Rezension: Star Wars #120: Darth Vader: Phantome, Teil 3

Anakin Skywalker ist tot.

Darth Vader

Mit dem am morgigen 22. Juli erschienenen 120. Heft der monatlichen Star Wars-Comicserie beendet Panini die dritte fortlaufende Darth Vader-Reihe des Kanons. Greg Paks Strecke mit den Erlebnissen des Dunklen Lords zwischen Episode V und VI nimmt dabei in mehrerer Hinsicht eine Sonderstellung ein, allen voran durch ihre beeindruckende Länge über 50 US-Ausgaben in beinahe fünf Jahren. Für das Finale dieses Mammutprojekts wählte Marvel ein besonders üppiges Format über ebenfalls 50 Comicseiten – mehr als doppelt so lang wie eine reguläre US-Einzelausgabe von 20 Seiten. Damit nimmt Darth Vader #50 auch das gesamte Heft #120 für sich ein und schmückt durch das reguläre US-Cover von Leinil Francis Yu die Kiosk-Ausgabe mit den wichtigsten Hauptfiguren der endenden Serie: Vader selbst, der Imperator, Schisma-Anführerin Sly Moore, Ex-Zofe Sabé, Jedi-Nachwuchs Luke Skywalker, Jedi-Jäger Ochi von Bestoon und Droide ZED-6-7. Statt wie üblich das Cover einer – in diesem Fall nicht vorhandenen – zweiten enthaltenen US-Ausgabe für die Comicshop-Variante zu nehmen, hat sich Panini für eines der sieben Variantcover aus den Staaten entschieden. Derrick Chews Motiv nimmt Bezug auf Gedankenspiele innerhalb der Handlung und zeigt Leia als mit Vader verbündete Imperatorin Organa in einer imperialen Rüstung.

Das große Finale der am längsten laufenden Darth-Vader-Reihe aller Zeiten! Mit 50(!) Comicseiten beschließt das gefeierte Kreativteam um Greg Pak und Raffaele Ienco die aktuelle Serie um den berühmten Sith-Lord. Vader entfesselt endlich die unergründliche Macht, die er durch das Imperiale Schisma angesammelt hat – gegen die einzige Person in der Galaxis, die er mehr hasst als sich selbst: Imperator Palpatine …

Das große Darth-Vader-Finale!

Warum liest man Star Wars-Comics? Aus den gleichen Gründen, aus denen man sich generell mit Geschichten aus der Galaxis abseits der Film-Saga beschäftigt. Man verlangt nach mehr aus den fiktiven Welten. Mehr Abenteuer. Tiefergehende Hintergründe. Das Füllen von Lücken zwischen Geschichten und Entwicklungen vor, zwischen und nach den Filmen. Dazu zählen auch unwahrscheinliche Treffen von Figuren, die zwar in derselben Filmreihe auftreten, die Leinwand aber nie in den einzelnen Werken oder gar Szenen miteinander teilen und die man jenseits der erweiternden Literatur so nie bekommen hätte. Warum also um alles in der Welt verschwendet Greg Pak dann hier das schier unendliche Potenzial, das ein Aufeinandertreffen Sabés mit Luke Skywalker und Prinzessin Leia allein schon von der Idee gehabt hätten, so dermaßen?

Eine Antwort sucht man in der Analyse des (endlich!) vorliegenden Finales sowie in den 49 Ausgaben zuvor leider vergeblich. Rekordverdächtig ist bei Darth Vader (2020) nämlich nicht nur die beeindruckende Anzahl der Hefte, die man mit fehlendem Inhalt zu füllen wusste, sondern auch unsere Bemühungen als Rezensenten, die immer gleiche anfallende Kritik immer neu zu formulieren. Mit Kritik und haufenweise Fragen, warum die Auflösung des ermüdenden Marathons zwischen Episode V und VI – der immerhin die chronologisch letzte größere Lücke in Anakin Skywalkers Leben vor der Schlacht von Endor füllt! – aus einem simplen „Ja, jetzt hab ich dich aber mal geprüft!“ des Imperators besteht, muss man diese Reihe konfrontieren.

