Rezension: The Art of Star Wars: The High Republic Volume II von Kristin Baver

„No one’s ever really gone.“ – Das gilt auch für The High Republic. Zwar sind die letzten Comics des Literaturprojekts im Juli erschienen und alle, die auf Englisch lesen, wissen, wie die Geschichte für Avar, Elzar, Bell, Burry, Keeve, Vern, Marchion, Lourna und vielen weiteren Figuren ausgeht. Aber das heißt nicht, dass wir im Spätsommer keine The High Republic-Lektüre bekommen. Kristin Baver nimmt uns in The Art of Star Wars: The High Republic Volume II mit auf eine Reise in die Entstehungszeit der Phasen II und III des Projekts.

Der zweite Band ist ganz ähnlich aufgebaut wie der erste, den ich 2022 für euch rezensiert habe. (Wow, fast drei Jahre ist das nun auch schon wieder her!) Allerdings enthält Band 2 nun Artworks und Hintergrundinfos zu zwei Phasen, während Band 1 sich auf eine Phase konzentrierte. Das passt allerdings gut, da natürlich für Phase I bzw. die Planung des Gesamtprojekts eine große Menge an Konzeptarbeit nötig war. Dagegen ist Phase II etwas kompakter und in Phase III starten wir ja nicht bei Null, sondern kennen viele Figuren, Orte und Konzepte schon aus Phase I. Insofern ist es sinnvoll, die Phasen Quest of the Jedi und Trials of the Jedi in einem Artbook zu kombinieren.

Aufbau des Bandes

Das Buch gliedert sich in elf Kapitel auf, wovon acht sich Phase II widmen, zwei Phase III und eines am Ende nochmals einen gesamten Rückblick auf die Werke der Phase II und III wirft. Außer der Autorin Kristin Baver haben auch noch Rebecca Henderson, die Darstellerin von Vernestra Rwoh in The Acolyte, und Konzeptzeichner Ian McCaig, der auch schon für die Prequels zeichnete, jeweils ein Vorwort sowie Lucasfilm Creative Director Michael Siglain ein Nachwort beigetragen. Besonders Letzteres hat mich sehr berührt, da in diesem kurzen Text nochmals sehr deutlich wird, wie viel Herzblut und Lebenszeit dieser Mann aufgewendet hat, damit das Projekt The High Republic das Licht der Welt erblicken konnte. Ich glaube, ich habe ihm, als ich kurz mit ihm auf der Celebration in London sprechen konnte, gar nicht genügend gedankt. Was für eine unglaubliche Leistung und was für ein langer Atem!

Faszination Kostüme

Nun aber zum eigentlich wichtigsten Verkaufsargument dieses Buchs: den Konzeptzeichnungen. Auch Band 2 liefert hier natürlich in Hülle und Fülle ab. Vor allem die zahlreichen Figuren, die für Phase II neu geschaffen bzw. verjüngt wurden, nehmen hier jede Menge Raum ein und wir bekommen interessante Einblicke in die Gedankengänge bei der Konzeption dieser Figuren. Besonders fasziniert hat mich dabei dieses Mal, wie viel Hirnschmalz in die Kostüme der Figuren geflossen ist – fast so, als würde man echte Kostüme für einen Film designen. So hatte beispielsweise der koreanische Hintergrund der Autorin Lydia Kang einen großen Einfluss auf die Outfits, die Axel Greylark und seine Mutter, Kanzlerin Kyong Greylark, tragen, welche von koreanischer Mode beeinflusst sind. Bei den Mitgliedern des Paths of the Open Hand war es den Kreativen sehr wichtig, dass deren Kleidung keine Assoziationen zu real existierenden religiösen Gruppen hervorruft, um keine Gefühle zu verletzen. Und für die Rüstungen, die die Jedi für ihre Mission auf Planet X tragen, gibt es schier unendliche Varianten: von einer klassischen Kreuzritter-Rüstung, über ein mongolisch angehauchtes Outfit bis hin zu einem übertrieben martialischen Mech-Suit ist alles mit dabei. (Der Macht sei Dank, dass sich letztere Variante, die ihr unten auch auf einem Vorschaubild seht, nicht durchgesetzt hat!) Das Betrachten dieser verschiedenen Konzepte hat mir besonders Spaß gemacht.

Der namenlose Schrecken

Besonders hervorzuheben ist auch die Konzeption der Namenlosen, die in diesem Artbook ein eigenes Kapitel erhalten haben. Dabei ist es besonders interessant, zu erfahren, dass zu Beginn noch sehr offen war, wie diese Wesen aussehen könnten: humanoid oder ganz fremdartig? Trägt ein Nameless überhaupt Kleidung? Insektenartig oder wie ein Dinosaurier? Vielleicht sogar basierend auf verworfenen Konzeptzeichnungen Ralph McQuarries für die Originaltrilogie? All diese verschiedensten Vorschläge dürfen wir als Leser:innen ausführlich betrachten und die Gründe der Entscheidung für oder gegen bestimmte Konzepte erfahren. Ebenso interessant ist es, verschiedene Nameless-Entwürfe in unterschiedlichen Stadien zu sehen. Wichtig war ja bei der Entwicklung dieser Wesen von Anfang an, dass sie visuell sowohl als friedliches, nobel aussehendes Wesen als auch als entstellte Horror-Version funktionieren. Beim Lesen des Artbooks bekommt man einen ersten Eindruck davon, wie aufwändig gerade die Entwicklung der Nameless als eines der zentralen Elemente von The High Republic war.

Angst vor Spoilern?

