Marvel-Mittwoch am Samstag: Boba Fett: Black, White & Red #4

Die Feiertage schlugen zu und beauftragten Boba Fett damit, den Marvel-Mittwoch zu entführen, der an Silvester fällig war. Doch nun ist er wieder aufgetaucht und damit eröffnen wir 2026, ein neues Jahr der Marvel Comics – für das bisher noch sehr viel Ungewissheit herrscht.

Achtung: Wie immer besprechen wir im Marvel-Mittwoch die Handlung der Comics, sodass sowohl der Beitrag als auch die Kommentare Spoiler enthalten können.

Inhalt

Der Titel „Target: Eriadu“ verrät bereits, dass das letzte Star Wars-Comicheft des Jahres 2025 auf der Heimatwelt des ruchlosen Gouverneurs und seiner Familie spielt, wo auch ein Großteil der dritten Phase von Die Hohe Republik stattfindet. Dort fällt nun irgendwann vor Episode IV die vielversprechende Imperiale Kadettin Sydna Tarkin einem Attentat zum Opfer. Ihren bekannten Onkel Wilhuff Tarkin kümmern die Umstände dieses für ihn trivialen Ereignisses wenig und so ergreifen die Eltern des Opfers ohne imperiale Unterstützung die Initiative. Sie heuern Kopfgeldjäger Boba Fett an, den Besten der Besten, und versprechen ihm die doppelte Belohnung, sollte er den oder die Täter*in lebend fassen.

Damit eröffnet Alyssa Wong den Abschluss der unkolorierten Abenteuer des berühmtesten Klons von Kamino mit Boba Fett: Black, White & Red #4. Neben Eriadu als Schauplatz gräbt dey aus deren Schaffen auch die Figur Raslin Grace wieder aus, die im Finale von Doktor Aphra und in der auf Deutsch bislang unveröffentlichten Kurzgeschichte Tall Tales aus Revelations (2023) auf den Plan trat. Sie hört denselben Song aus ihrem Debüt in Doctor Aphra #40, als sie Boba ins Visier nimmt, der gerade von einem einheimischen Jungen namens Livu nützliche Informationen zum Mord an Sydna erkauft – womit die kinderfreundliche und scheinbar weichere Seite des Beskar-Trägers ein weiteres Mal innerhalb der sonst brutalen und düsteren Miniserie thematisiert wird.

Als sie sich gegenüberstehen, bietet Grace dem Einzelgänger überraschend an, auf der Suche nach dem „Schatten von Bri-Phrang“, der für den Tod des Tarkin-Sprosses verantwortlich sein soll, zu helfen, doch er lehnt ab. Stattdessen hat er mit Grace nun eine direkte Konkurrentin um das Kopfgeld und muss sich ranhalten, den Schatten vor ihr zu finden. Der Rückhalt in der lokalen Bevölkerung für diese mysteriöse Gestalt ist jedenfalls groß. Darum muss Boba tief in der örtlichen Unterwelt suchen, bis er in der Stadt Bri-Phang wieder auf Raslin stößt, die es diesmal ganz in der Tradition des Jagdfiebers der wohlhabenden Familien von Eriadu auf ihn selbst als Trophäe abgesehen hat. Als sich der Schatten dem Kampf anschließt, kommt es zum großen Standoff zwischen den drei maskierten Killern, den Boba dank seines Jetpacks und Thermaldetonatoren für sich entscheiden kann. Er erfüllt seine Mission, kassiert das Kopfgeld, überlässt den Schatten den Tarkin-Eltern und geht seiner Wege, während er in einem finalen Monolog klar macht, dass er seine eigenen Meinungen zu politischen und moralischen Themen hat, er als Kopfgeldjäger aber nicht für sie bezahlt wird.

Alyssa Wong bietet mit dem Heft eine typisch ablaufende Kopfgeldjagd, in der dey Bobas menschlicheren Charakterisierung in der Interaktion mit dem Kind Livu und seinen Gedanken zur autokratischen Lage auf Eriadu Platz einräumt. Unterschwellig scheint mit der Lage auf Eriadu und den gesellschaftlichen Umständen, die zu der Gewalt und damit der Kopfgeldjagd führen, subtile Kritik an aktuellen politischen Entwicklungen anzuklingen. Wenn Star Wars sich über seinen Unterhaltungsfaktor hinaus zeitgenössisch präsentierte, dann war es seit jeher mit der Fähigkeit, dem fiktionalen Setting zum Trotz ein umso deutlicherer Spiegel für Umstände unserer Welt zu sein. Auf diesem moralischen Unterbau erzählt Wong eine Geschichte im guten Erzähltempo und der Rhythmus von Exposition, Dialogen und Action passt, sodass sich die 30 Seiten stimmig lesen lassen.

Zeichnungen

Gezeichnet wird das Heft von Sara Pichelli, die in Marvels Star Wars-Portfolio bislang jede Menge Cover schuf, aber bislang noch keine ganze Ausgabe. Obwohl alle Hauptcharaktere Helme tragen, übertragen sich durch die richtigen Perspektiven, Panel-Aufteilungen und Linienführungen genug Emotionen, um der Geschichte Dynamik zu verleihen. Auch sind die Duelle mit all den dabei eingesetzten Gadgets schön in Szene gesetzt, sodass Boba Fett: Black, White & Red #4 optisch ein schönes Heft innerhalb des Labels geworden ist.

Zwar fällt in der von Rachelle Rosenberg verantworteten Kolorierung der bekannte Stil von Pichellis Covern beim Lesen nicht stark ins Auge, die erfahrene Farb-Expertin weiß aber durch die richtigen Akzente und das geschickte Spiel mit Grautönen die Vorgaben des Formats zu nutzen. Der Gesamteindruck ist natürlich nicht naturalistisch, durch das stimmige Gesamtpaket aus Erzählung, Zeichnungen und geschickter Anwendung der limitierten Farbvorgaben aber sehr organisch.

Fazit

Der Kopfgeldjäger Boba Fett war nach den Sith-Lords Darth Vader und Darth Maul als dritte Wahl für Black, White & Red eine, die sicherlich wenige auf ihrem Marvel-Bingo stehen hatten. Zunächst störte die im Gegensatz zu seinen Vorgängern unpassende Wahl der Farben für den hauptsächlich grünen Rüstungsträger, doch sorgen interessante Geschichten kreativer Autor*innen und Zeichner*innen dafür, dass das vierteilige Projekt insgesamt gut lesbar wurde. Vor allem das Abschluss-Heft zeigt, wie man die Farbakzente von Bobas Rüstung mit genug Wiedererkennungswert in eine schwarzweißrote Welt übersetzt, in der sich keine komplexen, aber immer etwas tiefere Themen öffnende Missionen auftaten.


Nächste Woche setzen dann Han und Chewie gleich mal ihren guten Vorsatz um und finden in Han Solo: Hunt for the Falcon #5 den Millennium Falken wieder – oder so.

Wir bedanken uns bei Marvel für die Bereitstellung der digitalen Vorabexemplare, ohne die unser Marvel-Mittwoch nicht möglich wäre.

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