Marvel-Mittwoch: Thrawn: Alliances #1

An diesem Mittwoch startet die Adaption des Romans Thrawn: Allianzen aus der Feder von Timothy Zahn. Doch was taugt der Auftakt der Comic-Adaption? Lest es jetzt hier in unserer Rezension. Wir wünschen viel Spaß beim Lesen!

Achtung: Wie immer besprechen wir im Marvel-Mittwoch die Handlung der Comics, sodass sowohl der Beitrag als auch die Kommentare Spoiler enthalten können.

Thrawn: Alliances #1

Thrawn: Alliances #1 (24.01.2024)
Thrawn: Alliances #1 (24.01.2024)

Sechs Jahre ist es bereits her, dass Marvel sich entschloss, dem beliebten blauhäutigen Großadmiral eine eigene Miniserie zu spendieren, in der Jody Houser den ersten Kanonroman von Thrawns Schöpfer Timothy Zahn in einer sechsteiligen Miniserie adaptierte. Durch den neuen Popularitätsschub um seine kürzlich erfolgte Rückkehr und erstmalige Live-Action-Darstellung in der Serie Ahsoka hat man sich im Haus der Ideen dazu entschieden, dem Folgeroman Thrawn: Allianzen ebenso eine visuelle Adaption zu spendieren, erneut mit Houser an Bord, mit Unterstützung von Zahn höchstpersönlich. Der Umfang ist diesmal mit nur vier Ausgaben etwas geringer ausgefallen, doch das heute erschienene erste Heft hat mit insgesamt 40 Seiten eine höhere Seitenzahl, als die regulären Hefte.

Die Meinungen zur Qualität des zugrunde liegenden Romans schwanken stark. Einige sehen in ihm ein gelungenes Team-Up zwischen Großadmiral Thrawn und Darth Vader auf zwei Zeitebenen, wozu auch ich mich eindeutig zähle. Viele finden aber auch, dass der Roman zu den schwächsten Werken Zahns zählt und den Tiefpunkt der inzwischen sechsteiligen kanonischen Thrawn-Reihe bildet. Unsere Rezensionen von Ines und Julian bilden jeweils einen von beiden Standpunkten wunderbar ab. Mein eigener größter Kritikpunkt am Roman war damals, dass sich Konstellationen in Ort und Handlung bei der Gegenüberstellung der beiden Zeitebenen zu sehr wiederholten und die beiden „halben“ Geschichten jeweils voneinander ausgebremst wurden. Am meisten gespannt konnte man aber darauf sein, wie der Roman vor allem Schiffe und Spezies aus der nur geschriebenen Ebene in eine visuelle übertragen sollte.

Die Handlung sei hier aufgrund der bereits jahrelang existierenden Geschichte nur kurz angerissen. Thrawn und Vader werden vom Imperator damit beauftragt, einer Erschütterung der Macht, die eine neue Bedrohung für das Imperium ankündigt, in Disneyland auf dem Planeten Batuu am Rand der Unbekannten Regionen nachzugehen. Dabei gibt es immer wieder Flashbacks zur ersten Begegnung der beiden Protagonisten gegen Ende der Klonkriege, die sie ebenfalls auf jenen Planeten geführt hat. Vor allem die Interaktionen und Beziehungen Thrawns zu Anakin im Gegensatz zu der zu seinem späteren Ich Vader steht im Roman dabei im Vordergrund und scheint auch in der Comic-Adaption bisher nicht zu kurz zu kommen. Allgemein ist sehr bemerkenswert, wie sehr es Houser und Zahn schaffen, trotz der knapperen Platz- und Zeitressourcen des Mediums im Vergleich zum Roman, eine nicht gehetzte Geschichte zu erzählen und dabei nie das Gefühl aufkommen lassen, dass viel ausgelassen werden muss. Der Erzählfluss stimmt, die Panelauf- und Dialogverteilungen sind genau richtig gewählt und so entsteht nicht nur ein gelungener Auftakt, sondern auch ein überdurchschnittliches Comicheft in puncto Erzähltempo. So überzeugt das erste Heft auch mehr im direkten Vergleich zur Vorgängerserie von 2018, allerdings kommt Alliances trotz weniger Heften zugute, dass es eine stringente, runde Geschichte über einen kürzeren Zeitraum erzählt und nicht den Anspruch hat, wie beim Erstling biografische Eckdaten über mehr als ein Jahrzehnt verteilt wiederzugeben und dabei viel einkürzen zu müssen.

Das einzige Element, das mir bisher stark verkürzt vorkommt und im Roman noch deutlich mehr an Hintergrundinformationen erklärt wurde, ist Vaders First Legion. Wenn sie erwähnt wird oder auftaucht, merkt man ausnahmsweise, dass man es mit einer zwangsläufig gekürzten Adaption einer Originalgeschichte und nicht einer eigens für Comics erschaffenen Handlung zu tun hat. Das fällt aber kaum ins Gewicht und wird durch die runde Gestaltung der Geschichte wieder wett gemacht. Selbst wenn die Lektüre des Romans Jahre her sein sollte oder der Comic sogar euren ersten Kontakt mit der Geschichte bildet, kann man der Handlung immer folgen und sie auch ohne Kenntnis des Romans genießen. Der Wechsel zwischen den Zeitebenen funktioniert sogar besser, als in der Vorlage, woran auch optische Nuancen in den Zeichnungen und Farben einen großen Beitrag leisten.

