Rezension: Die Hohe Republik – Abenteuer, Band 12: Nachrichten aus der Okklusionszone

Während die Romane bis auf Die Prüfungen der Jedi schon auf Deutsch erschienen sind, arbeitet sich Panini immer noch durch die Comicbände der Hohen Republik. Mit dem zwölften ihrer durchgehenden Nummerierung stehen wir endlich an der Schwelle, um in die finale Welle der dritten Phase überzusetzen. Was der Band sein will und was er am Ende ist – darum soll es in dieser Rezension gehen.

Was er sein will

Mit der Platzierung der Geschichten am Ende der zweiten Welle der dritten Phase ist der Anspruch von Daniel José Older (Geschichte eins und drei), Alyssa Wong (Geschichte zwei) und Cavan Scott (Geschichte vier) relativ klar: eine Brücke bauen.

Wie ging es weiter auf Eriadu und warum ist Sevran Tarkin plötzlich so abweisend? Eine Frage, die ich in der entsprechenden Rezension zu den Abenteuer-Bänden auch gestellt habe. Wie geht es überhaupt mit Elzars Entsendung der EX-Droiden in die Okklusionszone weiter, nachdem Porter Engle im zweiten Erwachsenenroman dieses „Loop-Hole“ gefunden hat? Was macht Emerick Capthor eigentlich bei all seinen Nachforschungen und wie lief Lournas Trauer-Rückkehr nach Dalna weiter ab?

An den Fragen merkt man bereits: Man kann sie stellen, muss es aber nicht. Genauso fühlt sich der Band in großen Teilen an. Er fügt Eindrücke, Momentaufnahmen und Charaktermomente hinzu. Er liefert Kontext und ist in sich sogar dezent, aber merklich, verknüpft. Hier tritt Driggit auf, dort referenziert Emerick das gegenüber Niv Apruk.

Dadurch, dass der Sonderband jedoch nur aus vier kurzen „Nachrichten“ besteht, fühlen sie sich alle mehr oder weniger platt an, ohne die entsprechenden Fortsetzungen in ihren weiteren Reihen. Sie funktionieren sicherlich alle gut als Bindeglied, als Kurzepisode, aber nicht so wirklich für sich alleine. So werden sie uns aber präsentiert. Das ist auch nicht Paninis Schuld, denn sie erschien ja genauso auch in den USA als eigene Reihe.

Besonders auffällig ist das bei Cavan Scotts Geschichte, deren Auflösung am Ende ganz laut Marvel-Reihe (Die Angst der Jedi) schreit und damit überhaupt nicht in den Dark Horse-Kosmos passt, wo sich die ersten drei Geschichten immerhin noch gut einfügen. Einerseits positiv, da Story hier wichtiger ist als Verlag, andererseits auch die Gefahr, dass Marvel-Lesern etwas fehlt oder Dark Horse-Leser etwas nicht verstehen (analog dazu bei uns Abenteuer-Leser vs. Hauptreihen-Leser).

Was er am Ende ist

All das klingt – zugegeben – erstmal recht negativ. Doch der Band an sich macht sehr viel Spaß. Die Idee, die Geschichten zu verknüpfen, funktioniert hervorragend. Die Konstante der EX-Droiden aus der zweiten Phase der Hohen Republik wird gut durchgezogen und sie spielen mehr als nur eine Impulsrolle, sondern haben teils auch Auswirkungen auf die jeweilige Handlung.

Ganz am Ende kommt es zu einem Rahmenschluss, der die Weichen in Richtung Phase drei und vor allem dem Erwachsenenroman stellt. Unter all den Miniepisoden steckt so etwas wie eine Haupthandlung, die auf die Gesamtphase einspielt. Dafür hätte es aber nicht unbedingt den Querschnitt durch alle laufenden Reihen gebraucht, deren Protagonisten zufällig alle mal einem solchen EX-Droiden begegnen müssen.

Das geht ja sogar so weit, dass im letzten Abenteuer ein Schiff von einem EX-Droiden getroffen werden muss, damit das irgendwie dazupasst. Genau das meine ich mit Diskrepanz aus Anspruch und Wirklichkeit. Ein Band mit vier ähnlichen Geschichten, ohne den Nimbus, allen laufenden Reihen einmal „Servus“ zu sagen, hätte am Ende für sich alleine und als Brücke zu Phase drei besser funktioniert – zumindest weniger gezwungen gewirkt.

