Diese Woche gibt es mal wieder Comic-Nachschub von Marvel auf entgegengesetzten Polen der Kanon-Timeline. In Cavan Scotts The High Republic: Fear of the Jedi #2 steuern wir lange vor der Saga auf das große Finale des Literaturprojektes zu, während Jody Houser in The Rise of Skywalker #2 noch mal die Geschichte aus dem letzten Film auferstehen lässt.
Achtung: Wie immer besprechen wir im Marvel-Mittwoch die Handlung der Comics, sodass sowohl der Beitrag als auch die Kommentare Spoiler enthalten können.

The High Republic: Fear of the Jedi #2 – rezensiert von Matthias
Der Inhalt

Gerade musste sich Jedi-Meisterin Keeve Trennis noch mit der Presse rumschlagen, der sie nichts Neues zu erzählen vermag, als plötzlich die Stormwall zusammenbricht und Trennis endlich mit der nervenzehrenden Warterei aufhören und zum Angriff übergehen kann. Leiden doch die Bewohner des nahen Naboos im Allgemeinen und die Tempest Breaker um Lourna Dee im Besonderen noch immer unter der Besatzung durch die Nihil.
Der um zwei Jedi erweiterten Tempest Breaker-Crew bereitet aber gerade etwas ganz anderes Kopfzerbrechen, denn quasi im Minutentakt tauchen allerlei Personen auf, die gar nicht da sein dürften. Während die anderen erschöpft und verletzt am Boden liegen, nimmt Lourna Dee immer wieder den Kampf gegen diese Figuren auf, nicht wissend, gegen was sie da genau kämpft und wie sie es besiegen kann.
Aber auch Commander Jahen steht am Rande der ehemaligen Stormwall-Grenze etwas ratlos im Kommandozentrum und sieht zu, wie Keeve und quasi alle anderen sich ins Schlachtengetümmel stürzen, ohne Rücksicht auf die gute militärische Ordnung zu nehmen, die so eine Invasion oder Befreiungsaktion prägen sollte. Dementsprechend groß ist das Schlachtengetümmel erst im Orbit und dann auch am Boden, als die Einwohner Naboos mitbekommen, dass endlich Truppen gekommen sind, um sie zu befreien.
Auch Lourna Dee erfährt vom Eintreffen der Republik und Jedi, was in ihr noch mal zusätzliche Kräfte freisetzt und hilft, ihren wahren Gegner zu erkennen und in einen eher kurzen Kampf zu verwickeln. Zu einer Entscheidung führt der Kampf aber nicht, da die Nihil sich komplett zurückziehen. Als aber klar wird, dass die Nihil nicht einfach nur fliehen, sondern mit allen Kräften nach Eriadu verlegen, hält es auch die republikanischen Kräfte und die Jedi nicht eine Sekunde länger auf Naboo. Und auch Lourna Dee mag sich – entgegen anderslautender Befehle – diese Endschlacht gegen die Nihil nicht entgehen lassen. Und so machen sich nun alle gen Eriadu auf.
Die Umsetzung
Cavan Scott treibt in diesem Heft die Geschichte massiv voran, so sehr, dass die Entwicklungen bei Keeve und Lourna eher in den Hintergrund treten, da die Entwicklungen auf größerer Ebene diese Detailgeschichten einfach überrollen und die Figuren mitreißen. Das ist auch völlig okay, so läuft das im Leben eben und eigentlich ist dies ja auch genau das, was die beiden Figuren brauchen, um aus den jeweiligen Sackgassen, in denen sie gelandet sind, wieder rauszukommen. Daher lassen sich die beiden ja auch nicht zweimal bitten und machen, was sie meinen tun zu müssen, was bei so starken Charakteren auch sehr stimmig ist. Natürlich bleibt beim Lesen irgendwie die Frage zurück, was das Ganze auf Naboo dann eigentlich sollte, aber mit solchen Kleinigkeiten sollte man sich auf dem rasenden Lauf gen großer Endschlacht auch nicht mehr aufhalten. In einem Krieg, ist es normal, dass sich die Dinge auch mal überschlagen und wichtige Missionen binnen Sekunden völlig belanglos werden. Wobei es mich ja schon etwas überrascht hat, wie rabiat die als sonst doch eher künstlerisch-musisch angehauchten Bewohner Naboos hier im Kampf gegen die Nihil daherkommen. Gut, dass sie zukünftig ihre Energien erstmal auf den Wiederaufbau ihrer Hauptstadt konzentrieren können.
Schön fand ich, dass Scott hier und da noch mal ein Panel für etwas Humor zu opfern bereit war. So hat zum Beispiel die Statusmeldung der Orbalins beim Angriff auf die Nihil über Naboo bei mir für ein kurzes, aber lautes Auflachen gesorgt, was bei meinen verpennten Mitreisenden im Zug für erschrockene Gesichter und einen frühmorgendlichen Adrenalinschub gesorgt haben dürfte.









