Rezension: Wächter der Macht 5 – Opfer: Der Fall des Jacen Solo

Mit Opfer sind wir nun schon im fünften Band der Reihe Wächter der Macht. Dieses Mal führt uns Karen Travis in die ersten Kriegswochen des Zweiten Galaktischen Bürgerkriegs und den Aufstieg eines neuen Sith-Lords, der in seiner verdrehten Weltsicht denkt, die Galaxis erretten zu können. Der Roman erschien als Legacy of the Force: Sacrifice am 29. Mai 2007 im englischsprachigen Raum und am 12. Oktober 2009 hierzulande bei Blanvalet. Das Cover ziert Mara Jade auf Coruscant. Ihre Jagd nach dem angehenden Sith-Lord werden wir im Laufe des Romans verfolgen.

Der Zweite Galaktische Bürgerkrieg ist ausgebrochen und die erste Schlacht zwischen der Allianz und der Konföderation – angeführt von Corellia – ist geschlagen. Mit dem Krieg als essentielle Gefahr für die Galaktische Allianz, stürzt Jacen Solo gemeinsam mit Admiralin Niathal die Regierung und setzt den Staatschef Cal Omas unter fadenscheinigen Gründen ab. Doch Jacen sieht das alles eher als Mittel zum Zweck und überlässt die offiziellen Regierungsgeschäfte Niathal. Er selber hat eine andere Aufgabe: Um zu einem vollwertigen Sith zu werden, muss er ein Opfer bringen – jemanden, den er liebt. Und so ist er weite Teile des Buches auf der Suche danach, wen er zu töten hat, denn Tenel Ka und Allana stehen außer Frage, da er ja in seiner von der Dunklen Seite vergifteten Weltsicht alles für sie tut.

Währenddessen ist Ben auf dem Rückweg von Ziost an Bord eines geheimnisvollen Schiffes mit eigenem Bewusstsein und muss sich irgendwie wieder in den Reihen der Garde der Allianz einfinden. Mara Jade, außer sich vor Sorge um Ben, beginnt zu erkennen, dass Jacen Solo sich immer weiter von den Lehren der Jedi abwendet, und will ihn jagen und stellen.

Und da ein Roman von Karen Travis auch nichts ohne Mandalorianer wäre, so sind auch Boba Fett und seine Enkelin Sintas Fel wieder mit dabei. Die mandalorianischen Klans sind noch in der Diskussion, auf welche Seite sie sich stellen wollen im ausgebrochenen Krieg, doch der Fund neuester Beskar-Adern gibt Mandalores Wirtschaft einen neuen Schwung. Gemeinsam mit den Verpinen werden so neue gepanzerte Sternjäger produziert, wobei da auch noch in der Debatte ist, an welche Kriegsfraktion – oder beiden? – diese Sternjäger verkauft werden.

Damit haben wir – wie in den vorhergehenden Bänden – wieder eine abwechslungsreiche Mischung mehrerer Handlungsstränge, die sich teils verflechten, aber sich teils auch erst in den folgenden Bänden entfalten werden.

Die Suche nach einem Opfer

Jacen Solo fehlt nicht mehr viel, um ein Sith-Lord zu werden. Die Macht über die Allianz ist zum Greifen nah. Laut Lumyia muss er nur noch ein Opfer erbringen: jemanden, den er liebt. Doch wer soll das sein? Tenel Ka und Allana können es nicht sein, und Jacen gibt sein Bestes, damit Lumiya auch gar nicht erst von der Existenz seiner Tochter erfährt. Diese Frage beschäftigt Jacen sehr lange und erst sehr spät wird ihm klar, dass es sich hier nicht direkt um eine Person drehen muss, sondern um noch etwas sehr viel Tiefergehendes. Mehr dazu sei aus Spoilergründen nicht gesagt. Es ist aber wie schon in den vorherigen Bänden faszinierend und fast schon verstörend zu lesen, wie rational (zumindest aus seiner Sicht) Jacen versucht, die Sache anzugehen. Auch etwas Angst lässt sich bei ihm erkennen: Was ist, wenn er tatsächlich Allana opfern muss? Würde er das tun, um die Galaxis zu retten?

