„So sterben alle Verräter.“
Immer wieder erschienen bei Panini in den letzten Jahren üppige Hardcover mit schicken Deluxe-Neuauflagen älterer Comic-Must-Haves. Die ersten kanonischen Darth Vader-Serien machten den Anfang, bevor Die Thrawn-Trilogie für das Format die 90er und vergriffene Legends-Geschichten zurückbrachte. Am 23. September 2025 folgte ein weiterer umfangreicher Band, der in die goldenen Star Wars-Zeiten von Dark Horse entführt und einen der beliebtesten und zu den besten seiner Zeit zählenden Comics enthält: Crimson Empire.
Der Klassiker von 1997/98 war so erfolgreich, dass er zunächst eine schnelle und schließlich eine sehr späte Fortsetzung nach sich zog. Alle drei Miniserien wurden nun zum ersten Mal in deutscher Sprache gemeinsam in einem Band vereint, dazu kommen seltene Mini-Geschichten, die zwischen den einzelnen Teilen spielen und mehr zu den Figuren verraten – teils sogar in deutscher Erstveröffentlichung. Ist das Grund genug, sich den über 480 Seiten starken und mit 69,- Euro nicht gerade günstigen Band zuzulegen? Panini hat uns ausschließlich ein digitales Rezensionsexemplar zukommen lassen, deswegen beantworte ich diese Frage nicht mit Blick auf Umfang und Aufmachung, sondern vor allem inhaltlich, als Jedi-Bibliothekar, der sonst im Kanon zuhause ist und nun eine längst überfällige Legends-Saga für die Rezension das allererste Mal lesen sollte.

Crimson Empire gilt bei vielen Fans als bester Star Wars-Comic überhaupt! Erstmals sind nun alle drei Teile zusammen in einem edlen Deluxe-Band zu haben. Die furchtlosen Krieger der Imperialen Garde wurden von Darth Vader persönlich ausgewählt und haben die Aufgabe, den Imperator zu beschützen. Dies ist die blutige Geschichte von Kir Kanos, der als einziges Mitglied jener Elitetruppe die Schlacht von Endor überlebte!
Verlagstext
Battle Royal(e) Guard
Crimson Empire erschien einst als Ableger des ersten Star Wars-Comics von Dark Horse, Das dunkle Imperium. Obwohl dieser Comic um die (kurzlebige) Rückkehr Imperator Palpatines eine große Bedeutung für das Erweiterte Universum hatte und hat, gehört er für mich aus vielen Gründen mit zum schlechtesten, das ich je gelesen habe. Dass die nun folgende Geschichte, ihre Hintergründe und die Ausgangslage – samt merkwürdigem und willkürlichen Retcon – zunächst aus diesem, sagen wir mal, „Mist“ entspringt, macht den Einstieg etwas holprig. Sobald die ungelenke Überleitung dann erst einmal abgehakt ist, entfaltet sich aber ein faszinierendes, schnittig erzähltes Rache-Epos, das man nur schwer aus der Hand legt.
Es ist die Geschichte von Kir Kanos, dem letzten Überlebenden der Imperialen Ehrengarde. Anders als im fehlerhaften Verlagstext beschrieben, war es jedoch nicht die Schlacht von Endor, die er als letzter seiner Zunft überstand, sondern ein Komplott – der besagte Retcon aus Das dunkle Imperium. Die Hintergründe dieser Verschwörung sowie die Motivation vom Antagonisten und Strippenzieher Carnor Jax sind äußerst weit hergeholt, wirr und zuletzt nicht nachvollziehbar. Sobald man das einfach hinnimmt und sich auf die eigentliche Handlung im Jahr 11 NSY der Legends-Timeline einlässt, erzeugt der siebenteilige Auftakt von Mike Richardson und Randy Stradley aber eine so starke Wirkung, dass er gleichzeitig das Highlight des gesamten Deluxe-Bandes bildet. Der erste Teil von Crimson Empire wird als spannende Geschichte voller Wendungen den hohen Erwartungen also tatsächlich gerecht. Durch Verbindungen innerhalb der Handlung erfährt man außerdem einiges über die dramatische Vorgeschichte der sonst geheimnisvollen und schweigsamen Ehrengardisten.



