„Eine Mission. Einfache Sache. Eine Prinzessin retten – eine Solo-Familientradition. Eine große Raumstation in die Luft sprengen.“
Jaina Solo zu Jagged Fel, kurz vor dem Angriff auf Centerpoint
„Auch eine Solo-Familientradition.“

Dieses eher unschuldige Zitat fasst den letzten Akt des siebten Bandes der Reihe Wächter der Macht – Zorn – wunderbar zusammen, doch täuscht es umso mehr darüber hinweg, wie dramatisch die Ereignisse sind, die zu dieser Situation führten oder was für Konsequenzen das haben würde, insbesondere für die nachfolgende Buchreihe Das Verhängnis der Jedi-Ritter. Aaron Allston ist Autor des Romans, der als Legacy of the Force 7: Fury am 27. November 2007 im englischsprachigen Raum bei Del Rey veröffentlicht wurde. Hierzulande erschien er am 8. Februar 2010 bei Blanvalet. Auf dem Cover sehen wir Ben Skywalker, der auf der Suche nach dem Mörder seiner Mutter weiterhin mit der Dunklen Seite kämpfen muss.
Nach den entsetzlichen Ereignissen aus Inferno tobt der Krieg unvermindert und mit grauenhafter Brutalität weiter. Kashyyyk steht in Flammen, wo Han, Leia und Lumpy, Chewbaccas Sohn, bei den Löscharbeiten helfen. Jacen Solos Vergeltungsschlag hat die Wookiees endgültig von der Allianz losgerissen und auch mehr Welten dazu bewegt, sich von der Allianz loszusagen. Auch Königin Tenel Ka Djo von den Hapanern hat er gegen sich aufgebracht. Um die Flotte der Hapaner wieder unter seine Kontrolle zu bekommen, entführt Darth Caedus seine Tochter Allana – seine Vaterschaft ist unterdessen kaum jemanden bekannt – und nutzt sie als Geisel. Unterdessen werden Han und Leia an Bord des Millennium Falken von Alema Rar angegriffen – oder zumindest von einem Abbild von ihr – was eine neue Jagd auf die Dunkle Jedi auslöst. Alema selbst hat während ihres kurzzeitigen Exils auf Lumyias Asteroidenbasis neue Machttechniken erlernt, und wird nicht nur von den Jedi als beschuldigte Mörderin Mara Jades gejagt, sondern auch von den Einen Sith. Währenddessen versuchen die Jedi Jacen gefangen zu nehmen, doch sind sie nicht die einzigen, die eine Falle für ihn stellen. Es folgen wieder politische Ränkespiele bei der Konföderation, halsbrecherische Infiltrationsmissionen und eine Jagd quer durch die Galaxis auf der Suche nach dem Mörder Mara Jades.
Jacen Solo – ein liebender Vater?
Darth Caedus hat das zweitwichtigste in der Galaxis verloren, die Liebe der Frau, die er liebt. Es bleibt nur noch seine Tochter Allana, doch diese ist noch auf Hapes. Mit perfiden Tricks gelingt es ihm seine Tochter zu entführen, doch es geht ihm hierbei nicht nur um eine Wiedervereinigung, sondern er benötigt sie als Druckmittel, als Geisel gegen Tenel Ka. Die mächtige Flotte der Hapaner, die das Gleichgewicht des Zweiten Galaktischen Bürgerkrieges zu Gunsten der Galaktischen Allianz kippen könnte, hat sich in der Schlacht um Kashyyyk auf Seiten der Verteidiger gestellt. Mit Allana in seiner Gewalt bleibt Tenel Ka nichts anderes übrig, als ihrem ehemaligen Freund die Flotte zu hinterlassen.
