und Grund ihres Hilferufs sind, sehr knapp aus. Im ganzen Heft sieht man lediglich ein paar Ranken in einige Panels hineinragen. Hier hatte ich doch den Eindruck, dass dem Heft vielleicht aufgrund der zwei (wenn man das Gespräch der Hutten mitzählt, sogar drei) parallelen Handlungen noch ein paar Seiten gefehlt hätten, um das Ganze ein wenig auszubauen und runder zu machen. Allerdings muss ich als ständige Kritikerin von zu viel Monster-Action in Comics auch sagen, dass es mich freut, dass man die knapp bemessenen Seiten hier im Zweifelsfall vorrangig für gehaltvolle Inhalte wie Farzalas Entwicklung verwendet hat, statt den Drengir mehr Platz einzuräumen.

Fazit

Insgesamt ein sehr starkes Heft, dem in meiner Wertung nur wenige Details fehlen, um auf die volle Holocron-Zahl zu kommen. Farzalas tolle Charakterentwicklung ist es auf jeden Fall wert, dieses Heft und den gesamten Mini-Handlungsbogen „Mission to Bilbousa“ zu lesen.

Bewertung: 4 von 5 Holocrons
Bewertung: 4 von 5 Holocrons

Wir danken IDW Publishing für die Bereitstellung des digitalen Rezensionsexemplars und der Vorschauseiten.

Zum Handlungsbogen „Mission to Bilbousa“ wurde bisher noch kein Veröffentlichungsdatum für einen Sammelband in deutscher oder englischer Sprache bekanntgegeben.

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