Vor allem, weil es Pak im extralangen und in vier nach Figuren unterteilte Kapitel gegliederten Finale tatsächlich gelingt, Größe aufzubauen. Was hier passiert, wirkt wirklich wichtig, auch wenn sich natürlich der Vergleich mit der Epik vergangener Vader-Enden von Kieron Gillen und Charles Soule verbietet. Ja, die Reihe landet und platziert die Figuren aus Episode VI wieder dort, wo man sie charakterlich und in ihren Beziehungen für die Filme braucht. Währenddessen wird für Figuren wie Sabé und die Ex-Sklavenkinder von Tatooine, deren weiteres Schicksal vor der Reihe ungewiss war, zufriedenstellende Punkte gefunden, an denen die Reihe sie verlässt. Für diese einzelnen Kapitel, die trotz Schauplatzwechseln auf elegante Weise nahtlos ineinander übergehen, wurden wechselnde Teams für die Zeichnungen und Farben gewählt, sodass mehrere Zeichner, die an der Reihe beteiligt waren – nach Raffaele Ienco sind das Paul Fry, Luke Ross und Adam Gorham – noch einmal zum Zug kommen und gemeinsam ihren Abschied von Darth Vader und Paks Run feiern. Vor allem das dritte Kapitel „Es gibt noch einen“, in dem es um Sabé und Leia geht, glänzt der talentierte Luke Ross mit seinen Zeichnungen und der Farbunterstützung von Alex Sinclair sehr. Hier liegt zweifelsfrei das optische Highlight des Hefts, auch wenn erzählerisch die Begegnung von Leia mit der Ex-Zofe ihrer verstorbenen biologischen Mutter – die schließlich genau wie sie aussieht! – wie oben erwähnt, leider nur rein oberflächlich ausgeschöpft wird.

Die übrigen Kapitel gliedern sich so ein, wie schon die Arbeiten der einzelnen Zeichner an der Serie bewertet wurden. Vor allem die Stile von Fry und Gorham gefallen mir in ihrer Schlichtheit nicht, auch wenn es letzterem zumindest gelingt, den Dunklen Lord auf der finalen Seite des Hefts (und damit auch der Serie) wirkungsvoll einzufangen. Allein mit der Darstellung von Vaders bedrohlicher Aura kann ein Werk stehen und fallen. Mit der Zeit wurden dem Sith aber nur immer mehr bekloppte Konzepte und abgedrehte Waffen in die Hand gegeben, die Ienco als Hauptzeichner mit seinem Stil nicht ausgleichen konnte, im Gegenteil. So auch im großen Finalkampf des Sith-Lords, für den er sich auf ungewöhnliche Weise dopt und dem Projekt ein letztes Mal Paks unverwechselbaren „Ideenreichtum“ spendieren muss.

Fazit

Am Ende bleibt die letzte Frage: Wozu? Wozu hat man sich durch 50 Ausgaben Greg-Pak-Vader gekämpft? Die erzählerische Auflösung davon ist leider eine allzu plumpe Antwort, die trotz aller abgedrehter Ideen den Titelcharakter wieder genau da haben muss, wo er am Anfang von Episode VI steht, als wäre gar nichts davon passiert. Auf der Meta-Ebene lässt sich sagen, dass wenn man Vader in Superhelden-ähnlichen und überzogenen Action-Szenarien voller seltsamer Dialoge sehen will, in denen Sternzerstörer auseinandergerissen, immer neue und gewaltigere Monster bekämpft sowie ganze Stadtviertel Coruscants in die Luft gejagt werden, dann hatte man mit der längsten Darth Vader-Comicreihe, die es gibt, sicherlich eine Menge kurzweiligen Spaß. Wer sich aber mit tiefergehenden, mit dem Kanon kohärenten und atmosphärischen Analysen des ikonischen Bösewichts beschäftigen möchte, wird wie ich nach den beiden 25-teiligen Vorgängerserien von den letzten fünf Jahren Darth-Vader-Geschichten mehr als enttäuscht sein.

Wir danken Panini für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!


Am 19. August eröffnet Star Wars #121 die brandneue Serie Legacy of Vader – auf die ich dank unseres Marvel-Mittwochs bereits einen vielversprechenden Blick werfen durfte – während Ahsoka nach der kurzen Pause mit Kapitel vier fortgesetzt wird. Der zehnte und letzte Sammelband der beendeten Darth Vader-Reihe erscheint hingegen im November und kann bei Amazon¹ und Thalia¹ vorbestellt werden.

Ein Kommentar

  1. Das klingt leider wirklich sehr frustrierend und mich selbst graut es jetzt schon davor mich dieser letzten Wissenslücke zu stellen. Gerade von den Marvel Comics zwischen Episode III und IV war ich sehr angetan und das gleiche kann ich zu den Comics zwischen Episode IV und V sagen. Z.B. finde ich Dr. Aphra einen sehr liebenswerten und gleichzeitig abstoßenden Charakter. Doch wenn ich sehe was da noch auf mich zu kommt, dann weiß ich genau, dass das zehrende Tage werden mich durch diese Comics zu arbeiten. Danke trotzdem für eure Rezensionen die sicherlich auch nicht immer einfach waren zu schreiben, da man sich jeden Mal ja wieder mit dem „spannenden“ Comic beschäftigen muss… sicherlich mehr als einem lieb ist.

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