Marika Cresta liefert auch dieses Mal wieder sehr solide Zeichnungen ab. Einige Panels kommen – wie gewünscht – sehr dynamisch rüber, viele sind schön detailliert, andere bleiben mehr auf die handelnden Figuren konzentriert und blenden alles andere aus. Die Panels sind also sehr bewusst konzipiert und auch die Orchestrierung und die geschickte Kolorierung der Panels durch Jim Campbell finde ich gut gelungen. Und selbst das Lettering von Ariana Maher mischt voll mit, wie man sehr schön an der Sequenz sieht, wo alle angestrengt auf das Piepen der Test-Sonde lauschen. Ein kleiner Sputnik-Moment, in dem das Piepen die Panels und die in ihnen gezeigten Figuren verbindet.
Etwas schwächer finde ich das Hauptcover von Phil Noto, dafür gefallen mir die Variantcover von Ema Lupacchino und Valerio Giangiordano umso besser.
Fazit
Mir hat das Heft trotz einiger kleinerer Kritikpunkte gut gefallen. Die Geschichte kommt mal deutlich voran und auch die grafische Umsetzung stimmt. Und jetzt, auf in die Schlacht!
The Rise of Skywalker #2 – rezensiert von Lukas
Inhalt

Dem rasanten Auftakt auf 30 Seiten mit dem überladenen ersten Akt des Films folgt heute der zweite Teil der nun auf regulären 20 Seiten in etwas gemächlichen Tempo voranschreitenden Film-zu-Comic-Adaption. Das Heft adaptiert die Filmhandlung von Reys Sprung über Kylo Rens TIE-Whisper bis zu ihrem Wiedersehen auf dem Sternenzerstörer Steadfast. Die abgearbeiteten Handlungspunkte sind demzufolge Reys Blitzgewitter mit (nicht) gebratenem Wookiee, Poes Wiedersehen mit seiner Ex Zorii Bliss auf Kijimi, Babu Frik (der leider etwas kurz kommt und dessen kultige Art sich nicht auf Comicseiten übertragen ließ), C-3POs Speicherlöschung (die später revidiert werden wird) und die Infiltration der Steadfast zur Befreiung Chewies.
Autorin Jody Houser beweist dabei wieder einmal ein glückliches Gespür für den Raum, den die einzelnen Elemente und Szenen der Handlung brauchen, um eine kohärente und sinnvolle Comic-Adaption zu bilden. Wie oben bereits erwähnt kommt einzig Babu Frik etwas zu kurz, der sich im Kino noch zu einem der (wenigen) Fan-Highlights der Episode mauserte. Im Comic verblasst er in seinen Auftritten zur Randerscheinung. Die Eigenheiten des Anzellaners kommen aber nur im Bewegtbild und Ton richtig zur Geltung, was es so gut wie unmöglich macht, auf dem stark begrenzten Seitenplatz in Comicform übertragen zu werden.
Schön abgerundet wird die natürlich entsprechend verknappte Filmgeschichte aber wieder durch gelungene innere Monologe, die die Gedanken der zentralen Figuren Rey und Kylo Ren wiedergeben. Der Oberste Anführer darf dabei ganz der Vater sein, wenn er ebenso „It’s true. All of it.“ über Reys Herkunft staunt, wie Han Solo im Jahr zuvor, als er das Mädchen von Jakku über die Jedi aufklärte.
