Rezension: Herrschaft des Imperiums: Die Maske der Angst – mit Gewinnspiel!

Mit Herrschaft des Imperiums: Die Maske der Angst erschien im November 2025 bei Blanvalet die deutsche Übersetzung von Alexander Freeds Reign of the Empire: The Mask of Fear und damit auch der von mir mit Neugier erwartete erste Teil einer neuen Romantrilogie rund um die Zeit nach Palpatines Machtergreifung aus der Feder verschiedener Autor:innen. Doch kann Freeds Nachkriegsroman den hohen Erwartungen gerecht werden und Charaktere wie Saw Gerrara, Mon Mothma und Bail Organa vertiefen? Welche Figur aus Die Maske der Angst besonders überzeugen konnte, was mir jedoch zu kurz kam, und mehr lest ihr in der nachfolgenden Rezension.

Hinweis: Diese Rezension enthält Spoiler aus dem besprochenen Roman.

Kanzler Palpatine hat sein Ziel erreicht. Unter dem tosenden Applaus der Senatoren hat er die Republik vernichtet und sich zum Imperator erhoben. Aber es gibt Widerstand! Die Senatoren Mon Mothma, Saw Gerrera und Bail Organa sind nicht bereit, die Tyrannei hinzunehmen. Doch bevor sie zu den Gründern der Rebellenallianz werden können, brauchen sie selbst ein neues Ziel in einer sich verändernden Galaxis. Denn der Weg, den sie beschreiten, ist riskant, oft schwer – und tödlich …

Verlagsinfo von Blanvalet

Umbruch in der weit, weit entfernten Galaxis

Nachdem sich Palpatine unter donnerndem Applaus zum Imperator ernannt hat, befindet sich die Galaxis im Umbruch. In dieser Zeit nimmt uns Alexander Freed mit in die Reihen der Senator:innen des imperialen Senats, zeigt jedoch mit Figuren wie Soujen und dem Guerillakämpfer Saw Gerrera auch, wie sich Überlebende außerhalb des Parlaments zurechtfinden. Zwischen all dem lauern natürlich auch noch Spione, welche die Opposition überwachen. Insgesamt nimmt sich Freed viel Zeit für seine Figuren und beschreibt mal direkter, mal gefühlvoller die Gedankengänge und Emotionen sowie auch die Schattenseiten der doch oftmals als Heden gelesenen Charaktere. Von Andor einmal abgesehen, wurde diese Zeit nach den Klonkriegen wohl noch nie derart facettenreich eingefangen. Kurzum: Freed liefert uns einen vielschichtigen Polit-Thriller, der sich in erster Linie mit autokratischen Machtverhältnissen beschäftigt. Doch schauen wir uns die Geschichten der einzelnen Hauptcharaktere, die nach und nach immer mehr zusammenlaufen, der Reihe nach an.

Rebellische Reformistin

Die Figur, die vielleicht am meisten Raum in Die Maske der Angst bekommt, ist Mon Mothma. Die chandrilanische Senatorin und überzeugte Politikerin der bürgerlichen Demokratie, welche nicht zuletzt auch in Andor prominent vertreten war, möchte ein Gesetz in den imperialen Senat bringen, in der Hoffnung, Palpatines Macht zu limitieren. Im Roman finden wir uns so oftmals in diversen Gesprächen, Diskussionen und Lobbyveranstaltungen mit Mothma wieder, und merken deutlich, an welchen Fronten sie auf Widerstände trifft und wo sich neue Kooperationsmöglichkeiten anbahnen. Doch auch ihre Inhaftierung durch die imperialen Sicherheitskräfte kurz nach dem Ausrufen des Imperiums wird auf äußerst eindrückliche Weise beschrieben und wir erfahren, dass sie durch körperliche und psychologische Foltermethoden zur Unterzeichnung einer Loyalitätserklärung gezwungen wurde. Schlussendlich wird sie nach einer weiteren Inhaftierung, aus der sie sich nur mit der Erzählung einer glaubhaften Lügengeschichte über eine angebliche Affäre retten kann, dann aber mit einem Separatisten konfrontiert, der auf Coruscant den Imperator ermorden möchte.