Dabei ist Kir Kanos ein wundervoll grauer Hauptcharakter, dessen Loyalität über den Verlauf der ganzen Saga (fast?) unerschütterlich bleibt. Er ist ein Mann, der alles verloren hat, außer seiner Mission. Weitgehend unbeeindruckt vom Krieg, der nach wie vor zwischen der Neuen Republik und dem Imperium tobt, setzt der einsame Krieger alles daran, seinen Treueschwur einzulösen. Die Nebenfiguren, denen er dabei begegnet –manche verraten ihn, andere verlieben sich – sind zwar meist stumpfe Abziehbilder des stereotypischsten Comic-Jahrzehnts der 90er, durch klare Beziehungen und logische Motivationen zumindest im ersten Teil, bleiben trotzdem alle im Gedächtnis.
Das scharlachrote Imperium
Ebenso stereotypisch wie die 90er sind die Zeichnungen von Paul Gulacy, vor allem beim Körperbau der einzelnen Figuren. Vom Zeitgeist abgesehen, unter dem der Comic entstand, wirken die Perspektiven und Panelaufteilungen sonst sehr hochwertig und modern. Die Rache-Mär überzeugt in ihrer visuellen Form- und Bildsprache insgesamt völlig. Die Kolorierung von Dave Stewart bildet den Höhepunkt, ist beinahe ihrer Zeit voraus und wirkt um einiges frischer, als von 1997. Nur kleinere Detail-Fehler, die auch nach zahlreichen Neuauflagen scheinbar nie behoben wurden, stören aufmerksame Leser*innen. Zum Beispiel haben die Imperialen Sternzerstörer hier niemals die typischen, blau leuchtenden Antriebe, wenn sie sich vorwärts bewegen.
Nach der sehr fokussiert erzählten Fehde aus Crimson Empire öffnet der zweite Teil Crimson Empire II: Das Blutsgericht die Erzählung zum größeren Geschehen innerhalb der Galaxis hin. Statt Kir Kanos‘ Schicksal als Einzelperson, geht es nun vor allem um die Zukunft des restlichen Imperiums, geleitet von einem provisorischen Rat. Hier gibt eine Figur ihren Einstand, die in der späteren Romanreihe Das Erbe der Jedi-Ritter eine zentrale Rolle spielen sollte, während sich die Erzählung für Gangster-Kartelle, neue Alien-Welten und politische Intrigen öffnet. Der zweite Teil macht die Handlung um einiges „größer“ und bettet die Kämpfe des Kir Kanos mehr in den gesamtgalaktischen Kontext ein, ist dadurch aber nicht mehr so astrein verdichtet, wie noch im ersten Teil.