Auch die Zeichnungen sind absolut erhaben und sehen wunderschön aus. Das aus Pat Olliffe und Andrea Di Vito bestehende Zeichnerduo macht gemeinsam mit Rachelle Rosenberg an den Farben einen wirklich guten Job und erweckt die wiedergegebene Handlung auf sehr hohem Niveau zum Leben. Selbst bei recht starren Settings wie den längeren Gesprächen zwischen Thrawn und Vader auf der Brücke der Schimäre, wissen sie durch geschickte Perspektivwechsel und Kompositionen die richtige Dynamik auf die Seiten zu bringen, wovon man schon auf den Vorschauseiten einen guten Eindruck bekommt. Auch wenn es jammern auf hohem Niveau ist, stören mich als detailverliebten Fan, besonders bei chronologischen Abfolgen im Kanon, zwei kleine Dinge bei den Zeichnungen dennoch sehr; die Schimäre wird leider gleich ab dem ersten Panel des Hefts fälschlicherweise durchgehend als Imperium-Klasse-II-Sternzerstörer gezeigt, wie sie es zu Legends-Zeiten war. Luke Ross‘ zeichnete sie in Housers erster Thrawn-Adaption noch korrekt als Klasse-I. Ironisch, wie ich beim ersten Live-Action-Auftritt des Schiffs in Ahsoka Teil VI: „Weit, weit entfernt“ zunächst vom gleichen Fehler ausging, bevor mir fündige Augen auf Reddit und X aufzeigen konnten, dass mit der Darstellung dort alles seine Richtigkeit hat. Jetzt im Comic ist der Fehler aber wirklich da, insofern war mein erster Eindruck bei der Serienfolge wohl eine manifestierende Prophezeiung. 😉

Über den zweiten Punkt, der mich stört, lässt sich etwas mehr diskutieren und war ebenfalls schon in der Vorschau zu sehen; Anakins Outfit. Allianzen spielt nämlich gegen Ende der Klonkriege nach Ahsokas Abschied vom Jedi-Orden am Ende von The Clone Wars Staffel 5, auf den im Buch direkt Bezug genommen wird. Zu dieser Zeit trägt Anakin in sämtlichen Serienauftritten sein Outfit ab Staffel 3, während er hier im Comic dem Look von Staffel 1 und 2 entspricht. Natürlich kann man sagen, dass er es für die Reise an die Unbekannten Regionen einfach wieder aus seinem Schrank geholt hat, für mich entsteht hier aber ein kleiner Bruch mit der chronologischen Kontinuität. Was man dem Zeichnerteam dennoch absolut zugute halten muss, ist, dass sowohl Thrawns als auch Anakins und sogar Padmés Aussehen direkt diversen Sondereditionen des Romans zierenden Bildern entnommen ist. Wie man oben erkennt, war Anakins Aussehen aber bereits auf der SDCC Exclusive Edition nach den früheren The Clone Wars-Auftritten modelliert, insofern entstand der Fehler schon hier und wurde aus Rücksicht auf die bereits existierende Optik des Romans vermutlich unbewusst übernommen.

Definitiv lobend hervorheben möchte ich aber noch die Gesichter bekannter Figuren. Egal, ob die von Anakin und Padmé oder die ikonische Optik von Darth Vader und dem Imperator; bekannte Elemente sind in Aussehen und Proportionen sehr gut getroffen und treffen genau den richtigen Punkt zwischen Eigenständigkeit als Comicfigur und den vertrauten Charakteren, wie sie durch die bekannten Schauspieler*innen samt ihrer Mimik zum Leben erweckt wurden. Bei vielen Comics, insbesondere aus der Ära der klassischen Trilogie, erlebt man das auch immer wieder anders. Nur auf die Titelfigur selbst trifft es absolut nicht zu, was vermutlich mit der Aktualität der Ahsoka-Serie zusammenhängt. Auf keinem bekannten Cover der Reihe und schon gar nicht im Heft selbst hat der Chiss auch nur entfernteste Ähnlichkeiten mit seinem Schauspieler Lars Mikkelsen. Die gewählte Darstellung von Olliffe und Di Vito nimmt vielmehr das animierte Rebels-Modell zum Vorbild und vermischt es mit älteren bildlichen Darstellungen des Großadmirals, vor allem jene der Romancover und die Darstellung durch Luke Ross in der ersten Miniserie. Ich für meinen Teil begrüße das jedoch, da Mikkelsen Thrawn in der Kürze der Zeit zumindest äußerlich noch nicht ähnlich ikonisch prägen konnte, wie einst Hayden Christensen und Natalie Portman ihre Figuren.

Fazit

Insgesamt weiß der Start der vierteiligen Miniserie auf voller Linie zu überzeugen. Eine Adaption, die als Referenz in diesem Bereich gelten kann und durch die fabelhafte Optik und spannende neue Designs, die man bisher nur in Wortform kannte, genug Mehrwert bietet. Kleinere Kontinuitätsfehler in der Darstellung stören mich zwar hin und wieder, gleichzeitig kann man aber gut darüber hinwegsehen und den Roman, den ich persönlich schon besser fand als viele andere, auf eine werkgetreue, aber trotzdem frische Art erleben. Wenn es auf dem Niveau weitergeht und die Hefte nicht bei knapperer Seitenzahl stark nachlassen, handelt es sich hier definitiv jetzt schon um ein Comichighlight im noch jungen Jahr 2024.


Mit dem zweiten Heft geht es am 28. Februar weiter. In der nächsten Woche erwartet uns dann das große Finale der Doctor Aphra-Reihe!

Wir bedanken uns bei Marvel für die Bereitstellung der digitalen Vorab-Exemplare, ohne die unser Marvel-Mittwoch nicht möglich wäre.

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