Justina Ireland präsentiert uns mit ihrem vorerst finalen Werk eine Art Abschied aus der Hohen Republik und wird dementgegen dem im Titel vorkommenden The Acolyte kaum gerecht. Warum das nicht die große Schwäche des Romans ist, sondern häufige Ortswechsel und seichte Visionen den Eindruck schmälern.
Etwas zu früh für Nostalgie?

Um einen Punkt gleich vorwegzunehmen: Ja, das Werk ist eine Rückschau und auch in Teilen ein Abschluss der Hohen Republik. Natürlich nicht so pointiert und zielgerichtet wie das gerade erschienene Werk Die Prüfungen der Jedi, sondern eher als eine Art Erinnerung. Seit der Handlung der Hohen Republik-Ära sind mehr als 70 Jahre vergangen. Die meisten Hauptfiguren daraus sind also – der Biologie geschuldet – tot. Nur Vernestra und einige andere Jedi leben noch. Manche, weil die Spezies schon immer älter wurden, andere, weil man Figuren dieser Spezies gerne in eine Live-Action-Serie einbauen wollte, um sie dann nicht zu nutzen. Aber das ist eine andere Geschichte.
Nun sind jedoch in der „echten“ Welt keine 70 Jahre vergangen. Das letzte Die Hohe Republik-Werk erschien auf Deutsch sogar nach Die Suchende – manche Comics fehlen jetzt noch. Sprich: Ich fühle noch keinen wirklichen Bedarf an Nostalgie, wenn neben mir noch Die Prüfungen der Jedi liegt, das erneut gelesen werden will. Ist es also rein objektiv zu früh für so ein Werk? Wahrscheinlich schon. Dennoch macht es Spaß zu lesen, was aus Figuren wie Imri oder Avon wurde. Wirkliche Spoiler oder unglaubliche Lebensgeschichten sind aber nicht dabei. Und nur für eine Figur würde man sich Die Prüfungen der Jedi leicht spoilern, sollte man Die Suchende vorher lesen.
Die Suche nach der Handlung
Es wäre unfair zu behaupten, dass sich Justina Ireland auf der Nostalgie-Welle ausruht. Immerhin wird Vern und Indara in ihrer Duo-Rolle einiges an Charakterarbeit zuteil. Leider nicht so viel, dass die Figuren wesentlich komplexer oder gar spannender werden, aber immerhin ist der Altersunterschied spannend und sorgt für lustige Szenen. Was für die eine Geschichte ist, ist für die andere die Jugend. Oma erzählt vom Krieg.
Die beiden verbringen zwischen diesen Charaktermomenten ihre Zeit mit reisen. Und zwar im Privatjet, um eine Waffe zu finden, die ihren Ursprung auch in der Hohen Republik hat. Der Verweis ist schön, die Umsetzung der Suche eher weniger. Denn die besteht primär aus Planet-Hopping und damit fehlendem Worldbuilding bei den einzelnen Welten. All das kombiniert mit einer Art der Suche, für die das Wort MacGuffin erfunden werden müsste, wenn es nicht schon existieren würde. Das Problem: Der MacGuffin nimmt zu viel Raum ein und parallel wird auch keine Handlung erzählt, die diese Suche lohnenswert machen würde. Der Weg ist hier nicht das Ziel, das Ziel aber leider auch nicht.
Auf zwei Hochzeiten tanzen
Das Buch will also zweierlei: Figuren in ihrem Zusammenarbeiten zeigen und gleichzeitig die Nostalgie bedienen, indem Figuren aus der Hohen Republik besucht oder bedacht werden und ein Gerät aus der ersten Phase gejagt wird.
Für ersteres Ziel fehlt es an wirklich spannender Charakterzeichnung. Vernestra wird uns aus der Ich-Perspektive dargestellt, die zu Beginn des Romans unglaublich unsympathisch ist – passt ja zu ihrer Rolle in der Hohen Republik Phase III. Die Ich-Perspektive sorgt auch nicht dafür, dass sie komplexer wird und am Ende muss sie all ihre immer wieder wie ein Mantra verinnerlichte Kritik am Senat über Bord werfen, weil Justina Ireland sie für The Acolyte in einem opulenten Büro im Senatsgebäude parken muss. Na prima.
Indara ist die eher naive und von einer früheren Mission traumatisierte Ritterin, die sich beweisen will. Aber am besten nicht zu sehr, könnte ja sonst mit Verantwortung einhergehen. Ihre Perspektive ist wieder aus der personalen Erzählperspektive geschrieben. Da sie in The Acolyte eine geringe Rolle spielt, ist ihre Charakterarbeit – die sich ohnehin in Grenzen hält – nicht mal wirklich notwendig. So bleibt von der Figur ebenfalls wenig mehr als ein paar nette Interaktionen mit Vern und am Ende ein Aufbruch in die Galaxis, die sie erst wieder lernen musste, spannend zu finden.
Das zweite Ziel scheitert daran, dass es nicht mit dem ersten verknüpft wird. Vernestra gedenkt ihrer alten Freunde aus der Hohen Republik immer mal wieder. Darunter auch Imri Cantaros. Und der hatte im finalen Jugendroman der dritten Phase seine Lehre verfolgt und umgesetzt: den waffenlosen Kampf. Eine Philosophie und Idee, die – so viel sei verraten – bei dem ominösen Gerät wie Arsch auf Eimer gepasst hätte. Stattdessen wird es am Ende mal kurz reingeschrieben, als wäre Ireland schon fertig gewesen mit Die Suchende, hätte danach erst den Jugendroman geschrieben und die Referenz noch schnell einbauen wollen.
Fazit
So bleibt es bei der Nostalgie auf der einen und der Suche ohne Tiefgang auf der anderen Seite. Beide strudeln wie eine Doppelhelix herum, finden aber nicht wirklich in einem Strang zusammen; das stört am Ende das Leseempfinden des Romans. Er macht in weiten Teilen wirklich Spaß. Indara und Vern und auch einige der Erben der Hohen Republik haben tolle Szenen miteinander und etwas spürt man die Nostalgie selbst jetzt schon. Aber ein wirklich harmonisches Werk, das diese beiden Welten glaubhaft verbindet, ist es nicht. Und dabei wäre das mit Verns Visionen, Imris Lehren und dem dazu passenden Gerät eigentlich so naheliegend gewesen. Stattdessen geht Vern angeln und bekommt die Antworten nicht gerade subtil durch Fischinnereien erklärt. Klingt komisch, ist aber so.
Wir danken Blanvalet für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

Star Wars: Die Hohe Republik ist ein mehrjähriges Buch- und Comicprogramm, das hunderte Jahre vor den Skywalker-Filmen spielt und die Jedi in ihrer Blütezeit zeigt. Weitere Infos, News, Podcasts und Rezensionen gibt es in unserem Portal und in der Datenbank. Beachtet auch unsere Guides zur Lesereihenfolge von Phase I, Phase II und Phase III.