Hier steht Mothma nun inmitten der Menschen, der Arbeiter, und muss vielleicht sogar ihre pazifistischen Grundsätze ablegen. Mit der Gewalt, die natürlich auch schon von der Republik ausging, hat man dann aber offenkundig weniger ein Problem, sicher aber zumindest Bauchschmerzen. Hier offenbart Freed uns stets sehr passend eine Figur, die bis zur letzten Minute an ein von Grund auf ausbeuterisches System glaubt, welches stets im Interesse der wenigen Mächtigen agiert. Wenn doch hier und da nur die richtigen Leute an der Macht wären, ja, dann ginge es doch sicher allen sehr viel besser. Wenn doch nur diese eine Reform verabschiedet werden würde, ja, dann wären wir auf einem richtigen Weg. Am Ende des Romans ist es der Großwesir, der Mothma in Geiselhaft nimmt und ihr erklärt, sie könne doch sehr gern eine weitere Reform anstoßen, damit habe man gar kein großes Problem, die Weichen für einen 100-Jahre-Plan seien schon längst gestellt. Und so sehen wir auf den letzten Seiten mindestens eine rebellische Reformistin.

Bail und die Jedi

Bail Organa befindet sich in Die Maske der Angst auf einer ganz anderen Mission: Er möchte den Ruf der Jedi wiederherstellen und beweisen, dass Palpatine und seine Anhänger die Ermordung der Jedi geplant haben und Falschinformationen über diese verbreiten. Es passt hier ja durchaus zur Figur, dass man die Rolle, die die Jedi in der Republik eingenommen haben, nicht wirklich kritisch hinterfragen möchte, doch dies entgeht uns an dieser Stelle auch als Leser:innen. So glaubt Bail auch am Ende des Romans noch, dass es nur eine tapfere Seele brauche, die von der Macht geleitet wird, um die Galaxis in Ordnung zu bringen. Bei all den Nachforschungen und seiner Rolle als Senator bleibt natürlich wenig Zeit für Leia, um die er sich mit seiner Frau Breha kümmert, die hier ebenfalls in einigen Kapiteln auftaucht. Besonders interessant wird es dann, wenn er auf die anderen Hauptfiguren trifft, als er auf Eyo-Dajuritz die Jedi entlastende Beweise vermutet und dort direkt in die Arme von Saw Gerreras Leuten läuft. Dort wird auch – auf eine sehr passende Art und Weise – offenbart, dass Bails Begleitung, Haki, eigentlich eine Agentin des Imperiums ist. Freed arbeitet hier gelungen fundamentale Gegensätze zwischen den Figuren heraus. Und während natürlich jeder im eigenen Interesse handelt, sehen wir schließlich in einem der Abschlusskapitel eine deutliche Annäherung von ihm, Mon und Saw. Es wurde schlicht zu einer Notwendigkeit, voneinander zu profitieren und zu beginnen, gemeinsam zu agieren. Am Ende muss auch er gewissermaßen die Vergangenheit sterben lassen und aufhören, Geistern hinterherzurennen, für die sich in der Bevölkerung keiner mehr zu interessieren scheint. Jene Bevölkerung hat keine Lust mehr auf Armut und das Sterben im Krieg.

Sterben für die Machthabenden

Die für mich spannendste Figur dieses Romans ist jedoch ganz klar Soujen Vak-Nhalis, ein ehemaliger Separatisten-Söldner mit Körpermodifikationen, der zu Beginn des Romans in einer Winterschlafkapsel erwacht und schnell auf Saw Gerrera und seine Gefolgschaft trifft. Soujen stellte sich mitsamt seinem Körper der Föderation und deren Interessen zur Verfügung, doch nun ist der Krieg zwischen der Republik und der Separatisten-Allianz plötzlich vorüber. So schnell habe man das Ende des Krieges nicht erwartet. Auf wen und worauf kann er sich jetzt noch verlassen? Freed hat offenkundig viel Freude daran, diese Figur, die noch immer von alten Zielen getrieben wird und stets versucht, fokussiert zu bleiben, in dieser Zeit des Umbruchs auszugestalten und uns tief in seine Gedanken eintauchen zu lassen. Auf Eyo-Dajuritz wird er später an Bail geraten, der Beweise, die Soujen in einer Datenbank finden konnte, auf Coruscant ans Tageslicht bringen will. Für Soujen bietet sich so jedoch auch die Gelegenheit, auf dem ehemaligen Heimatplaneten der Republik Imperator Palpatine zu ermorden. Doch da hat er die Rechnung ohne Mon Mothma gemacht.

