Marvel-Mittwoch: Star Wars #6

Anders als wir Leser können Luke, Han und Valance ihren Mittwoch nicht entspannt im Lesesessel verbringen, sondern müssen in Star Wars #6 um ihr Leben kämpfen, denn ihre Gegner, eine Sektion aller Kampfdroiden aus den Klonkriegen, mag zwar alt sein, ist aber noch nicht eingerostet. Und auch die übrigen Gegner der Neuen Republik gehen in die Offensive.

Achtung: Wie immer besprechen wir im Marvel-Mittwoch die Handlung der Comics, sodass sowohl der Beitrag als auch die Kommentare Spoiler enthalten können.

Der Inhalt

Auf Loradil sehen sich Luke, Han und Valance weiterhin den Angriffen alter Kampfdroiden aus dem Klonkriegen ausgesetzt. Bei ihrem taktischen Rückzug waren sie auf Rüstungen von Klonsoldaten gestoßen, die sie nun mit gemischten Gefühlen anlegten. Und kaum haben sie das Separatisten-Raumschiff verlassen, finden sich die drei in einer Kampfsituation wieder, die wir nur zu gut aus den Klonkriegen kennen. Nur dass sie mental auf den Kampf gegen solch eine Überzahl nicht recht vorbereitet sind. Während Han und Valance ihr Bestes tun, um sich der Umzingelung zu erwehren, versucht sich Luke in Obi-Wans und Anakins Gedankenwelt jener Zeit zurückzuversetzen, um einen Ausweg aus ihrer Lage zu finden.

Währenddessen sehen sich auch Leia und Mon auf Chandrila einer gefährlichen Herausforderung gegenüber. Die Flotte des Fenril-Konsortiums nähert sich dem Gebiet der Neuen Republik und sie müssen entscheiden, wie sie dieser Bedrohung begegnen wollen. Wieder kämpfen, was im Widerspruch zu ihren Hoffnungen für die Neue Republik steht, die auf Frieden und Verständigung basieren sollte, oder nachgeben, was die noch nicht gefestigte Neue Republik zerreißen könnte.

Rynn hat derweil auf Loradil im Frachtschiff Kontakt zur übrig gebliebenen Besatzung aufgenommen und erfahren, dass sich an Bord der Necrim’s Wake ein Nagai namens Marntiv aufhält, dem der Angriff der Piraten gegolten hatte, da er sich als Gefolgsmann von Garlev für den Frieden und die Befreiung seines Volkes einsetzt. Er berichtet Rynn, wie es den Zantarrk unter Reyna Oskure gelungen war, die Nagai zu unterwerfen.

Dafür hat es draußen mittlerweile das kleine Dreiergrüppchen zerrissen und jeder der drei verfolgt seine eigenen Pläne, wie dem Gegner beizukommen sei. Am Ende bleibt ihnen aber jeweils nur der offensive Kampf einer gegen alle. Luke versucht zu Rynn im Frachtschiff vorzudringen, während Han sich zum Falken durchschlagen will, was aber nicht gelingt, da er kurz vor dem Ziel niedergeschossen wird. Aber gerade als die Droiden Han festnehmen wollen, kommen ihm seine Freunde und die Frachter-Besatzung zur Hilfe und befreien ihn.

Gemeinsam besteigen sie daraufhin den Millennium Falken, aber nicht, um wie von Han vorgeschlagen, nach Chandrila zurückzufliegen, sondern um Marntiv nach Kaltrais zu bringen, wo die Nagai einen letzten Aufstand gegen Reyna Oskure und die Zantarrk Piraten wagen wollen, um sich ihre Freiheit selber zu erkämpfen.

Dort diskutieren gerade Reyna und Almovar die gegenwärtige Lage, denn Almovar hat Zweifel, ob Reyna die gemeinsamen Pläne so umsetzen kann, wie versprochen. Diese gibt sich zuversichtlich, als die Meldung von einem plötzlichen Aufstand der Nagai eintrifft. Die beiden eilen von dannen und wollen sich sofort einen persönlichen Eindruck der Lage machen, da die eigenen Kräfte auf Kaltrais räumlich stark verteilt und damit angreifbar sind. Dabei werden sie von Agent Bastion beobachtet, die im Auftrag von Leia für eine geheime Mission nach Kaltrais gekommen ist. Als sie Leia darüber informiert, bestätigt diese ihre uns Lesern noch nicht offenbarten Befehle noch einmal. In nächstes Heft dürfte es also entsprechend rund gehen.

