Alles, was mich großartig gemacht hat, tat ich alleine.
Darth Vader
Letzte Woche ging in Star Wars #123 bei Panini Die Herrschaft Kylo Rens mit der Selbstfindung Ben Solos zwischen Episode VIII und IX weiter. Dabei suchte auf Tatooine der Oberste Anführer Antworten auf seine Fragen über Vaders Geschichte, geriet aber in die Fänge von Gardulla, der Huttin. Nun wird sich zeigen, ob der Skywalker-Erbe eine ebenso große Schwäche gegen Sand hat, wie sein Großvater, oder ob er aus dem Schatten Vaders hervortritt, der sich auf dem Kiosk-Cover von Derrick Chew erhebt. Viele Jahre früher erreichen die Ahsoka-Schurken mit Sabine Wren endlich Peridea und treffen auf den verschollenen Großadmiral Thrawn, der neben der Titelheldin auf Taurin Clarkes Cover der Comicshop-Ausgabe zu sehen ist.


Kylo Ren setzt seine Suche nach den Spuren Darth Vaders fort – ebenso wie seine verzweifelten Versuche, die eigene Vergangenheit zu vernichten. Doch zunächst findet sich der junge Tyrann als Gefangener in Ketten auf der Heimatwelt seines Großvaters Tatooine wieder … UND: „Weit, weit entfernt“ – die sechste Episode der Ahsoka-Comic-Adaption von Rodney Barnes und Top-Zeichner Georges Jeanty.
Die erste Station auf Ben Solos Rundfahrt in der Galaxis findet in Die Herrschaft Kylo Rens, Teil 3 ihren Abschluss. Zuvor muss der junge Skywalker-Erbe aber noch die Probleme überwinden, die für ihn auf Vaders Heimatwelt Tatooine entstanden sind. Autor Charles Soule gestaltet diese Ereignisse auf eine Weise, wie man eine Reaktion von Kylo Ren und der Stärke der Ersten Ordnung auch erwarten würde. Dadurch geraten Handlung und Dialoge zum ersten Mal für die überdurchschnittliche Comicreihe etwas in den Hintergrund, sodass das dritte Kapitel das bisher actionreichste bildet. Zeichner Luke Ross nutzt das, um in mehreren bildgewaltigen Momenten mit tollen und epischen Zeichnungen zu glänzen.
Trotz aller Actionszenen darf dabei eine kleine, leider etwas platte und schnelle Erkenntnis für Kylos Entwicklung, die in der Serie erzählt werden soll, in diesem Heft nicht fehlen. Statt Visionen von seinem Großvater, waren es aber vor allem in #122 doch die gut eingefangenen Gespräche mit Vaneé, mit denen das letzte Kapitel glänzen konnte. Diese fehlen nun beim Ausflug des einstigen Jedi-Schülers bei Gardulla und seiner einsamen Wanderung durch die Wüste trotz der einwandfreien optischen Darstellung völlig. Das Ende verspricht zum Glück für das folgende Heft wieder mehr Dynamik zwischen den beiden ungleichen Figuren, die ihre Verbindung zu Darth Vader unweigerlich vereint. Außerdem bleibt für meinen Geschmack am Schluss das Schicksal von Gardulla zu ungewiss, womit man sich zwar einen möglichen Auftritt in der Zukunft offenlässt, die Fans aber auch zu sehr im Unklaren verbleiben. Hier wäre mehr Klarheit schön gewesen, so wie Soule sie einst beim Ende der Hutten im Krieg der Kopfgeldjäger gab.
Leider fällt trotz der begrenzteren Wortanzahl an einigen Punkten wie schon im Auftakt der Reihe die Übersetzung von Matthias Wieland auf. Manch von ihm gewählte Übersetzung – zum Beispiel Gardullas wiederholter Ausruf „obey“ als simples „gehorche“ anstatt zum Beispiel „füge dich“, oder „magnificent“ im Eingangs-Zitat als „großartig“ – schwächt die von Soule angemachte Epik unfreiwillig ab, wie wenn man ein beliebiges englischsprachiges Lieblingslied ins Deutsche übersetzt. Damit geht einiges an Lyrik verloren und so hätten der Übersetzung einige Freiheiten geholfen, den Ton des Originals zu treffen. Der leicht verschobene Fokus auf mehr Action statt echter Substanz und Vaders recht hergeholter Auftritt tun dann ihr Übriges, damit im Gesamteindruck Heft Nummer 3 von Legacy of Vader zwar immer noch ein gutes Heft ist, aber im Vergleich zu seinen Vorgängern etwas abfällt.
