Rezension: Die Hohe Republik – Abenteuer, Band 11: Echos der Angst von George Mann

Vier Stile, vier Geschichten, ein Sonderband. In Echos der Angst gehen wir zusammen mit Reath Silas und Amadeo Azzazo auf Spurensuche und schlagen damit eine Brücke zwischen der zweiten und dritten Welle der finalen Phase der Hohen Republik.

Das Werk erschien am 26. August 2025 auf Deutsch und direkt als Sonderband bei Panini. Autor des Werkes ist Legenden-Legende George Mann, während ein Künstlerteam aus vier Zeichnern für je eine Geschichte und die Rahmenhandlung zuständig war.

Tief in den Jedi-Archiven erforschen Jedi-Ritter Reath Silas und Padawan Amadeo Azzazzo die legendären Echosteine, um so mehr über den Stab der Zeitalter herauszufinden – ein Machtartefakt, mit dem die Jedi hoffen, endlich Marchion Ros tödliche Namenlose Kreaturen besiegen zu können.

Kurzbeschreibung von Panini

Psychedelischer Traum

Die von George Mann geschriebene Miniserie ist genau das, was man von George Mann erwartet: mit Legenden aufgeladen. Direkt zu Beginn zum Beispiel die Geschichte von Darth Ravi. Und das nicht nur inhaltlich mysteriös, sondern vor allem visuell. Rote, wellende Farben schlagen gegen die technischen Gerätschaften, die Ravi überwinden muss, um seinen Weg zum Echostein zu bahnen.

Es ist die erste der vier ursprünglichen Hefte (die alle auch Überlänge hatten) und die erste der drei Erinnerungen an frühere Ereignisse. Denn wo George Mann für Legenden und Sagen steht, steht Reath Silas dafür, diese in den Archiven des Jedi-Tempels auszugraben und zu bestaunen. Die beiden funktionieren einfach zusammen. George Mann kann Reath schreiben – man denke nur an seine treffende Charakterstudie in Die Tränen der Namenlosen – und Reath passt gut zu George Manns Story-Interessen rund um Mythen vergangener Generationen.

Die erste Geschichte passt dabei nicht nur zu Reath, sie ist auch die perfekte Geschichte, um Jünglinge im Tempel von den Gefahren der Dunklen Seite und dem Streben nach Macht zu warnen. Die Zeichnungen von Vincenzo Riccardi sind wie aus einem pädagogischen Bilderbuch. Mysteriös und doch eindeutig abweisend. Psychedelisch mag man fast sagen. Das passt auch insofern als dass diese Geschichte die ist, über die es nur noch Legenden gibt.

Im Verlauf des Bandes nehmen die Geschichten nämlich immer weniger mysteriöse Züge an und immer mehr gesicherte Fakten kommen dazu. In der ersten Story nimmt es Ravi noch mit einem ganzen Planeten auf und Tausende sterben durch sein Streben – die Jahre haben die Legende geschliffen und extrapoliert. In der dritten Geschichte steht dann nur noch ein Bürgerkrieg und ein einfallender Tempel im Fokus. Kleinere Dimension, realistischere Erzählung – näher dran an der Jetzt-Zeit der Rahmenhandlung.

Echos der zweiten Phase

Besonders gelungen: Dieser Comic knüpft visuell als auch inhaltlich an den starken One-Shot Die Suche der Jedi aus der zweiten Phase an. Dort haben wir bereits vom Ursprung eines Echosteins erfahren und Barnabas Vim kennengelernt. Der tritt nun in der zweiten Story, die Reath und Amadeo in den Archiven finden, wieder auf.

Diese Story ist vor allem dahingehend gelungen, dass sie ein differenziertes Bild der Korrumpierung durch den Echostein zeichnet. Ravi hat damit nur Macht und Böses gewollt. Aber war es sein Wahn oder der Stein? Hier tritt ein Jedi auf, der den Stein nicht zur Machthäufung, sondern für lautere Mittel nutzen will.