Das große Finale Crimson Empire III: Das verlorene Imperium entstand erst viele Jahre später und damit tatsächlich erst in der modernen Ära, nämlich kurz vor dem Disney-Kauf und dem damit verbundenen vorläufigen Ende von Dark Horse für Star Wars. Durch eindimensionale und klischeebeladene Schurken, deren Existenz einfach herbeigezaubert wird, kann auch nicht die Beteiligung der Filmfiguren Leia, Luke und Han in der Story darüber hinwegtäuschen, dass der Abschluss den deutlich schwächsten Teil der Trilogie bildet. Ja, er bringt auf den letzten Seiten die Geschichte von Kir Kanos zu einem Ende, das man mit dem Tod des alten Erweiterten Universums sogar akzeptieren kann. Die gesamte Handlung um eine versteckte Imperiale Fraktion und deren viel zu platt charakterisierte Anführer, schmälern das Lesevergnügen im direkten Vergleich zum tollen ersten und dem soliden zweiten Teil um einiges.
Endlich komplett
Zeitgleich mit dem US-Sammelband von Crimson Empire III erschien am 12.09.2012 als The Crimson Empire Saga genau der umfangreiche Band in den USA, der nun 13 Jahre später die Vorlage für die deutsche Gesamtveröffentlichung der Trilogie bildet. Die enthaltenen Geschichten sind dabei in chronologischer Reihenfolge:
- Crimson Empire (letzte Veröffentlichung: Star Wars Comic-Kollektion, Band 33)
- Kopfgeldjäger: Kenix Kil (letzte Veröffentlichung: Star Wars Comic-Kollektion, Band 100)
- Crimson Empire II: Das Blutsgericht (letzte Veröffentlichung: Star Wars Comic-Kollektion, Band 35)
- Harte Währung (deutsche Erstveröffentlichung)
- Das dritte Mal zahlt sich aus (deutsche Erstveröffentlichung)
- Crimson Empire III: Das verlorene Imperium (letzte Veröffentlichung: Star Wars Comic-Kollektion, Band 57)
- Crimson Empire Handbuch (letzte Veröffentlichung: Masters Series #4)
Neben den drei Miniserien sind in Die Crimson Empire Saga damit auch alle Kurzgeschichten enthalten, die einen Bezug zur größeren Handlung und Kir Kanos als Hauptfigur haben. Kopfgeldjäger: Kenix Kil baut eine Brücke zwischen Teil 1 und Teil 2, in den der One-Shot unmittelbar übergeht. Dasselbe gilt für Das dritte Mal zahlt sich aus, eine Promo-Geschichte, die als direktes Prequel für Crimson Empire III angelegt war. Mit ihr und Harte Währung, der eine wichtige Nebenfigur aus Teil 1 und ihr ungewisses Schicksal auf Teil 2 wieder aufgreift und -klärt, hat der Band gleich zwei deutsche Erstveröffentlichungen zu bieten. Es ist schön, dass Panini die Gelegenheit nutzte, um diese offenen Lücken zu füllen. Die Trilogie wird damit gut ergänzt und durch die erzählerischen Brücken abgerundet.


Ob die deutschen Premieren der kleinen Geschichten und das großgedruckte Format ausreicht, um sich den Band zuzulegen, wenn man bereits frühere Versionen der Saga besitzt, muss jeder Fan für sich selbst entscheiden. Vielleicht hilft folgender Vergleich: es ist, als ob man sich fürs Heimkino den Extended Cut eines im Kino bereits angeschauten Films zulegt. Man verpasst nichts wesentliches, hat es aber mit interessanten, entfallenen Szenen zu tun, die das Gesamterlebnis abrunden, ohne dass man davor merkte, dass sie überhaupt gefehlt hatten. Komplettist*innen werden sich die seltenen Gelegenheit, in Zeiten wie diesen noch neu übersetztes Legends-Material zu erhalten, sei es noch so obskur oder nebensächlich, sowieso nicht entgehen lassen. Mir persönlich reichen sie nicht aus, um mir neben dem digitalen Rezensionsexemplar den üppigen Band in physischer Form zuzulegen, obwohl ich mit dem Gedanken gespielt hatte. Dafür reicht mir meine bisherige Fassung in der Star Wars Comic-Kollektion aus.
Fazit
Trotz mehrerer Kritikpunkte durch eine erstmalige Rückschau auf Crimson Empire als Gesamtwerk – vor allem stereotypische Nebenfiguren und überzogene Körperbilder plus der nachlassenden erzählerischen Qualität von Teil zu Teil – fasziniert Kir Kanos auch vom modernen Standpunkt aus immer noch als Comic-Antiheld. Man möchte seiner von Rache getriebenen Geschichte folgen, die auch vor dem Hintergrund des Legends-Endpunktes einen zufriedenstellenden Abschluss erhält. Die Crimson Empire Saga bietet die Möglichkeit, der Geschichte von der offenen Rechnung mit einer Person aus seiner Vergangenheit bis zum Kampf um die Zukunft der Galaxis auf der einen Seite kompakt, andererseits in großem Format zu folgen, mit allen kleinen Geschichten, die Lücken in der Handlung füllen. Kir Kanos‘ Reise darf man nicht verpassen und auch wenn sie in unserer Welt schon vor langer Zeit erzählt wurde, ist es eine Freude, dass Panini sie auch 2025 am Leben erhält.
Danke an Panini für die Bereitstellung eines digitalen Rezensionsexemplars.












Die beiden exklusiven Comics und das Handbuch hätten mich ja interessiert. Aber 70€ ist schon etwas viel.
Ich glaube ich fand die Reihe damals ganz interessant, aber es war auch keine meiner Favoriten.