Soujen sowie die ehemaligen Separatisten sind es auch, die später die Überheblichkeit und Erhabenheit der Republik betonen. Wer sind denn jetzt die Guten? Die Republik, die Klone nur zum Sterben im Krieg herangezüchtet hat? Und für wen war – und ist – Soujen eigentlich bereit, sein Leben zu geben? Sowohl die Republik als auch die Separatisten haben eigene Interessen (die übrigens sicher nicht gleich im Interesse der Arbeiter:innen sind), doch haben sich diese mit dem Aufstieg des Imperiums geändert, sodass gar eine Zusammenarbeit denkbar ist? Es sind Momente, in denen wir Freeds Figuren beim Taktieren, Zweifeln und Überleben folgen, in denen der Roman hervorragend funktioniert, denn es wird deutlich, dass wir es hier keineswegs mit stets guten, makellosen oder gar heldenhaften Charakteren und planetaren Gemeinschaften zu tun haben. So opfert auch Saw Gerrera, der hier ähnlich wie in Andor gezeichnet wird, auf Eyo-Dajuritz Teile des Planeten, als er eine Sprengung in der Höhle verursacht. Es kommen Fragen nach den Kosten von Krieg und Widerstand auf, und nebenbei werden auch die Arbeiter:innen in den Droidenfabriken erwähnt, die doch jetzt sicher froh über das Ende des Krieges sein dürften.

Was zu kurz kommt

Doch nun einmal zu meinem größten Kritikpunkt am Roman, abgesehen davon, dass Freed hier vielleicht zu viele Nebenfiguren etablieren möchte. Palpatine. Dabei möchte ich hier gar nicht kritisieren, dass dieser nicht wirklich auftaucht, im Gegenteil, ich war froh, dass einem hier mal diverse unnötige Cameo-Auftritte erspart blieben. Viel mehr geht es mir darum, dass wir in einem solch politischen Roman, der über ein autoritäres, faschistoides Regime wie das Imperium erzählt, dann doch recht wenig darüber erfahren, wie so jemand überhaupt die Macht ergreifen konnte und welche Rolle insbesondere die Republik dabei spielt. Ja, das ist vielleicht ein recht hoher Anspruch an einen Star Wars-Roman, und ja, es ist mitnichten so, dass man diesbezüglich gar nichts in diesem Roman finden kann, aber für mich schimmerte hier an einigen Stellen so ein „Palpatine ist halt böse!“-Vibe durch, wo ein Alexander Freed in diesem Setting definitiv noch mehr drauf hat und noch deutlich systemkritischer ergründen könnte, wie Palpatines Regime denn z.B. nach so kurzer Zeit über solch große materielle Ressourcen verfügt. Das passt jedoch in unsere Zeit, in der man nicht mehr auf der Suche nach Inhalten ist oder die Augen vor systemischer Ausbeutung verschließt und sich dann fragt, warum rechte Kräfte, die politische Opposition für sich vereinnahmen und marginalisierte Gruppen als Schuldige ausmachen können, immer weiter erstarken.

Fazit

Die Maske der Angst, und damit der erste Band der neuen Herrschaft des Imperiums-Trilogie, ist wohl einer der anspruchsvollsten Star Wars-Romane der letzten Jahre und erinnert erzählerisch an Tony Gilroys Erfolgsserie Andor. Auch hier sehen wir einmal keine heldenhaft inszenierten Jedi-Ritter, sondern folgen verschiedensten Figuren, die um ihren Platz in dieser imperialen Ordnung kämpfen und zu erkunden beginnen, wie sie Widerstand gegen das Imperium leisten können. Trotz des meiner Meinung nach fehlenden Fokus auf Klassenfrage und Systemkritik, brilliert Freed insbesondere bei Figuren wie Soujen und Mothma mit einer ungeschönten und authentischen Schreibe sowie viel Raum für Emotionen und Gedanken, die diesen Auftaktroman trotz insgesamt überschaubarer Handlung zu einem spannenden – und nicht zu unterschätzenden – Polit-Thriller in der weit, weit entfernten Galaxis machen.

Wir bedanken uns bei Blanvalet für die Bereitstellung des Rezensions- sowie der Gewinnspielexemplare!

2 Kommentare

  1. Die Maske der Angst muss ich unbedingt noch lesen. Ist leider einer der wenigen neuen Star Wars Romane (abseits von THR), von denen ich etwas gutes gehört habe :). Vorallem da ich Andor super fand, bin ich sehr gespannrt auf den Roman.

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