Rezension: LEGO Star Wars: Die Dunkle Seite

LEGO Star Wars: Die Dunkle Seite
LEGO Star Wars: Die Dunkle Seite (26.09.2014)

Kaum ein Spielzeug hat mich mehr geprägt als LEGO – meine gesamte Kindheit und auch weite Teile meiner Jugend hindurch war ich ein begeisterter LEGO-Fan und auch wenn die Sammelleidenschaft in diesem Bereich bei mir nachgelassen hat, verbinde ich viele gute Erinnerungen damit. Als sich mir also die Gelegenheit bot, LEGO Star Wars: Die Dunkle Seite zu rezensieren, dachte ich mir: „Hey, warum nicht?“ Hierbei handelt es sich um ein Kinderbuch ab 8 Jahren, das im Umfeld der TV-Serie LEGO Star Wars: Die Yoda-Chroniken angesiedelt ist und von Daniel Lipkowitz geschrieben wurde. Das Buch erschien am 18. August 2014 auf Englisch und am 26. September 2014 auf Deutsch, jeweils beim internationalen Verlagshaus Dorling Kindersley. Die Übersetzung stammt von Marc Winter.

Die Dunkle Seite ist mein erstes LEGO Star Wars-Buch und ich wusste nicht so recht, was mich erwarten würde. Bevor wir zu meinen Eindrücken kommen haben wir hier nochmal die offizielle Beschreibung des Verlags:

Gestatten, die Schurken des LEGO® Star Wars™ Universums! Hier erfahren kleine LEGO Star Wars™ Fans, was es mit dem finsteren Darth Vader, den mächtigen Sith und der Dunklen Seite der Macht auf sich hat.

Alles Wissenswerte über die Bösen der Galaxis wird kindgerecht und von witzig bis gruselig beschrieben: Fans werden in hochinteressante Geheimnisse eingeweiht, zum Beispiel wie die Maske von Darth Vader funktioniert oder die Wahrheit über galaktische Duelle. Spannende, kurze Hintergrundgeschichten und interessante Fakten, begleitet von Bildern von original LEGO Star Wars™ Minifiguren und Raumschiffen machen dieses Buch unverzichtbar für Fans.

Mit einer exklusiven LEGO Minifigur, die nur in diesem Buch erhältlich ist!

Fangen wir doch mal mit der besagten Minifigur an. Es handelt sich um eine Darstellung Imperator Palpatines aus Die Rückkehr der Jedi-Ritter, die auf den ersten Blick recht unscheinbar wirkt, allerdings mit einer netten Überraschung aufwartet: er hat zwei Gesichter. Man kann seine Kapuze abnehmen und den Kopf drehen, um zwischen zwei charakteristischen Palpatine-Gesichtsausdrücken zu wechseln, die aus Episode VI bekannt sein dürften: der böse lächelnde Palpatine, der Luke zu verführen versucht, und der wütende Palpatine, der Luke aus Frustration mit Blitzen beharkt, bevor Vader ihn in die Tiefe wirft. Ein nettes Gimmick und wer Minifiguren sammelt, der hat hier schon mal ein Kaufargument für dieses Buch. Ich persönlich finde die Figur ganz nett, würde mir wegen ihr allein kein Buch kaufen – ich bin allerdings auch kein LEGO-Minifiguren-Sammler.

Das Buch selbst ist in drei Teile gegliedert: „Die Ära der Republik“, „Die Ära der Klonkriege“ und „Die Ära des Imperiums.“ Diese Kapitel sind wiederum untergliedert nach Themen wie „Die zwei Seiten der Macht“, „Verbündete der Dunklen Seite“, „Der Todesstern“, „Order 66“, „Darth Sidious‘ Lichtschwert“, und, und, und. Zu alledem gibt es mit LEGO-Figuren illustrierte Übersichts-Doppelseiten, die mit allerhand Fakten aus allen Bereichen der Saga aufwarten. Das hat mich auch wirklich sehr positiv überrascht – das Buch hat für ein Kinderbuch erstaunlich viel Liebe zum Detail was die Informationstiefe angeht. Daniel Lipkowitz verleiht der LEGO-Galaxis mehr Tiefe, indem er nicht nur „Fakten“ aus den LEGO-Specials einbaut (die erstaunlich gering ausfallen), sondern neben den Filmen und The Clone Wars auch auf einiges Material aus dem Erweiterten Universum. Von einfachen Dingen wie Geburtsdaten einzelner Charaktere bis hin zu echten SWEU-Themen wie Darth Malgus, Revan und The Old Republic, die ihre eigene Doppelseite mit dem Titel „Glanz des alten Sith-Imperiums“ bekommen.

