Rezension: Wächter der Macht 8 – Enthüllungen: Neue Gegner und Verbündete

Langsam beginnen auch Teile der Allianz sich gegen Darth Caedus zu wenden. Während Admiralin Niathal sich mit den Jedi für eine Absetzung des gefallenen Jedi verbündet, reist Jaina Solo nach Mandalore, um sich von den besten Jedi-Jägern der Galaxis ausbilden zu lassen. Im achten Band Enthüllungen der Reihe Wächter der Macht treffen wir auf einige alte Bekannte, die lange nicht mehr gesehen wurden und eine weitere Fraktion – die Imperialen Restwelten – beginnt sich nun auch im Zweiten Galaktischen Bürgerkrieg einzumischen. Der Roman stammt aus der Feder von Karen Traviss und erschien als Legacy of the Force 8: Revelations am 26. Februar 2008 in den USA bei Del Rey. Die deutschsprachige Übersetzung kam am 12. April 2010, verlegt durch Blanvalet, in den Handel.

Der Roman beginnt sehr anders als man es von Star Wars-Romanen gewohnt ist – Jaina Solo hält einen inneren Monolog, dass es ihre Pflicht sei, ihren Bruder zu besiegen. Dafür muss sie sich von Boba Fett – amtierender Mandalore, größter Kopfgeldjäger, ehemaliger (?) Erzfeind ihres Vaters – ausbilden lassen und lernen, wie man Machtsensitive mit der Machtfülle ihres Bruders entgegentreten kann.

Auf Coruscant plant Darth Caedus unterdessen seine nächsten Schritte im Krieg gegen die Konföderation. Sein nächstes Ziel sind die Werften von Fondor, doch geht es ihm hier nicht nur darum, seinen Gegnern die Werften zu nehmen, sondern diese selber zu nutzen. Doch für die konföderiert geneigten Fondorianer ist eine Zusammenarbeit ausgeschlossen, weswegen eine vollständige Besatzung folgen müsste, mit Truppen und Schiffen, die die Allianz nicht besitzt. Neue Verbündete müssen her, und so schickt Caedus seine Schülerin Tahiri Veila nach Bastion, um Großadimral Pellaeon und die imperialen Restwelten auf seine Seite zu ziehen.

In der Allianzflotte ist unterdessen Unruhe ausgebrochen – Caedus hat einen Unteroffizier vor anderen Offizieren umgebracht. Was als Zeichen der Stärke und des unbedingten Gehorsams gedacht war, sorgt bei nicht wenigen für Angst und Zweifel. Admiralin Niathal hat Kontakt zu Luke Skywalker und sucht nach Verbündeten, um ihren Co-Staatschef abzusetzen. Die Jedi haben unterdessen eigene Pläne: Jaina Solo, das Schwert der Jedi, soll nun von Boba Fett unterwiesen werden um gegen ihren Bruder bestehen zu können. Doch Boba Fett hat auch andere Sorgen, seine totgeglaubte Frau wurde in Karbonit eingefroren wiedergefunden.

Damit gibt es auch in diesem Band wieder mehrere ineinander verflochtene Handlungsstränge und Intrigen auf beiden Seiten – denn das Imperium ist sich auch nicht ganz eins, auf welche Seite – wenn überhaupt – es sich schlagen sollte. Und dazu gibt es viele persönliche Momente für die Fett-Familie.

Das neue (alte) Imperium

Die imperialen Restwelten sind während des Galaktischen Bürgerkrieges überraschend ruhig geblieben. Umso spannender ist es nun zu erfahren, wie hier eigentlich die Sympathien liegen und warum bis jetzt noch nichts geschehen ist. Das Imperium wird vom Rat der Moffs geführt mit Pellaeon als Staatsoberhaupt, der jedoch auch großen Einfluss auf die Moffs hat. Ich habe mich sehr gefreut, Pellaeon wieder zu sehen, den wir schon in unzähligen Romanen als aufrichtigen, prinzipientreuen und pragmatischen Imperialen kennenlernen konnten. Er ist aber nun über 90 Jahre alt und damit eigentlich auch schon in einer Art Ruhestand, zu Beginn des Romans beobachtet er sogar die Übungen für seine Beerdigungszeremonie.