Außerdem stechen zwei im Vergleich zum Film ganz neue Szenen heraus, die hinzugefügt wurden. Von Chewies Begegnung mit Kylo als Gefangener der Ersten Ordnung wissen wir bereits als geschnittene Szene, im Comic kommt sie zur visuellen Ausführung von Reys Machtvision über den Wookiee in einem Panel zum Einsatz. Außerdem darf das Ende von Leias Charakterreise in einem Dialog mit Maz Kanata auf einer Seite mehr Substanz erhalten. Im Film verlief ihr Handlungsstrang noch etwas holprig, da er bekanntlich erst nach dem tragischen Ableben von Carrie Fisher in Produktion ging und ihre Szenen durch gedrehtes Archivmaterial realisiert wurden. Besagte Comic-Szene mit Maz ist an dieser Stelle auch kein Gamechanger, dennoch ist es eine schöne Geste, ihre Rolle in diesem Medium – bei Streichungen anderer Szenen ohne sie auf der anderen Seite – etwas auszubauen.
Zeichnungen
Von manchen etwas geknetscht aussehenden Gesichtsausdrücken abgesehen, macht Zeichner Will Sliney wieder einen hervorragenden Job und verteidigt seine Position als einer der besten Künstler*innen der Sequel-Ära. Schiffe, Kostüme und Orte sehen einfach hervorragend aus und treffen vor allem im Lichtspiel mit den Farben aus dem Hause Guru-eFX die Optik des letzten Saga-Films. Die größte Stärke liegt wieder in der Entscheidung, den Zweiklang der Macht, der die beiden zentralen Figuren verbindet, in wunderschönen parallelen Splashpages visuell zum Leben zu erwecken. Besonders Vorschauseite 5, die ihr unten findet sowie eine tolle Doppelseite gegen Ende der Ausgabe überzeugen in dieser Hinsicht und stellen sicher, dass die Adaption nicht einfach nur eine stumpfe zeichnerische Wiedergabe von Screenshots aus dem Film zu bieten hat.
Travis Lanhams Lettering fügt sich recht unauffällig in das Gesamtkunstwerk mit ein. Nur an einer Stelle, als eine Sprechblase, die eigentlich zu Poe gehört, fälschlicherweise von Rey kommt, scheint ihm ein kleiner Fauxpas unterlaufen zu sein. Vielleicht wird dieser Fehler dann mit dem Sammelband noch korrigiert.









Fazit
Mit der zweiten Ausgabe The Rise of Skywalker kommt zwar etwas Ruhe in die – der Filmvorlage sei Dank – sehr gehetzten Handlung, während gleichzeitig allmählich die sowieso schwächsten Szenen der Episode an der Reihe sind. Houser präsentiert dabei nach wie vor eine gelungene Adaption mit eigenen Akzenten, kleineren Ergänzungen und guten Monologen. Sequel-Expertenzeichner Will Sliney darf sich wie man es von ihm kennt austoben und die Kylo Ren, die Erste Ordnung und vieles mehr zum Leben erwecken. Es macht fast mehr Spaß, das Heft zu lesen und die kleinen Nuancen und Anpassungen im Flow zu erleben, als den Film ein weiteres Mal zu sehen. Der durch die Pandemie und Verlagsentscheidungen ermöglichte gewaltige Abstand zum Kinostart tut bei diesem Eindruck sein Übriges.
Die nächsten Hefte aus den beiden Reihen – The High Republic: Fear of the Jedi #3 und The Rise of Skywalker #3 – erscheinen wieder gemeinsam am 30. April. Nächste Woche ist erstmal Marvel-Pause, ehe es am 9. April mit Jedi Knights #2 weitergeht.
Wir bedanken uns bei Marvel für die Bereitstellung der digitalen Vorab-Exemplare, ohne die unser Marvel-Mittwoch nicht möglich wäre.