Zeichnung (l)imitiert Inhalt

Das Künstlerteam aus Paris Alleyne (Heft eins), Valeria Favoccia (Heft zwei), Lucas Marangon (Heft drei) und Vincendo Riccardi (Heft vier) leistet sehr gute Arbeit. Aber auch hier wird der Abklapper-Charakter wieder zum Verhängnis. Lucas Marangon beispielsweise zeichnet aktuell keine Hauptreihe. Sein Stil passt zwar zum klassischen 2D-Adventures-Look der Dark Horse-Reihen, aber nicht zu 100 Prozent. Valeria Favoccia zeichnet erstmals einen Comic im Star Wars-Kontext und trifft die Hauptfiguren ihrer Geschichte – Crash und Ruu – zwar sehr gut, schafft es hingegeb kaum, die Nebenfiguren mit ausreichend Details zu zeichnen.

Besonders deutlich wird das aber bei Vincendo Riccardi. Aufmerksame Leser kennen den Namen bereits aus der vorherigen Rezension zu Echos der Angst. Er war derjenige, der die Geschichte von Darth Ravi und seinem psychedelischen Traum inszenierte. Getreu dem Motto „It was so nice, we did it twice“, zeichnet er jetzt Tys und Drewens Ausflug nach Dalna – und zwar genau in diesem Stil.

Das passt einfach nicht, zumal Tys Handlung bisher immer von Rachel Stott inszeniert wurde (in den beiden Hauptbänden) und, obwohl Dalna seit Phase eins unbewohnbar ist, ein solcher Stil nicht zu dem Setting passt. Gleiches Problem also wie inhaltlich: Der Stil ist unglaublich gut, er fängt Details ein und hebt sich massiv vom Rest des Bandes ab. Er passt damit aber erstens nicht zum sonst recht ähnlichen Bild der ersten drei „Nachrichten“ und er erfüllt auch keine inhaltliche Rolle, wie noch in Echos der Angst, wo genau dieser Stilbruch auch inhaltlich sinnvoll war.

Wie beim Inhalt: Es ist an sich eine schöne Geschichte, die Zeichnungen sind durchweg auf einem hohen Niveau, aber weder passen sie in die Schranken der jeweiligen Hauptreihen, die sie passieren, noch geben sie als eigenständige Geschichtensammlung ein einheitliches Bild ab.

Fazit

Selten ist mir eine Rezension so schwergefallen. Beim Lesen hatte ich Spaß und gleichzeitig immer die Frage im Kopf: Wozu gehört das jetzt und warum brauchen wir das als Brücke? Nachrichten aus der Okklusionszone zeigt, dass verkrampfte Interkonnektivität der Handlung nicht automatisch eine sinnvolle Sache ist. Denn während der Band an sich etwas Spannendes fortführt (die EX-Droiden), ist er in der Realität einfach zu nah an bereits etablierten Orten. Das führt dazu, dass wir viele dieser „Brücken“ nicht vermisst hätten und kaum ein Aha- oder gar Wow-Effekt eintritt. Stattdessen fällt umso mehr ein Stil- und Anspruchsbruch auf, der vermeidbar war. Das Team hätte sich lediglich etwas weiter von ihren bewährten Reihen entfernen und sich wie bei Echos der Angst auf eine komplett eigenständige Story im Vier-Ausgaben-Stil fokussieren müssen.

Im JediCast zu der Reihe habt ihr die Möglichkeit, einen von drei Bänden zu gewinnen. Ihr müsst nur kurz reinhören und dann hierher zurückkehren, um das Formular auszufüllen.

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Star Wars: Die Hohe Republik ist ein mehrjähriges Buch- und Comicprogramm, das hunderte Jahre vor den Skywalker-Filmen spielt und die Jedi in ihrer Blütezeit zeigt. Weitere Infos, News, Podcasts und Rezensionen gibt es in unserem Portal und in der Datenbank. Beachtet auch unsere Guides zur Lesereihenfolge von Phase I, Phase II und Phase III.

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