Pellaeon kann Caedus nicht leiden, hält ihn für einen Despoten und sieht auch die Gründung der Garde der Allianz sehr kritisch, was auch der Grund war, weswegen er als Oberster Befehlshaber der Allianzstreitkräfte zurückgetreten war. Diese Sichtweise ist sehr interessant zu lesen, besonders da Pellaeon schon viel Erfahrung mit Warlords und autoritären Regimen hatte. Man hat das Gefühl, dass er ihn nicht ganz für voll nimmt, denkt über ihn als „Rotzlöffel“ und sieht ihn als Emporkömmling. Nein, Pellaeon ist nicht bereit, seine Flotte der Allianz zu unterstellen und möchte, als er das Angebot bekommt, eigentlich nicht bei einem Spiel gestört werden. Er sieht sich klar als deutlich legitimierter und auch gefestigter in seiner Position als Jacen.

Der Rat der Moffs ist dagegen deutlich offener für die Vorschläge Caedus‘, besonders da ihnen dafür zwei Planeten angeboten werden. Dies geschieht natürlich ohne diese Planeten überhaupt vorher zu fragen und es sind Planeten, über die Caedus auch nicht verfügen kann, da sie kein Teil der Allianz sind. Andere sind jedoch der Meinung, das Chaos in Fondor auszunutzen und die Planeten sowieso zu besetzen, da die Allianz ja eh nichts dagegen ausrichten könne. Hier lassen sich einige Fraktionen und Intrigen erkennen, die sich im Verlauf des Romans weiter entfalten. Es ist jedoch sehr spannend zu erfahren, wie sich das Imperium auf der einen Seite in den letzten Jahrzehnten weiterentwickelt hat, aber auf der anderen Seite immer noch in den Militarismus und in undemokratische Strukturen verfallen ist.

Auch wenn Pellaeon Caedus nicht für voll nimmt, unterschätzt er keinesfalls die Gefahr, die von ihm und seinem Angebot ausgeht. Darum kontaktiert er eine alte Freundin und Verbündete – Natasi Daala, die schon lange nicht mehr in den Legends aufgetaucht ist und eine der wenigen weiblichen Offizierinnen des Imperiums war. Dass das Imperium frauenfeindlich war ist nichts neues, aber dass das von den Charakteren so direkt angesprochen wird, habe ich bisher noch kaum in den Romanen gelesen. Daala bereichert sehr die Figurenriege und eröffnet so noch eine weitere Fraktion in diesem undurchsichtigen Konflikt. Sie treiben aber neben ihrer Loyalität zu ihrem alten Freund auch eigene Motive an, die besonders gegen ein Mitglied des Rates gerichtet sind. Was jedoch etwas unangenehm zu lesen war, ist dass Pellaeon sie immer mit meine Liebe oder mit anderen, fast schon klein haltenden Bezeichnungen anspricht. Diese Stellen deuten an, dass Pellaeon Teile der imperialen Doktrin, die ja auch sehr durch Sexismus geprägt war, immer noch verinnerlicht hat. Auch wenn ich mir recht sicher bin, dass Pellaeon ziemlichen Respekt vor Daala hat und sie eben nicht klein halten will, liest es sich trotzdem unangenehm. Es zeigt dadurch viel mehr eine fehlende Reflektiertheit Pellaeons. Es erinnert auch an die Vorurteile, mit denen Daala lange zu kämpfen hatte, dass ihre hohe Position im alten Imperium eben durch ihre Fähigkeiten erworben wurde und nicht, wie einige imperiale Offiziere behaupteten, durch ihre Nähe zu Tarkin. Das erinnerte mich beim Lesen an den Beginn von Andor, wo Dedra Meero auch zu Beginn von ihren männlichen Kollegen nicht ernst genommen wurde.

