Marvel-Mittwoch: The High Republic #11

Am dieswöchigen Mittwoch dürfen wir uns nach einer kurzen Verschiebung endlich wieder auf eine neue Ausgabe The High Republic freuen und in Heft #11 erfahren, welch verhängnisvolle Konsequenzen Keeves und Terecs Undercover-Mission mit sich zieht. Wie die neuste Ausgabe mir gefallen hat, erfahrt ihr unterhalb der Spoilerwarnung. Viel Spaß beim Lesen und lasst auch gerne eure Meinung zum Comic da!

Achtung: Bitte bedenkt, dass unsere Marvel-Mittwoch-Rezensionen Spoiler enthalten, damit wir in den Kommentaren mit euch diskutieren können. Insbesondere bezieht sich dies auf The Rising Storm und Tempest Runner.

Zum Inhalt

Der nächste Handlungsbogen der The High Republic-Comicserie trägt den überhaupt nicht besorgniserregenden Titel „Jedi’s End“ und das „Only Fear“ betitelte Kapitel eins der Geschichte lässt uns natürlich ganz beruhigt in den Comic starten. Spaß beiseite, wer Cavan Scotts großartige Serie bis hierhin verfolgt hat, weiß, dass Verschnaufpausen hier weniger auf der Tagesordnung stehen. So kann man bei den Titeln der Geschichte auf der ersten Seite schon erahnen, dass die Charaktere und womöglich auch wir Leser uns auf eine Achterbahn der Gefühle einstellen sollten. Nicht weniger liefert Heft #11 ab, denn es startet genau dort, wo der letzte Handlungsbogen uns mit einem Cliffhanger zurückgelassen hat …

Am Ende des letzten Heftes sahen wir, wie Terec das gleiche Schicksal zu erwarten schien, das auch Loden Greatstorm ereilt hat. Im Gegensatz zum, naja, Endergebnis dessen, welches wir in Trail of Shadows sehen durften, bekommen wir dieses Mal allerdings mit, wie die geheimnisvolle Waffe ihr Opfer zerstört. Keeve kann dabei ähnlich wie wir nur voller Angst zusehen und nicht eingreifen. Und genau wie wir ist Keeve neugierig, was denn nun der Inhalt der Box und zu solchen Taten fähig ist. Wieder einmal können wir die Geschichte dadurch durch Keeves Augen sehen und uns mehr mit ihr und ihren Gefühlen identifizieren. Was wir dort sehen, macht dem Genre des Bodyhorrors nämlich alle Ehre. Terec scheint förmlich zu zerfließen oder wie Keeve sagt von innen nach außen zu gekehrt zu werden. Die Zeilen „There is only fear“ sind dabei eine schöne Verbindung zurück zum Start von Keeves Reise als Jedi-Ritterin, die mit der Handlung „There Is No Fear“ begann.

Leider funkt Zeetar dazwischen, bevor wir einen Blick auf den Inhalt der Box bekommen können (ob Keeve wohl schneller war und mehr erblicken konnte als wir?), er erlöst Keeve aber immerhin aus ihrer gefährlichen Trance. Zeetar und Lourna ziehen dabei scheinbar nicht an einem Strang, denn diese zögert nicht, Terecs Lichtschwert zu benutzen, um Keeve das Leben zu retten. Offensichtlich werden weiterhin Jedi für Marchion Ros Forschungen benötigt. Die Ergebnisse dessen Untersuchungen (oder eher Folterungen) an Loden sind uns immer noch nicht offenbart worden, und was er oder Lourna bereits herausgefunden haben und noch herausfinden werden, wird sicherlich tragend für die weitere Geschichte werden. Lourna geht es vor allem darum, zu ermitteln, ob die Geschehnisse von Grizal reiner Zufall waren, oder ob es sich um „den Anfang des Endes“ handele. Terec nach zu urteilen wird es wohl leider letzteres sein. Dabei stellt such nun die spannende Frage, ob Lourna im Auftrag von Ro handelt und die Waffe von ihm übergeben bekommen hat oder hier ihren eigenen Absichten folgt, um Marchion möglicherweise einen Schritt voraus zu sein.