Und hier zeigt sich das wahrlich Groteske: Jacen Solo aka Darth Caedus, der eben noch einen ganzen Planeten verbrannt, seine Tante ermordet hat und ein autoritäres System aufbaut, zeigt sich als liebevoller, zärtlicher Vater, immer in Gedanken an seine Tochter. So wie er mit ihr spricht zeigt er eine feste Bindung und Liebe zu ihr, er tröstet sie, sorgt dafür, dass sie alles hat, was sie braucht. Allana ist zunächst nicht ganz klar, was los ist, und weiß noch nicht, wie sehr sie Jacen vertrauen kann. Denn er hat noch nicht das „Zauberwort“ genannt, ein Codewort, was ihre Mutter ihr gegeben hat, um sicher zu gehen, dass etwaige Helfer auch wirklich von Tenel Ka vertraut werden. Beide bauen ihre Bindung im Laufe des Romans weiter auf und Allana fasst mehr Vertrauen. Jacen unterdessen sorgt dafür, dass sie immer in seiner Nähe ist, so ist sie auch meistens an Bord der Anakin Solo.
Doch abseits davon ist Caedus weiterhin seinen Feinden sehr gefährlich und schreckt weiterhin nicht von grausamen Kriegsmethoden zurück. Auf Commenor, einer der mächtigsten Mitglieder der Konföderation, lässt er Asteroiden abstürzen, was unzählige Tote bedeutet. Die Commenoer schlagen mit Biowaffen zurück und verbreiten Krankheiten auf Coruscant. Der Krieg hat damit eine weitere heftige Eskalation erreicht. Währenddessen ist sich das Triumvirat – der Kopf der Konföderation – uneinig, wie es weitergehen sollte. Schwer durchschaubare Intrigen sind die Folge, sodass es zumindest so wirkt, als würde Corellia eigenständig Centerpoint ein weiteres Mal reaktivieren wollen – mit Coruscant als Ziel. Eine Falle für Caedus.
Doch Jacen hat noch mit anderen Problemen zu kämpfen: Der Rat der Jedi, nun eine Art neutrale dritte Fraktion will ihn festnehmen und schickt ein Team – u. a. mit dem legendären Kyle Kartan – nach Coruscant. Während Allana gerade auf der Hauptwelt eingetroffen ist, beginnt der Zugriff, der von Caedus scheinbar zurückgeschlagen wird. Er bemerkt jedoch einen unscheinbaren Peilsender nicht – eine weitere Falle. So entwickeln sich parallel mehrere Pläne, die zu seiner Ergreifung oder Sturz führen sollen, die alle nach Corellia führen werden.
Das Grauen des Krieges
Ich habe es im vorherigen Abschnitt schon beschrieben, wie grausam und ruchlos der Krieg geführt wird. Was die Buchreihe ja so stark macht, ist, dass es hier – abgesehen von Caedus und den Extremisten der Garde der Allianz, einigen Konföderierten und Alemar Rar – kein wirkliches Gut und Böse gibt. Die Allianz hat nachvollziehbare Gründe, ebenso die Konföderation, doch werden diese mit bestialischen Mitteln versucht durchzusetzen, ohne Rücksicht auf Verluste. Doch auf beiden Seiten haben wir Wesen, die für ihre Überzeugungen einstehen, die sich nun mal auf beiden Seiten wiederfinden. Sehr deutlich wird das bei der Antilles-Familie und am Anfang der Reihe auch bei den Solo-Skywalkers. Ein Zitat von Syal Antilles, Wedges Tochter, bringt dies besonders gut auf den Punkt:
„Da draußen wird es zunehmend verrückter. Es ist, als würden beide Seiten beginnen, einander nur noch als Droiden zu betrachten. […] Seit das hier angefangen hat, habe ich nicht bloß auf einen meiner Helden geschossen – auf Luke Skywalker – sondern auch auf meinen eigenen Vater. Die Allianz und die Konföderation sagen über beide grässliche Dinge. Das hat keiner von ihnen verdient. Das alles ergibt nicht den geringsten Sinn.“
Syal Antilles zu Tychi Celchu
Das zeigt die Sinnlosigkeit dieses Bürgerkrieges, der überhaupt erst erlaubte, das Caedus die Macht an sich reißen konnte. Es geht hier nicht um die Verteidigung der reinen Existenz wie gegen die Yuuzhan Vong, sondern um was? Der Krieg brach wegen des Egos von Thrakan Sal-Solos und Alleingängen von Corellia aus, doch seitdem sind auf beiden Seiten schwerste Kriegsverbrechen begangen worden, die eine Aussöhnung kaum möglich machen. Und viele Familien sind getrennt auf beiden Seiten, die Allianz wandelt sich zu einer Diktatur.