Auf imperialer Seite bauen sich Konflikte in den eigenen Reihen auf, während das Imperium das galaktische Parkett wieder betritt. Ich war teilweise etwas verwirrt, wer nun welche Fraktion vertritt und konnte auch in der finalen Raumschlacht des Romans nicht wirklich zuordnen, wer wohin gehörte. Das hätte vielleicht etwas klarer geschrieben werden können. Es baut sich trotzdem alles sehr spannend und auch dramatisch auf.

Die Fett-Familie vereint

Nachdem Boba seine Tochter verloren hatte, aber seine Enkelin wieder hatte, dachte er, dass sonst aus seiner Familie niemand mehr leben würde. Als seine Exfrau Sintas Vel als Karbonitblock wieder auftaucht, weiß er nicht wirklich, wie er mit ihrer Rückkehr umgehen soll, der Tatsache geschuldet, dass er sie und ihre Tochter früh verlassen hatte. Sintas leidet anfangs noch unter einer Amnesie und kann sich an fast gar nichts erinnern. Boba fürchtet sich davor was passiert, wenn sie merkt, dass ihr Exmann wieder da ist. Und hier sehen wir wieder einen Boba Fett, der nicht knallhart durchs Leben geht, sondern komplett überfordert ist und nicht weiß, wie er mit all dem umgehen soll. Er kämpft hier auch sehr mit seiner Vergangenheit auf Concord Dawn, wo er wegen Mordes verbannt wurde. Solche Nuancen machen diese Buchreihe so lesenswert, da hier eben viel Charakterarbeit betrieben wird. Es ist sehr interessant zu erleben, wie die beiden sich zumindest etwas näher kommen, und bereitet auch einige Twists für ihre Vergangenheit. Es ist eine gebrochene Familie, aber für Boba eine Möglichkeit, mit ihr und sich ins Reine zu kommen. Boba erinnerte mich hier an die Rückblenden von Das Buch von Boba Fett, wo wir eben auch einen eher persönlicheren Boba Fett hatten.

Bei der Familienproblematik passt es Boba natürlich nicht wirklich, dass eine Jedi auftaucht und seine Schülerin wird. Jaina schafft es jedoch durchzusetzen, bei den Mandalorianern in die Lehre zu gehen und muss lernen, dass im Kampf mit Jacen Fairness und konventionelle Kampftechniken nicht zum Ziel führen werden. Es hat viel Spaß gemacht, beim Lesen gemeinsam mit Jaina die Kultur der Mandalorianer näher zu beleuchten, und Karen Traviss hat es sich nicht nehmen lassen, einige ihrer Figuren aus der Republic Commando-Reihe auftauchen zu lassen. Besonders in der Hinsicht, dass Imperial Commando nie beendet wurde, hat es mich sehr gefreut so ein bisschen mehr über ein paar Charakterschicksale zu erfahren.

Ben Holmes

Unterdessen ist sich Ben fast sicher, dass Caedus Maras Mörder ist und teilt seine Vermutung Shevu mit, einem ehemaligen Polizisten und Offizier der Garde der Allianz, der Ben auch schon bei sich aufgenommen hatte nach den Ereignissen aus Opfer. Shevu glaubt ihm sofort, so hatte er auch mit angesehen, wie Jacen damals Boba Fetts Tochter zu Tode gefoltert hat und ist darum – zumindest im Geheimen – wegen Caedus‘ Verbrechen ihm feindlich gesinnt. Er dient jedoch immer noch in der Garde.