Auch an Bord der Ataraxia ist das Chaos ausgebrochen und Ceret scheint es ebenfalls schwer getroffen zu haben. Spannend: Avar hört weder Cerets noch Sskeers Melodie in der Macht. Und endlich bekommen wir ein paar weitere kryptische Infos über die Waffe, die sich wenig später tatsächlich als der Leveler herausstellt. „The Force is gone“ impliziert, dass das Wesen die Fähigkeit besitzt, die Macht entweder auszulöschen oder sie zumindest für einen Machtnutzer nicht mehr zugänglich zu machen. Ceret befindet sich nun in einer Art selbstinduziertem Winterschlaf, sodass zumindest noch Hoffnung auf Überleben besteht. Laut Avar wurde dabei das komplette Dasein des Zwillings ausgelöscht. Keine guten Aussichten für Ceret und Terec und alle weiteren Jedi, die dem Leveler bestimmt noch zum Opfer fallen werden. Positiv hervorheben möchte ich an dieser Szene noch, dass das Pronomen „they“ nun auch für Ceret allein benutzt wird. In vorigen Ausgaben kam dieses meist nur zur Sprache, wenn sich auf beide Zwillinge bezogen wurde, jetzt wissen wir aber, dass auch die beiden Zwillinge „allein“ nicht-binäre Pronomen besitzen.

Fast genauso besorgniserregend ist Sskeers Wandlung. Vermutlich hätte man es kommen sehen können (auch Avar sagt, sie hätte es besser wissen sollen, und da stimme ich ihr absolut zu), dennoch überrascht es mich, dass man für Sskeer den Weg zur dunklen Seite der Macht vorgesehen hat. Er bewegt sich offensichtlich von den Grundsätzen der Jedi weg, spürt die Anderen in der Macht nicht mehr und lässt sich von Avar auch nicht an ihre friedvolle Philosophie erinnern. Da bleibt selbst ihr keine andere Wahl mehr, als (im Vergleich zu Keeve relativ harmlos) zu fluchen. Interessant finde ich Yodas Worte, die sie in diesem Kontext sie zitiert. „Once you walk the dark path, it is forever in your heart” klingt nicht gerade hoffnungsvoll. Einerseits würde ich nun gerne erfahren, was für Erfahrungen Yoda bereits mit der dunklen Seite gemacht hat, andererseits scheint Avar damit auch irgendwie vorwegzunehmen, dass es kein Zurück mehr für Sskeer gibt. Aber vielleicht – hoffentlich – werden Avar und Yoda ja auch eines besseren belehrt. Bedeutsam ist das Zitat zudem im Hinblick auf Elzar Mann, der sich in The Rising Storm ebenfalls die dunkle Seite zunutze gemacht hat. Sollte Avar ihm mit dieser Einstellung begegnen, gibt es hier sicherlich einiges an Konfliktpotential.

Aber zurück zum Comic, Cavan Scott ist es natürlich wieder gelungen, kleine Verknüpfungen zu anderen Werken der Serie herzustellen, die nur für Leser dieser ersichtlich sind. Dass Lourna Erfahrung im Kampf gegen Sskeer hat ist dabei ein Hinweis auf Scotts Hörspiel Tempest Runner, in dem Sskeer Lourna bereits einmal zu fassen bekommen hat. Und auch dort wurde schon angemerkt, wie gefährlich dieser sei. Aufhalten lässt er sich nur von Keeve, die verängstigt aus einer Ecke hervortritt. Zumindest für mich zeigt dies, dass Sskeer noch nicht gänzlich verloren ist, wobei ich auch denke, dass er sich nicht länger herausreden kann, nachdem er diverse Personen brutal zweigeteilt hat, und in künftigen Ausgaben vielleicht einmal vor den Jedi-Rat treten sollte.

Das Ende der Ausgabe kündigt dann einen Kampf an, auf den ich mich schon seit längerem freue. Avar ist entschlossen, Lourna, die mitsamt Terecs Lichtschwert und dem Leveler zu fliehen versucht, nicht noch einmal entwischen zu lassen. Und wie die Inhaltsangabe des Handlungsbogens vermuten lässt, wird es ihr auch gelingen, diese aufzuhalten und somit werden zwei meiner Lieblingsfiguren aus der Hohen Republik gegeneinander antreten. Eins ist sicher: ich bin bereit!

Zu den Zeichnungen

Die zeichnerische Gestaltung ist mir in dieser Ausgabe sowohl positiv als auch an einzelnen Stellen negativ aufgefallen. Räumen wir also zuerst die Kritikpunkte aus dem Weg: die Umsetzung kleinerer und hintergründiger Gesichter ist mir nach wie vor zu simpel. Negativ aufgefallen ist mir dabei vor allem ein Panel, in dem Avars Gesicht lediglich „:(“ als Ausdruck trägt. Persönlich fände ich es eine elegantere Lösung, diese Gesichter dann lieber neutral darzustellen, wie es zum Beispiel eine Seite im Comic zuvor umgesetzt wurde. Wo wir gerade bei den Gesichtern sind, ein weiterer kleiner Punkt, der mich irritiert hat: sobald Personen mit hellem Hautton weniger detailreich zu sehen sind, ist ihre Hautfarbe seltsam pink koloriert. Dies bezieht sich nur auf wenige Stellen, aber ich frage mich dennoch, warum man nicht einfach die originale Hautfarbe benutzt, die auch bei größeren Gesichtspanels verwendet wird.