Die Diskussion, die daraus erwachsen sollte und könnte, ist dann aber etwas zu umfangreich für diesen Rückblick in einem Band aus vier Einzelheften. Aber zumindest reißt George Mann die Frage an, ob Jedi „zu viel“ Macht ablehnen sollten, wenn sie damit merklich Gutes bewirken können und nur selbst daran zu Grunde gehen, nicht aber der Macht verfallen. Denn ist diese Aufopferung nicht Kern ihrer Philosophie?

Auch diese Geschichte endet noch etwas mysteriöser und mit einem ungeklärten Ausgang für unsere Erzähler Reath und Amadeo. Wir als Lesende erhalten aber die Auflösung, die spätestens auch im finalen Erwachsenenroman als tatsächlich so geschehen und keine Wunschvorstellung bestätigt wird.

D&D-Map zum Ende

Die dritte und letzte Geschichte ist dann visuell nicht mehr ganz so überzeugend und auch inhaltlich lässt sie zu den Vorherigen etwas nach. Der Konflikt wirkt sehr konstruiert, die Ruhe der Jedi und am Ende ihre Konfliktlösung zu einfach. Es ist zwar eine schöne Metapher darauf, dass allein die Existenz von etwas einen Konflikt befeuern kann – und wenn das weg ist, der Grund zu kämpfen erlischt. Aber etwas mehr Logik oder schlichte Wut der Einwohner hätte hier trotzdem noch Platz gehabt.

Schön wiederum ist, dass die Spurensuche mit dem letzten bekannten Ort in der vierten Ausgabe beginnt. Reath und Co verfolgen den Weg nach den Steinen also wirklich zurück. Dadurch bekommt der Tempel und seine Fallen auch etwas mehr Screentime. Die Karte, die dafür auf eine Doppelseite gepackt wurde, erinnert nicht nur zufällig an Dungeon-Crawler oder eben eine klassische D&D-Map.

Inhaltlich ist diese Ausgabe am stärksten – allein schon, weil die Figuren, denen wir auch in anderen Werken folgen, hier miteinander interagieren und auf ein Abenteuer gehen. Sprich: Was hier passiert, ist auch relevant für spätere Charakterauftritte. Reath beispielsweise darf mehr sein Schild benutzen, was in anderen Romanen selten bis gar nicht als Stilelement genutzt wurde. Auch die deutliche Anlehnung an den Indiana Jones-Stil bei der Erkundung des Tempels ist positiv hervorzuheben.

Absolutes Highlight jedoch ist eine Szene mit dem aus der Weihnachtsgeschichten-Sammlung Life Day Treasury bekannten Kyber-Spiegel, in dem Reath alle möglichen Zukunftsversionen sieht. Die Zeichnungen von Vincenzo Federici, der alle Rahmenhandlungen der ersten drei Hefte und das komplette dritte Heft gezeichnet hat, unterstützen den Effekt noch zusätzlich.

Fazit

Echos der Angst ist ein wirklich starker Comicband, der eine Lücke zwischen der zweiten und dritten Phase schließt und dabei die Spurensuche in den Vordergrund rückt. Am Ende haben die Jedi endlich ein Etappensieg errungen und ein Relikt geborgen, das für den weiteren Verlauf und vor allem das Finale der Hohen Republik noch wichtig werden wird. Die Zeichnungen von Giorgia Sposito, Juan Samu, Vincenzo Federici und Vincenzo Riccardi sind abwechslungsreich und helfen auch dabei, den Ton und die jeweiligen „Mythosgrade“ der Erzählungen zu verdeutlichen. George Mann setzt seine gute Charakterisierung von Reath Silas fort und gibt ihm eine passende Aufgabe. Er stellt Reath sogar vor einen wortwörtlichen Spiegel, vor dem er selbst einst stand, als er Die Tränen der Namenlosen geschrieben hat.

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Star Wars: Die Hohe Republik ist ein mehrjähriges Buch- und Comicprogramm, das hunderte Jahre vor den Skywalker-Filmen spielt und die Jedi in ihrer Blütezeit zeigt. Weitere Infos, News, Podcasts und Rezensionen gibt es in unserem Portal und in der Datenbank. Beachtet auch unsere Guides zur Lesereihenfolge von Phase I, Phase II und Phase III.

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