Gemeinsam beginnen sie ihre Ermittlungen, denn ohne stichhaltige Beweise sind ihre Anschuldigungen nutzlos. Und hier sieht man wunderbar, wie gut die beiden zusammenarbeiten und wie viel Ben von Shevu gelernt hat, wie sie gemeinsam nach und nach den Tatort sichern, sich in Caedus‘ Sternjäger auf der Anakin Solo hereinhacken – was nur geht, da Shevu ja noch in der Garde ist – und Ben versucht das alles professionell anzugehen. Man merkt hier sehr, wie erwachsen Ben werden musste in so kurzer Zeit.

Shevu glänzt hier besonders. Bei seinem ersten Auftauchen in Blutlinien war er für mich einfach nur einer der Garde-Offiziere, doch nach und nach fand ich ihn immer interessanter, besonders, als er anfängt sich in den letzten Bänden um Ben zu kümmern und ihn zu schützen. Hier ist Shevu sich der Risiken seines Verrats bewusst und setzt alles daran, Ben in seinen Ermittlungen zu unterstützen. Besonders herzzerreißend fand ich die Tatsache, dass er vor Kurzem geheiratet hat, aber offiziell sich von seiner Frau getrennt hat, um sie zu schützen, was Karen Traviss in einer ihrer Eingangszitate wieder schön – wobei eher deprimierend – auf den Punkt gebracht hat:

„Liebling, geht es dir gut? Geh keine törichten Risiken ein. Es liegt nicht in deiner Verantwortung, die Galaktische Allianz im Alleingang zu retten.“

Ab hier hatte ich wirklich Angst, dass Shevu diesen Krieg nicht überleben würde. An der Stelle möchte ich auch nochmal ausdrücklich den Einsatz der Eingangszitate – wie in allen Karen-Traviss-Romanen – loben. Es erlaubt immer Perspektiven oder Einblicke verschiedenster Charaktere und schafft es so umso besser den Ernst der Lage darzustellen, besonders, wenn es – wie hier Shevus Frau – Charaktere sind, die sonst nur erwähnt wurden.

Ben und Luke versöhnen sich wieder und Ben hat auch entschieden nicht mehr gegen Luke zu rebellieren. Man merkt auch, dass Luke – zwar immer noch in der Trauerphase – langsam wieder zum alten wird und beginnt, auch wieder die Zügel in die Hand zu nehmen. So ist er es, der mit Niathal in Kontakt ist und so einen kleinen Widerstand innerhalb der Allianz mit unterstützt.

Finale über Fondor

Meine Notizen zum Finale des Romanes sind u. a. „Alles eskaliert“, was, wie ich finde, alles dann auch gut zusammenfasst. Aus Spoilergründen will ich hier nicht zu weit gehen, aber es passiert sehr vieles auf einmal, was den Kriegsverlauf nachhaltig verändern wird. Intrigen werden final ausgespielt, weitere Fraktionen greifen an und alle Weichen für das Finale der Reihe werden gestellt. Auch wenn ich einige Stellen sehr traurig fand, war es leider eine logische Konsequenz der Entscheidungen der Charaktere. Was ich jedoch ein bisschen befremdlich fand, waren die teils etwas übertriebenen Machtfähigkeiten von Caedus – so schafft er es, alleine durch die Macht, die Schilde von Fondor abzuschalten, wenn auch auf indirektem Wege. Aber man muss natürlich dazu sagen, dass als er noch Jacen war, er fünf Jahre in der Galaxis gereist ist und von verschiedensten Machtanwendern gelernt hat.

Und hiermit kann ich – welch Überraschung – auch für den achten Band eine unbedingte Leseempfehlung aussprechen – 5 von 5 Holocrons, für eine durchgehende Spannung, abwechslungsreiche Kapitel – sei es am Hofe des Imperiums, Jainas Ausbildung bei den Mandalorianern oder Boba Fetts Familienprobleme – und emotionale Szenen.

Bewertung: 5 von 5 Holocrons
Bewertung: 5 von 5 Holocrons

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