Staatsstreich Teil 3: Ausführung

Doch Jacen beschäftigen natürlich auch noch die weltlichen Probleme: Wie bekommt er die Macht über die Galaxis? Nun beginnen sich alle Vorbereitungen auszuzahlen, denn gemeinsam mit Niathal putscht er gegen Cal Omas und setzt diesen ab. Gemeinsam wollen sie die Regierung nun führen – natürlich nur, bis der Krieg vorbei ist. Ein für Putsche doch sehr beliebtes Mittel. Dabei wird Niathal eher das Aushängeschild, während Jacen mehr im Hintergrund agiert. Er findet mit der Hilfe seines Juristendroiden eine kleine Lücke im Gesetz und schafft es, ein Gesetz durchzubringen, das es ihm erlaubt, alle Gesetze seiner Wahl zu erlassen oder zu ändern. Das gelingt ihn durch eine kleine Novelle eines Gesetztes zur Materialbeschaffung seiner Garde, was er aber natürlich auszunutzen weiß. Es ist fast schon verstörend zu lesen, wie Jacen hier mit kleinen juristischen Kniffen den Rechtsstaat Schritt für Schritt seinen Bedürfnissen anpasst, es aber zunächst niemandem wirklich auffällt (zumindest die Gesetzeslücke) und die Allianz sich immer weiter zu einem autoritären Regime entwickelt. Der große Unterschied zu Palpatine ist hier, dass vieles im Geheimen und gleichzeitig offen stattfindet (zumindest für die Wesen, die täglich die neuen Gesetzesblätter lesen), während Palpatine immer mehr Macht vom Senat sehr öffentlich übertragen bekommt.

Maras Jagd

Ben kehrt von Ziost zurück in einem geheimnisvollen Schiff, das den klingenden Namen Schiff besitzt und wohl ein eigenes Bewusstsein besitzt. Ben kann es Kraft seiner Gedanken kontrollieren – sei es einfach nur zu fliegen oder auch die Waffen einzusetzen. Es ist natürlich nicht das erste Mal, dass wir lebenden Schiffen begegnen, doch, anders als bei den Schiffen der Yuuzhan Vong, scheint das Bewusstsein hier deutlich tiefer zu gehen: Das Schiff unterhält sich mit Ben. Was er noch nicht weiß: Es wird besonders von der Dunklen Seite angezogen und erklärt solche Machtnutzer zu seinem Herrn. Hier sehen wir nochmals deutlich, wie tief Ben schon von Jacen in den Strudel gezogen wurde. Zurück auf Coruscant ist Mara außer sich und will Ben von Jacen fernhalten. Ben hört nicht auf sie und kehrt zu Jacen zurück, auch wenn er schon Zweifel hegt.

Jacen hat für Ben eine neue Aufgabe: Er soll Gejjen, den Staatschef der Corellianer bei einem Attentat töten und so den Krieg beenden. Damit treibt er es immer weiter auf die Spitze. Der vierzehnjährige Ben soll nun Attentäter werden im Dienste der Allianz. Der Plan ist äußerst perfide, das Vorgehen heftig und brutal. Auch hier will ich nicht mehr verraten, doch findet sich mit Shivu nun ein Untergebener Jacen Solos, der Zweifel bekommt. Die Szenen zwischen ihm und Ben haben mir besonders gefallen. Nach den traumatischen Ereignissen beim Attentat nimmt er Ben erstmal bei sich auf und versucht, ihn auch von Jacen fernzuhalten. Ab der Stelle begann ich Shivu als Charakter auch immer spannender zu finden.

Mara wird nun klar, dass Jacen sich der Dunklen Seite zuwendet, und sie beginnt ihre Jagd auf ihn. Wie schon erwähnt, spricht sie vorher noch mit Ben über seine Traumata auf Ziost, und hier sieht man sehr schön, wie sehr Mara Mutter ist und ihren Sohn liebt. Eine Person, mit der man sich nicht anlegen sollte. Jacen fürchtet sich vor ihr zu Recht: So war sie einst die Hand des Imperators – und als Leser bekommt man da schon Angst, wie die Jagd und Kämpfe beschrieben werden. Mara hat ihre Attentäterausbildung bei Weitem nicht vergessen und stellt eine fulminante Gegnerin für Jacen dar. Und mehr sei an der Stelle nicht gesagt.

Ein paar Worte will ich aber noch zum Ende verlieren – das nimmt einen einfach nur mit. Ohne ein paar Tränen kommt man da nicht davon. Was dort passiert, ist heftig und emotional, auch wenn man das hat kommen sehen (oder wie ich leider schon gespoilert war). Wir sehen hier schon potentielle charakterverändernde Auswirkungen und blickt mit Angst auf die Zukunft der Galaxis und der Charaktere. Und damit bekommt auch der fünfte Band fünf von fünf Holocrons, für die durchgehende Spannung, die tiefen Charaktere, die Schockmomente und das emotionale Ende.

Bewertung: 5 von 5 Holocrons
Bewertung: 5 von 5 Holocrons

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