Beim Lesen fiel mir auf, dass erstaunlich viel Information konform mit dem Kanon der Filme bzw. des Erweiterten Universums ist. Ich konnte mich des Gedankens nicht erwehren, dass sich das Buch wirklich gut dazu eignet, ein Kind über LEGO – etwas, das jeder mag – nicht nur an Star Wars an sich (das Kinder doch sowieso schon mögen), sondern auch an die gesamte Star Wars-Literaturwelt heranzuführen. Es werden systematische Zusammenhänge zwischen allen Filmen geschaffen, wichtige Filmzitate und Szenen werden aufgegriffen und es gibt sogar beschriftete technische Diagramme von Lichtschwertern (in LEGO-Optik) oder von Darth Vaders Anzug (natürlich ebenfalls in LEGO-Optik, wie alles im Buch) – ein Kind, das noch nicht allzu viel zu Star Wars weiß und sich quasi noch durch die Filme und The Clone Wars (und die LEGO-Specials) an unsere Lieblingsgalaxis herantastet, hat hier einen echt guten Einstiegspunkt mit allen wichtigen Informationen, von denen aus es seine eigenen Leseabenteuer starten kann.

Boba Fetts Doppelseite in LEGO Star Wars: Die Dunkle Seite (Quelle: DK)
Boba Fetts Doppelseite in LEGO Star Wars: Die Dunkle Seite (Quelle: DK)

Man muss das allerdings auch etwas relativ sehen. Die LEGO-Bilder haben oft auch Sprechblasen mit teils lustigen, teils seltsamen Sprüchen, die das Ganze doch recht kindisch wirken lassen (z.B. Dooku, der mit seinem Speeder über Geonosis fliegt und „Möp, Möp! Wichtiger Sith im Anflug!“ ruft). Oftmals passen die den Charakteren zugeordneten Sprechblasen (z.B. wenn Ventress sagt: „Ich bin sehr fair – ich hasse alle gleich!“), manchmal finde ich sie im Vergleich zum Rest des Buches doch eine Stufe zu kindisch. Gut, ich bin auch keine 8 mehr, sondern fast dreimal so alt, also kann das auch an meiner Wahrnehmung liegen. Leicht erschreckend war auch eine Doppelseite mit einer Großaufnahme von Palpatines LEGO-Gesicht und der Sprechblase „Muahaha! Alles verläuft genau nach Plan.“ Diese Seite leitet das Klonkriegskapitel ein und wer auf dieses Riesenbild eines zornigen LEGO-Gesichts nicht vorbereitet ist, denkt sich auch erst mal: „Huch!“ Für Kinder ist so ein kleiner Gruselmoment in einem Buch über die Dunkle Seite aber bestimmt großartig.

LEGO Star Wars: The Dark Side (18.08.2014)
LEGO Star Wars: The Dark Side (18.08.2014)

Das Buch ist übrigens für Kinder gedacht, die schon selbstständig lesen können, aber ich denke, es spricht auch nichts dagegen, es als Leseanfänger in Begleitung eines Erwachsenen zu lesen. Zum Vorlesen ist es eher weniger geeignet, aber man kann einem jüngeren Fan damit bestimmt ein paar Dinge erklären, wenn man als Erwachsener die enthaltenen Infos umformuliert. Neben den Infoseiten bietet das Buch auch kleine Comics oder eher humorvolle Übersichtsseiten über Darth Vaders Familienbeziehungen.

Zum Format des Buches selbst: Es handelt sich um ein über zwei Zentimeter dickes Hardcover, hat allerdings „nur“ 96 Seiten, da mehr als die Hälfte der Dicke von einem Papierpolster eingenommen wird, in das die Palpatine-Minifigur eingebettet ist. Palpatine ist auf beiden Seiten von einer wiederverschließbaren Plastikhülle umgeben und kann somit sicher vor Staub und anderen Verschmutzungen direkt im Buch aufbewahrt und nach belieben herausgeholt und wieder hineingesteckt werden. Ein großes Plus, wie ich finde.

Kommen wir zur abschließenden Bewertung. Wir haben also ein Sachbuch mit einer Mischung aus kanonischen (oder Legends-kanonischen) Infos, die kleinen „Sternenkriegern“ eine größere Welt eröffnen, und nicht-kanonischen LEGO-Infos, dazu eine erstaunliche Detailtiefe gepaart mit bisweilen zu kindischen Sprechblasen, die in klassische Szenen der Saga eingebettet wurden. Dazu kommt noch die besagte Minifigur. Ich bin hin und her gerissen zwischen drei und vier Holocrons, aber da „vier“ bei mir schon sowas wie eine absolute Kaufempfehlung ist, die ich hier nicht aussprechen kann, da es doch eher ein „special interest“-Produkt ist, belasse ich es bei drei Holocrons. Drei Holocrons bedeutet hier: ein alles in allem recht gut gemachtes Buch, das ich hauptsächlich Eltern von heranwachsenden Fans oder Minifigurensammlern und Buch-Komplettisten empfehlen würde. Ich hatte Spaß beim Lesen und betrachten der abgebildeten LEGO-Welten, aber ein Fan, der hauptsächlich an neuen, kanonischen Infos zur Story interessiert ist, wird mit dem nächsten DK-Buch, Die Geschichte der Rebellen (die deutsche Ausgabe des Star Wars Rebels Visual Guide) wohl besser bedient sein.

Der Rezensent vergibt 3 Holocrons!
Der Rezensent vergibt 3 Holocrons!

Wir danken Dorling Kindersley für die großzügige Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

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