Wächter der Macht lässt sich in einigen Handlungssträngen gut mit der Sequel-Trilogie vergleichen, doch erleben wir hier eine deutlich komplexere Zeichnung der politischen Situation. Verglichen mit dem sehr lesenswerten Blutlinien von Claudia Gray haben wir sogar eine sehr ähnliche politische Ausgangssituation von Zentristen vs. Populisten, die mehr Unabhängigkeit wollen. Ich finde hier wurde eine ziemliche Chance vertan, eben nicht mehr in dieses Schwarz-Weiß-Schema zu verfallen und den Charakteren eben ihre eigenen (politischen) Loyalitäten hinterfragen lassen, sie auch auf gegnerischen Seiten stehen lassen.
Familie
Wie auch in den vorherigen Bänden sind Solo- und Skywalker-Familien der Kern der Geschichte. Die nur noch kleine Skywalker-Familie aus Ben und Luke ist stark zerrüttet. Luke schämt sich für seine überstürzten Handlungen nach Maras Tod, was auch der Grund ist, warum er nicht Teil des Eingreifteams für Jacen Solo ist. Er hat Angst, dass er Solo ermorden würde – aus Rache, was ihn dann auch zur Dunklen Seite führen würde. Luke sorgt sich zudem sehr um Ben, der weiterhin am Rande der Dunklen Seite wandelt. Seine Aussage, dass es sein Recht sei, Jacen zu töten, verunsichert Luke stark, und so setzt er alles daran, Ben möglichst zu stabilisieren und ihm von diesem Rachepfad fernzuhalten.
Die andere Familie sind die Solos, und hier haben wir seit langen das erste Gespräch von Leia und Jacen, von Angesicht zu Angesicht. Was an sich nur eine Ablenkungsmission ist, entwickelt sich zu einem sehr faszinierenden Gespräch zwischen Mutter und Sohn, wo man wunderbar Leias Weisheit und ihre Hoffnung, dass in ihrem Sohn noch etwas Gutes steckt herauslesen kann, aber auch ihre Bestimmtheit, dass Jacen Unverzeihliches getan hat. Man fiebert die ganze Zeit mit, weil Leia sich auf der Anakin Solo in der Höhle des Löwens befindet, und Jacen schon einmal versucht hat, sie zu töten. Und trotzdem versucht sie, Diplomatin wie sie ist, ihn umzustimmen. Auch wenn es hier eigentlich – zumindest teilweise – um etwas ganz anderes geht. Deckung für die Infiltration des Flaggschiffs der Solos, dessen Grund ich hier nicht nennen werde. Leia brilliert sowieso sehr in diesem Roman, sei es ihr diplomatisches Geschick, ihre Redegewandtheit oder auch die Beleuchtung ihrer Seite der Jedi-Ritterin, u. a. in einem sehr actionreichen Duell gegen Alemar Rar.
Wie schon in bei den vorhergehenden Bänden kann ich auch hier eine absolute Leseempfehlung aussprechen. Spannend bis zum Schluss mit einigen Wendungen, guten Charaktermomenten und Dialogen, viele Graustufen und so vieles mehr, was ich jetzt nicht mehr angesprochen habe, weil es sonst den Rahmen dieser Rezension sprengen würde. Darum wieder fünf von fünf Holocrons!