Nach kurzer Kritik nun aber zum Positiven! In meiner letzten Rezension habe ich angemerkt, dass die Kulisse Xais mehr an Stimmung hergeben könnte, und dies wurde meiner Meinung nach in diesem Heft besser umgesetzt. Die Nebelschwaden und der grüne Himmel haben mir als zwielichtiger Ort gut gefallen. Nicht vergessen darf man natürlich die ersten Seiten des Comics, auf denen wir einen ersten visuellen Eindruck davon bekommen, wie der Leveler seine Opfer zerlegt. Die Seiten sind schaurig schön geworden und sowohl von den Zeichnungen her als auch ganz besonders in der farblichen Umsetzung klasse gestaltet. Auch gut gefallen hat mir die parallele beziehungsweise gespiegelte Darstellung von Terec und Ceret auf zwei aufeinanderfolgenden Seiten. Insgesamt trägt die Darstellung der Zwillinge super zur Stimmung bei und den Anblick deren leerer Augen werde ich so schnell nicht wieder vergessen. Der Kontrast aus den tot wirkenden Körpern und der actionreichen Dynamik ist spannend und die Kampfszenen, die in visueller Form schnell mal unübersichtlich werden können, sind immer gut nachzuverfolgen. Ebenfalls toll finde ich die Gestaltung der Vektoren, die wir zwar leider nicht von innen, aber immerhin gut von außen zu sehen bekommen.

Fazit

Cavan Scott und sein Team liefern mit The High Republic #11 den spannenden Start eines Handlungsbogens mit einem riesigen Potential, bei dem ich mir sicher bin, dass es ausgeschöpft werden wird. Die Handlung aus dem Comic wird immer wichtiger, und spätestens jetzt sollte man deren Relevanz und eventuelle Konsequenzen für den Verlauf der gesamten Story nicht mehr unterschätzen. Erneut werden einige Fragen aufgeworfen: wie ist Lourna an den Leveler gekommen? Hat Marchion ihn ihr einfach überlassen, obwohl er doch eigentlich schlechte Erfahrungen damit gemacht hat, Lourna seine Forschung zu übergeben? In was für einer Art Zustand befinden sich Terec und Ceret? Und ist Sskeer wirklich unwiderruflich auf dem Weg zur dunklen Seite der Macht? Trotz dieser ungeklärten Umstände lässt uns Heft #11 allerdings relativ zufrieden zurück, denn wir wissen, dass der Kampf noch nicht vorbei ist und können uns auf eine spannende Konfrontation im nächsten Monat freuen!

Wir bedanken uns bei Marvel-Comics für die Bereitstellung des digitalen Vorabexemplars, ohne das unser Marvel-Mittwoch nicht möglich wäre.

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Star Wars: Die Hohe Republik ist ein mehrjähriges Buch- und Comicprogramm, das 200 Jahre vor den Filmen spielt und die Jedi in ihrer Blütezeit zeigt. Weitere Infos, News, Podcasts und Rezensionen gibt es in unserem Portal und in der Datenbank.

Ein Kommentar

  1. Ähnlich wie du mache ich mir schon seit Rising Storm Gedanken darüber, ob die genannten Jedi wirklich auf die dunkle Seite der Macht gewechselt sind bzw. abzugleiten drohen. Mir ist, besonders in den Jugendbüchern, aufgefallen, dass die Jedi zu dieser Zeit eine besonders pazifistische Grundhaltung haben und nur in absoluten Gefahrenlagen mal jemanden töten. Das ist 200 Jahre später durchaus anders und trotzdem glaubt keiner, dass Obi Wan, Yoda oder einer der anderen demnächst zur Dunklen Seite überlaufen wird. Ich glaube daher derzeit nicht, dass die beiden in Gefahr sind zur Dunklen Seite überzulaufen, auch wenn sie sich ein Stück weit von der besonders hellen Seite entfernt haben, weil sie erkannt haben, dass man manchmal seine Gegner töten muss, um zu vermeiden, dass sie immer wieder aufstehen und erneut angreifen.

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