Da dieses Buch recht kurz nach dem großen Finale des Projekts erscheint, leidet es leider aber auch unter einem Manko, das von Sachbüchern zu Filmen bekannt sein dürfte: Informationen zum Ende der Geschichte fehlen – vermutlich weil man vermeiden wollte, dass der Ausgang des Projekts zu früh ans Licht kommt? Ich persönlich hatte ja meine Probleme mit Teilen des Endes von Trials of the Jedi, wie ihr in meiner Rezension nachlesen könnt. Daher hätte ich mir von diesem Artbook noch mehr Informationen zu bestimmten Elementen auf Planet X gewünscht und vor allem darüber, wann, wie und warum sich genau dieses Ende erdacht wurde. Schade, dass diese Informationen hier fehlen. Da hätte ich lieber noch ein paar Monate länger auf das Buch gewartet, um dann ein vollständiges Bild zu bekommen.

Ehrliche Einblicke

Bei den Rückblicken auf eine für alle Beteiligten sicher intensive Zeit hatte ich aber nie den Eindruck, dass hier mit der rosaroten Brille auf die Entwicklung des Projekts zurückgeblickt oder Schönfärberei betrieben wird. Einige Aussagen sind erfrischend ehrlich. So berichtet beispielsweise Lydia Kang, dass sie vergessen hatte, das Gewitter in die Schlacht von Dalna einzubauen, das wiederum Cavan Scott für seine parallel spielende Handlung benötigte. Sie musste dann die ganze Schlacht neu schreiben, weil das Wetter die Stimmung und das Verhalten der Figuren komplett verändert. Auch die Tatsache, dass durch die Corona-Pandemie und die fehlende Möglichkeit persönlicher Treffen besonders die Zusammenarbeit an Phase II erschwert wurde, wird thematisiert. Mehrere Autor:innen sprechen auch offen aus, wie sehr die hohe Schlagzahl des Projekts an ihnen gezehrt hat. Einige von ihnen spielten mit dem Gedanken, eine Pause einzulegen, spürten aber gleichzeitig immer wieder den Drang, bestimmte Geschichten (zu Ende) zu erzählen. Ich finde es schön, dass wir nicht nur von den perfekten Geschichten hinter den Kulissen erfahren, sondern auch von den Herausforderungen und Problemen, mit denen die Kreativen zu kämpfen hatten. Oder wie Michael Siglain es so schön in seinem Nachwort ausdrückt:

Now, with the conclusion, people will no doubt wonder if we were successful or if we would have done things differently. The answer is yes on both counts. But that’s not what matters. What matters is that we tried something new.

Dem kann ich nur vollumfänglich zustimmen.

The Art of The High Republic Volume II Vorschau 7
The Art of The High Republic Volume II Vorschau 7

Fazit

Natürlich ist dieses Artbook, wie auch schon sein Vorgänger, ein Muss für alle Fans von The High Republic. Es liefert einen umfangreichen (wenn auch nicht ganz kompletten) Rückblick auf die Phasen II und III, mit vielen faszinierenden Informationen zur Entwicklung diverser Figuren und Konzepte und erfrischend ehrlichen Statements der Beteiligten. Wenn ihr The High Republic liebt, gönnt euch mit diesem Buch einen nostalgischen Blick zurück!

Bewertung: 5 von 5 Holocrons
Bewertung: 5 von 5 Holocrons
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Star Wars: Die Hohe Republik ist ein mehrjähriges Buch- und Comicprogramm, das hunderte Jahre vor den Skywalker-Filmen spielt und die Jedi in ihrer Blütezeit zeigt. Weitere Infos, News, Podcasts und Rezensionen gibt es in unserem Portal und in der Datenbank. Beachtet auch unsere Guides zur Lesereihenfolge von Phase I, Phase II und Phase III.

4 Kommentare

  1. Ist bei mir auch auf der Wunschliste und deine Rezension baut natürlich noch mehr Vorfreude auf! Phase II wirkte zwar storytechnisch teilweise nicht ganz auf der Höhe, aber was Designs und Worldbuilding angeht, hat sie mir fast schon am besten gefallen, von daher bin ich sehr gespannt auf die Kapitel dazu. Oh, und ich bin auch sehr froh, dass sich die Mech-Rüstung nicht durchgesetzt hat. Ich persönlich fand schon das Trials-Cover etwas zu … wild, um es mal so zu sagen.

  2. Fand schon den ersten Teil richtig gut und deine Rezension hat meine Vorfreude auf Band 2 noch weiter verstärkt (Bestellung ist aktuell noch unterwegs). Besonders interessant klingen die Einblicke der Mitwirkenden, aber auch auf die Darstellung der altersbedingten Transformationen zwischen Phase I und II freue ich mich riesig.

  3. Die Lieferung ist mittlerweile auch eingetroffen und ich hab das Buch direkt innerhalb weniger Tage verschlungen. Es ist für mich die perfekte Ergänzung zu den bisher erschienenen Werken der High Republic, da es jede Menge Hintergründe zur Entstehung des Projekts enthält und gerade den Übergang von Phase I zu II deutlich macht. Wie von Ines erläutert, ist Phase III leider etwas kürzer abgehandelt, aber auch diese Entwürfe und Erklärungen bilden für mich einen absoluten Mehrwert.
    Jedem, der ein bisschen tiefer in die High Republic eintauchen möchte, kann ich dieses Buch nur wärmstens ans Herz legen.

  4. Heute konnte ich auch mein Exemplar aus der Packstation abholen und kann nur nochmal betonen: Mal abgesehen von den tollen Charakteren und den in weiten Teilen spannenden und frischen Storys ist der Artstyle von THR wirklich mit das größte Pfund des Projekts. Zumindest meinen Geschmack trifft er komplett und ich kann mich gar nicht genug sattsehen. Problem an der Sache ist nur, dass ich jetzt Blut geleckt habe, was Artbooks angeht …

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