Die Umsetzung

Der tiefere Sinn hinter der Idee, Luke, Han und Valance in Klontruppen-Rüstungen zu stecken, wird mir vermutlich für immer verborgen bleiben. Mehr als ein zusammenhangsloser Fan-Service will mir einfach nicht dazu einfallen. Das wäre noch okay gewesen, wenn die übrige Geschichte nicht wieder so arg konstruiert und zerrissen wirken würde. Einzig die Fortsetzung der Diskussion zwischen Leia und Mon über ihre Vorstellungen, wie sich die Neue Republik entwickeln und wofür sie stehen sollte, im Kontrast zur harten Realität und den Entscheidungen, die diese manchmal erzwingt, hat einen gewissen Wert für mich. Eine von der Idee her ähnlich angelegte Selbst-Reflektion von Han kommt hingegen viel zu kurz und auch Lukes Gedankenspiel über das Verhalten von Obi-Wan und Anakin im Kampf wirkt sehr bemüht und bleibt ohne Nachhall.

Dass die Droiden diesmal sehr viel redseliger sind, wirkt etwas komisch und soll dies auch sein, denn so kann Segura den ein oder anderen komischen Spruch einfließen lassen. Ansonsten muss man feststellen, dass es – bei aller Rücksicht auf die dynamischen Entwicklungen in einem Kampfgeschehen – in den chronologischen Abläufen und logischen Zusammenhängen doch wieder arg hackelt. So fallen z.B. Luke, der spurlos verschwundene Valance und die anderen bei Hans Befreiung scheinbar fast wie vom Himmel, was doch sehr merkwürdig wirkt.

Ich bin zwar immer sehr dafür, dass man den Autoren viel Freiheit in der Entwicklung ihrer Geschichten lässt und sie nicht dafür kritisiert, dass sie nicht die Geschichte erzählen, die man sich als Leser selber gewünscht hätte, aber es wär gut, wenn Autoren wie Segura mal wieder ein paar Gänge zurückschalten würden, da ich fürchte, dass solche Comic-Reihen, die alles irgendwie wild verwursten, sehr schnell die verbliebene Fan-Basis entfremden werden. Aber wer weiß, vielleicht war es ja auch die Redaktion, die in ihrer Verzweiflung Star Wars wieder zu einem Erfolg zu führen, den Autoren gebeten hat, alles in die Waagschale zu werfen, was er irgendwie einbauen konnte. So sicher bin ich mir da derzeit nicht.

Die grafische Umsetzung ist in diesem Heft wieder auf dem gewohnten Niveau, zu verrutschten Gesichtsmasken kommt es diesmal glücklicherweise nicht mehr. Noto hat die Panels in seiner üblichen Manier sehr fokussiert und aufgeräumt angelegt; ihre Komposition ist eher konservativ, aber zweckmäßig. Die Spiegelung einer Kampfszene aus der wirklichen Welt mit den Vorstellungen von Luke, wie Anakin in so einer Kampfszene vorgehen würde, ist okay, aber nicht wirklich umwerfend. Die Umsetzung der drei als Klonsoldaten ist sehr gut gelungen. Ich kann mir gut vorstellen, dass dies einige Fans sehr erfreut hat. Den Auftritt von Han und Luke im Sturmtruppen-Dress fanden die Fans ja schon immer toll. (Und ich sehe die Hot Toys Figuren der drei im Clon Trooper Outfit schon förmlich vor mir.)

Die unterschiedlichen Cover zu diesem Heft finde ich durchweg gelungen. Besonders das von Luke Ross, bei dem sich die Droiden im Helmvisir spiegeln hat mir sehr gut gefallen.

Insgesamt eine solide Arbeit, an der es diesmal nichts auszusetzen gibt.

Fazit

Das Heft hinterlässt ein gemischtes Gefühl. Die vordergründige Geschichte ist eher schwach und zerrissen, aber die innere Auseinandersetzung von Leia mit dem, wie die Neue Republik auf eine Bedrohungslage reagieren sollte, ist ganz interessant und erklärt gut die politische Situation der Neuen Republik, wie wir sie aus chronologisch später spielenden Werken kennen. Im Hinblick darauf, aber auch nur darauf, gebe ich mal eine sehr bedingte Leseempfehlung.


Mit Star Wars #7 geht es erst am 12. November weiter. In der nächsten Woche geht es dann zurück in die Zeit vor Episode VII, als Han und Chewie in Han Solo: Hunt for the Falcon #2 die Suche nach dem Millennium Falken aufnahmen.

Wir bedanken uns bei Marvel für die Bereitstellung der digitalen Vorab-Exemplare, ohne die unser Marvel-Mittwoch nicht möglich wäre.

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