EW: Kylo Ren und Rey in Die letzten Jedi

Zum Auftakt einer neuen Reportage über Star Wars: Die letzten Jedi hat Anthony Breznican auf Entertainment Weekly einen Artikel über die Haupt(anti)helden des Films geschrieben: Rey und Kylo Ren. Wir haben euch das Wichigste daraus zusammengefasst.

Entertainment Weekly Cover Kylo Rey
Entertainment Weekly Cover Kylo Rey
Kylo Ren hasst Rey, die Schrottsammlerin, die sich irgendwie das Lichtschwert seiner Familie angeeignet und ihn überwunden hat. Und doch verspürt er laut Darsteller Adam Driver eine gewisse Bewunderung für Daisy Ridleys Rey. „Er ist sich schon seit dem Kindesalter dieser Fähigkeiten in seinem Innern bewusst und ich glaube nicht, dass es viele Leute in seinem Umfeld gibt, die ihm damit gleichkommen“, erläutert Driver. „Ich denke, dass er hier etwas Vertrautes sieht, das es aber auch zu fürchten gilt, oder etwas… das er nicht ganz einordnen kann.“ Zugleich verspürt Kylo aber natürlich auch brennenden Neid auf sie.

Rey hat keinerlei solche Gefühle. Sie denkt überhaupt nicht über ihn nach. Doch zugleich ist diese Dynamik zwischen beiden, dieses Tauziehen von Dunkel und Licht, der Kern von Episode VIII, und ihre Schicksale sind auch miteinander verflochten. Daher hat Rian Johnson die beiden auf dem EW-Cover (rechts) gemeinsam abbilden lassen.

Rey sehnt sich nicht nach Macht über andere, sondern will nur diese Fähigkeiten verstehen, die in ihr erwacht sind – und sie zum Wohle anderer einsetzen. Ridley erklärt: „Sie weiß nicht wirklich, was sie will. Sie versucht aber, das Richtige zu tun und ihr moralischer Kompass zeigt wirklich gen Norden.“

Zugleich erklärt sie aber auch, dass Rey auch vom Pfad abgebracht werden kann. „Der Widerstand bedeutet ihr nicht sonderlich viel. Ich meine, sie ist ihr ganzes Leben über verlassen worden, und dennoch schnell bereit, anderen Leuten auszuhelfen, was wunderbar ist. Sie will ein Teil von etwas sein. Ich meine, jeder möchte gerne Teil von etwas sein.“

Doch als Luke Skywalker ihr mit Furcht und Ablehnung begegnet, anstatt sie als Schülerin aufzunehmen, fühlt sich Rey verstoßen. Schließlich hat Luke sich selbst verbannt statt dem Widerstand zu helfen, und hat nun beschlossen, dass der Orden, der seine Lebensaufgabe darstellte, enden muss. Rey fühlt sich daher verloren. So ging es auch einst Kylo.

Beide Hauptfiguren wissen, wie es ist, verlassen zu werden. Driver zufolge hat Kylo sich gegen seine Eltern – Leia Organa und Han Solo – gewandt, weil er glaubte, dass ihnen die Rebellion und der Wiederaufbau nach dem Fall des Imperiums wichtiger war als er. Das erschuf eine Verbitterung, die ihn letzten Endes verschlang.

Driver meint dazu: „Die Vorstellung einer Person, deren Eltern sich einer Sache verschrieben haben, ist etwas, womit sich viele Leute identifizieren können, sei dies nun Religion oder Politik oder ein Beruf. Wenn man ich selbst aber nun nicht mit [dieser Sache] identifiziert, kann das meiner Meinung nach einen Komplex auslösen.“ Weiter erklärt er: „Wenn man sich umschaut und sich nicht mit dem identifiziert, was man dort sieht, dann beeinflusst das, wie man sich verhält, denke ich.“

Nach den Ereignissen von Das Erwachen der Macht und seiner Entscheidung, seinen Vater zu ermorden, versucht Kylo noch, sich darüber klar zu werden, ob er richtig gehandelt hat – wenn auch nur für sich selbst. Driver erläutert: „Aus seiner Sicht ist seine Tat etwas Hoffnungsvolles gewesen. Er hat sich Gerechtigkeit verschafft. Ich glaube, er ist überrascht, wie er sich nun nach Han Solo fühlt. Er hofft auf Hoffnung. Er hofft auf Klarheit.“

Doch macht dies eine Bekehrung möglich? Johnson meint dazu, dass er das Ende der Geschichte nicht schreiben wird, da dies ja erneut Episode-VII-Autor J.J. Abrams in Episode IX zufällt. Trotzdem bietet er eine Meinung dazu an: „Ich glaube nicht, dass es sonderlich interessant wäre, wenn die Geschichte nur auf ‚Wird Kylo seine wohlverdiente Strafe kriegen?‘ hinausläuft. Er ist eine kompliziertere Figur und ich glaube, dass er auch eine kompliziertere Geschichte als das verdient. Ich sehe nicht den Sinn darin, hinter seine Maske zu schauen und mehr über ihn zu erfahren, wenn unsere einzige Lektion danach wäre: ‚Jupp, er ist einfach nur ein böser Schurke, der getötet werden muss.'“

Star Wars: Die letzten Jedi: Daisy Ridley als Rey
Star Wars: Die letzten Jedi: Daisy Ridley als Rey
Als Rey von Luke Skywalker Ablehnung erfährt, weil dieser Parallelen zwischen ihr und seinem Neffen sieht, bringt der alte Jedi-Meister die beiden unweigerlich auf Kollisionskurs.

„Hier geht es sehr stark darum, dass Rey herauszufinden versucht, wie sie in all dies hineinpasst, so wie wir alle, wenn wir aufwachsen und vom Kindealter ins Erwachsenenalter übergehen“, so Johnson. „Man begegnet Leuten, von denen man glaubt, dass sie helfen werden, die es letztlich aber nicht tun. Und manchmal kommt Hilfe auch aus unerwarteter Richtung.“

Diese unerwartete Richtung ist, so EW, Kylo Ren, da sie sich in einer ähnlichen Situation – alleine und abgelehnt – wiederfindet wie dereinst Ben Solo, als er sich von seinem Onkel Luke lossagte und den Rittern von Ren auf einen dunkleren Pfad folgte.

Snoke, der mysteriöse Oberste Anführer der Ersten Ordnung, hat die Kraft in ihm gespürt und sah jemanden, der bekehrt werden konnte. Aber die Unsicherheit des jungen Mannes bedeutet auch, dass man ihn wieder zur anderen Seite bekehren könnte. Driver meint dazu: „Jeder, der sich schon einmal an einem gewissen Punkt im Leben für etwas entschieden hat, wird konstant hinterfragen, warum man sich überhaupt darauf eingelassen hat.“

Rey und Kylo Ren erreichen einander durch den Kampf, aber letzten Endes könnte auch einer von ihnen den anderen bekehren.

Was meint ihr zu alledem?

Nächste Woche macht EW mit der Berichterstattung zu Die letzten Jedi weiter – am morgigen Montag mit folgenden Themen: Laura Derns Vizeadmiral Holdo, die Kristallfüchse von Crait und Kelly Marie Tran alias Rose Tico.

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