Marvel-Mittwoch: Han Solo: Hunt for the Falcon #5

Und noch eine weitere Marvel-Reihe findet nun ihr Ende. Han Solos Suche nach seinem Millennium Falken kommt zum Abschluss, wenn auch nicht so, wie man es eigentlich erwartet hätte.

Achtung: Wie immer besprechen wir im Marvel-Mittwoch die Handlung der Comics, sodass sowohl der Beitrag als auch die Kommentare Spoiler enthalten können.

Der Inhalt

Das Heft beginnt mit einer Vision von Han, wie toll doch die Zeit war, als der Millennium Falken noch ihm gehörte. Alles war perfekt, alles hat gepasst und sich richtig angefühlt. Er besiegte jeden Gegner, wurde von seiner Familie bewundert, genoss Lukes vollstes Vertrauen und hatte alles im Griff. Kurz: Han ist massiv in einem Nostalgie-Flashback. Leider sieht es in der Realität gerade nicht ganz so rosig aus und Han und Chewie scheitern bei ihrem Versuch, den Falken von Plutt zurückzustehlen, und geraten dabei sogar in Gefangenschaft. Da Chewie damit natürlich nicht ganz einverstanden war, dauerte sie aber nur kurz. Aber auch nach der erneuten Flucht stand ihre Mission unter keinem besseren Stern.

Zwar kommt es zum Kampf Mann gegen Mann zwischen Han und Unkar, aber da Ducain dazwischenfunkt, bringt auch dieser Kampf nicht die erhoffte Klärung, und auch ein kurzzeitiges Zweckbündnis zwischen Han, Chewie und Ducain führt nicht ans Ziel, sondern nur zu einer Verwundung von Han, der daraufhin die Mission abbricht. Als kleine Rache im letzten Augenblick überlässt er Ducain Unkars Truppen, eher er erst Chewie nach Hause fliegt und sich dann bei Lando etwas Trost und Zuspruch holt.

Die Umsetzung

Rodney Barnes arbeitet zwar sehr schön die Verklärung, die der Millennium Falken durch Han erfährt, aus, aber mehr als eine volle Ladung Altmänner-Nostalgie gibt es nicht. Der wenig durchdachte Versuch, in Unkars Herrschaftsbereich vorzudringen, scheitert dankenswerterweise recht schnell und eigentlich auch unspektakulär. Das Duell der beiden alten Männer – ein starker Kontrast zu Hans Erinnerungen an seine eigene Fähigkeiten von damals – ist fast etwas zum Fremdschämen, aber das soll so sein. Und auch Chewie scheint dies erkannt zu haben und ist nur noch dabei, um das Schlimmste zu verhindern, während Han sich sein eigenes Scheitern hart erarbeitet und zum Schluss endlich einsieht, dass er nicht mehr der Gleiche von früher ist und es auch mit dem Millennium Falken in seinem Besitz nicht wieder sein wird. Barnes geht von daher recht schonungslos mit Han um und verpasst ihm damit eine ähnliche desillusionierende Entmystifizierung, wie es Luke schon durch die Filme erfuhr. Das wird nicht jeder mögen, aber er lässt Han dankenswerterweise nicht ohne Restwürde und Hoffnung zurück. Insofern macht diese im Nichts endende Selbstfindungs-Quest Sinn, aber richtig befriedigend ist der Handlungsbogen nicht, denn die Erwartung, dass man hier ein wichtiges Puzzlestück aus der Saga erfahren würde, endet in dem gleichen Nichts, denn am Ende ist alles wieder da, wo es am Anfang war und wir sind kein Deut schlauer. Solche Much Ado About Nothing-Reihen kann man zwar durchaus mal haben, aber sie wirken in Zeiten ohnehin schon schwächelnder Reihen leider eher als Verstärkung des Negativtrends.

Ramon Rosana hat bei der Komposition der Panels mit einigen Kniffen gearbeitet. So kontrastiert er Hans verklärte Visionen und die harte Realität z.B. auch dadurch, dass er die Vision sehr detailliert und farbiger ausführt, während die in der Realität spielenden Panels spartanischer, dunkler und sehr auf die Figuren fokussiert angelegt sind. Dies ist an sich geschickt gemacht, aber vor diesem Hintergrund wirken die Figuren diesmal irgendwie sehr künstlich und selbst in der Bewegung steif. Es  fehlt mir einfach das Leben in den Panels. Guru-eFX (Farben) und Joe Caramagna (Lettering) liefern in ihren Bereichen wie gewohnt saubere Arbeit.

Bemerkenswert finde ich auch das Variant-Cover von Miguel Mercado, der ganz der Idee der Geschichte folgend, den gealterten Han in einer seiner ikonischen Szenen aus seiner Jugend zeigt. Diese kommt zwar in dieser Reihe nicht vor, aber der Moment bringt die vorliegende Geschichte schön auf den Punkt; sie entspricht dabei aber eher der verklärten Selbstsicht Hans. Die Realität sähe heute wohl anders aus.

Fazit

Ein etwas maues Ende für diese Mini-Reihe. Schade, trotz der interessanten Idee, Han vor der Kulisse seiner eigenen, verklärten Erinnerung an die guten alten Zeiten scheitern zu lassen, hätte man der Geschichte doch etwas mehr Wert und Verankerung in der Saga gewähren können. Zudem sind die Panels diesmal etwas steif geraten.


Nächste Woche findet mit Legacy of Vader #12: Reign of Kylo Ren, Part 12 die nächste Reihe ihren Abschluss.

Wir bedanken uns bei Marvel für die Bereitstellung der digitalen Vorabexemplare, ohne die unser Marvel-Mittwoch nicht möglich wäre.

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