Es folgt eine Doppelseite mit der Titelfigur der Zweitstory, die das sechste Kapitel Ahsoka eröffnet und sie anschließend nicht mehr auftauchen lässt. Im Mittelpunkt von „Weit, weit entfernt“ steht nämlich die Ankunft in der anderen Galaxis und auf dem mysteriösen Planeten Peridea, mit der Rückkehr von Thrawn und Ezra. Zwar schwingt statt Steven Cummings für die geraden Nummern wie diese wieder Georges Jeanty den Zeichenstift, er gibt sich jedoch viel Mühe, die fantasievollen neuen Orte mit Walskeletten und Hexenstatuen überzeugend darzustellen. Bei Thrawns Aussehen orientiert er sich überraschenderweise mehr an der animierten Version als an Lars Mikkelsen, was für Jeantys stilisierte Gesichter die bessere Wahl ist, als die Mimik des realen Schauspielers. So passen die Comic-Darstellungen des Großadmirals in all den Jahren bei seinen Auftritten in der Heftserie – vor allem in den Storys Thrawn aus #42 bis #47 und Thrawn: Allianzen aus #109 bis #111 – trotz verschiedener Stile gut zueinander.
Viel mehr als die Szenen der Folge abzuarbeiten, schafft Rodney Barnes‘ Adaption der Episode aber nicht. Das Wiedersehen von Sabine und Ezra wirkt durch eine unaufgeregte Panelaufteilung, die deformierten Gesichtszüge der Mandalorianerin sowie die Begrenzungen des Mediums und der Seitenzahlen sogar noch hölzerner, als in der etwas emotionslosen Serien-Szene. Immerhin kann es für Fans von Ahsoka auch im sechsten der acht Kapitel wieder Freude bereiten, die Handlung in anderer Form zu erleben. Zwei Jahre nach der ersten Staffel und ein Jahr vor der zweiten kann man die Erinnerung mit dem Comic ohne Bedenken auffrischen.
Am Ende des Hefts finden sich wie immer die informativen und lesenswerten Redaktionsseiten, die mit gut ausgesuchten Themen die monatliche Star Wars-Comic-Dosis abrunden. Der Sky-Talker fasst zum Beispiel Neuankündigungen aus dem Manga-Bereich zusammen, auf die vor allem Thrawn-Fans einen Blick werfen sollten. Insgesamt bieten die Rubriken Sky-Talker, Technical Headquarters, R2-D2s Datenbank, die Variant-Galerie, Hinter den Panels und mehr einen schönen Mehrwert, der über die beiden enthaltenen Comics hinausgeht. Wer nur auf spätere Sammelbandveröffentlichungen der Reihen wartet, verpasst diese Extras.
Fazit
Zwar mag Legacy of Vader im dritten Anlauf etwas an Qualität lassen, ist aber noch weit davon entfernt, nicht mehr zu den besten Inhalten von Paninis Star Wars-Heftreihe seit Jahren zu zählen. Beim Ende hätte ich mir mehr Klarheit gewünscht und bei der Übersetzung mehr Flow, dennoch glänzen die epischen Charakter- und Actionmomente durch Charles Soule und Luke Ross, erzählerisch wie optisch. Dafür blieb einst viel Potenzial mit Thrawns Live-Action-Auftritt in Ahsoka liegen, woran auch die Comic-Adaption nichts ändern kann. Georges Jeantys künstlerische Wahl, mehr das animierte Design zu verwenden, hindert die Zweitstory aber glücklicherweise daran, zu enttäuschen.
Wir danken Panini für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!
Was Kylo Ren als Nächstes auf Vaders Spuren erlebt und wie sich Sabine und Ezra gegen Thrawns Truppen behaupten, erfährt man ab dem 18. November, wenn Star Wars #124 erscheint.










