Nach langer Pause durch die erbarmungslose Durchnummerierung der Abenteuer-Hefte, setzt sich in Band 14 endlich die Hauptreihe der Abenteuer-Comics der dritten Phase fort, die in Band neun mit Eriadu in Gefahr vorerst beendet wurde. Band 14: Zurück nach Valo enthält nun die Originalhefte der Dark Horse-Adventures-Reihe elf bis dreizehn und das Hochzeitsspezial von Zeen und Lula.
Race to Crashkuppenturm

In der Fortsetzung der Hauptreihe geht es dem Titel entsprechend Zurück nach Valo. Gavi ist weiterhin dort und täuscht die Nihil durch seine Scharlachrote-Schädel-Finte. Das geht so lange gut, bis der Aufseher mal selbst vorbeischauen möchte und Gavis Ausrede ins Wanken gerät. Die Idee, die er dann aber aus dem Ärmel zaubert, hat mir gut gefallen und sie ist auch nicht zu langfristig erfolgreich, da die Farce am Ende der ersten Ausgabe ja doch schnell auffliegt.
Mit Ram kehrt in diesem Dreiteiler ebenfalls eine starke und wichtige Figur zurück, deren Beziehung zu Valo das zurückbringt, was den ersten Arcs der Hauptreihe gefehlt hat: das Herz und die persönliche Ebene. Auf Eriadu sind alle Figuren mehr oder weniger Fremde gewesen, die mit oder je nach Tagesform auch gegen eine Familie kämpften, die ihre Hilfe mal wollte und mal nicht – die Tarkins.
Das ist hier anders. Das Volk von Valo will die Nihil nicht, es gibt keinen politisch-strategischen Subplot, der den Widerstand schwächt oder aufhält. Es gibt nur Gavis Scharlachrote Schädel und den Willen, die Nihil von Valo zu vertreiben. Dieses einfache Grundgerüst, gemischt mit Figuren, die eine Geschichte mit dem Planeten haben (manche bereits seit der zweiten Welle der ersten Phase), hat die Magie der Abenteuer-Hefte wieder zurückgebracht.
Zudem schafft es Older wieder, den Humor pointierter zu setzen und ihn auch visuell umzusetzen. Egal ob Zyle und Ram, die schnell die Richtung ändern, als sie vor Nihil fliehen (und damit an Han Solos Angriffs- und Flucht-Run auf dem Todesstern in Episode IV erinnern), oder die „Streitseite“, wo Zyle und xiese Mutter sich einen verbalen Schlagabtausch über Eigenständigkeit und Vertrauen liefern, während Farzala im Hintergrund versucht, das Thema zu wechseln, und die Perspektive in allen fünf Panels identisch bleibt. Nur, um dann schnell auf der darauffolgenden Ganzseite einen Kampf zu zeigen, als sie sich fragen, was die anderen in der Zeit eigentlich genau machen. Die Zeichnungen von Caio Filipe sorgen für einen etwas simpleren Stil, der aber mehr Orientierung liefert als der von Tolibao.
Der Dreiteiler ist dabei kompakt erzählt und es kommen fast keine Längen auf. Lustigerweise ist mir im direkten Vergleich nun aufgefallen, wie lange sich der Crash-Zweiteiler aus Band 13 eigentlich gezogen hat und wie flott ich diese drei Teile des Valo-Arcs nun gelesen habe. Grund dafür ist, dass an zwei Schauplätzen einiges passiert und es trotz vieler Protagonisten und Nebenfiguren, Orientierung gibt. Entweder, weil sie mittlerweile in ihrer Vielzahl dann doch mal etabliert genug sind oder wir uns an vertrauten Orten befinden, wie eben dem Crashkuppenturm oder der Star Hopper. Rückblickend bin ich übrigens sehr traurig, dass der zweite Jugendroman der ersten Phase auf Deutsch nicht doch Das Rennen zum Crashkuppenturm hieß, sondern nur Kampf um Valo. Die Übersetzung ist einfach zu ulkig.
Wenn’s Buffet gibt, kommen sie alle
Das Hochzeitsspezial von Zeen und Lula spielt dann in einer anderen Liga. Zunächst ist es erzählerisch spannend angelegt, da die beiden nicht in eine Traumwelt der perfekten Hochzeit entfliehen, sondern vielmehr trotz drohendem Krieg diesen Schritt wagen wollen. So webt sich der Hochzeits-Arc angenehm relevant in den Fortgang der Hauptreihe ein. Die Figuren von Valo sind da, die Weichen für den 15. Band werden gestellt. Dazwischen Hochzeit, Kleiderwahl und kurze Einkehr.
Und dabei kommt auch die zweite Besonderheit eines solchen Events hinzu: Jeder Hinz und Kunz meint, sich zeigen zu müssen, was unweigerlich zu interessanten Begegnungen führt. Wer hätte vor diesem Heft gedacht, dass Yaddle diejenige ist, die als Life-Coach mit Kisma Uttersond auf Augenhöhe spricht und aus ihm einen verständnisvollen und gewaltablehnenden Bekehrten macht? Ich nicht und genau deshalb feiere ich diese Kombi so.



Es ist zudem beruhigend zu wissen, dass kein drohender Konflikt der Grund für diese prominente Gästeliste auf Eriadu ist, sondern die Hochzeit. Die Jedi wären sicherlich nicht gekommen, wenn es vor der Schlacht nicht auch Buffet gegeben hätte. Selbst die ambivalente und schnell stimmungsschwankende Tarkin-Tochter Sevran wird mit dem Spektakel aus ihrem Turm gelockt und verbrüdertschwestert sich direkt wieder mit den Jedi. Fast wirkt es so, als wäre die Fehde und der plötzliche Konflikt am Ende des neunten Bands so unnötig und erzwungen gewesen, wie er damals schon gewirkt hat.
Emotional hingegen hat mich die Hochzeit weniger abgeholt. Das war aber wohl ein notwendiger Trade-off. Die Szene der Hochzeitsfeier und vor allem das Hochzeitsfoto als Extra am Ende sind zwar atmosphärisch und schön, aber den zwei oder drei Seiten tatsächlicher Hochzeit hat es dann doch ein wenig an Tiefe gefehlt. Stört mich jedoch weniger. Vielmehr gefiel mir die Gesamtidee als Wohlfühl-Einschub kurz vor dem großen Finale auf dem umkämpften Eriadu. So verbinden sich Handlung und ein wichtiger Tag zweier Hauptcharaktere gut miteinander, ohne dass der Comic zu einem klischeehaften Disney-Hochzeits-Heft wird oder die Hochzeit komplett in den Hintergrund tritt. Chapeau! Bei all dem sind dann auch noch die Zeichnungen sehr konsistent, obwohl ein Team aus acht Zeichnerinnen und Zeichnern allein an diesem Hochzeitsspezial beteiligt waren.
Fazit
Zurück nach Valo schafft es für mich, die Magie der Abenteuer-Reihe wieder etwas mehr zurückzubringen als Band 8 und 9 einst. Zum einen durch Rams und Gavis Verbindung zu Valo im ersten Teil des Sonderbands. Beide haben in den Jugendromanen Kampf um Valo und Flucht von Valo bereits gezeigt, wie sie mit dem Planeten verbunden sind, und die Einwohner des Planeten haben spätestens hier in Zurück nach Valo gezeigt, dass sie es wert sind, verteidigt zu werden, da sie sich trauen, die Stimme zu erheben. Da kann Ram es sogar übers Herz bringen, seinen Turm, an den er so viele Erinnerungen knüpft, ziehen zu lassen. Die beiden Jugendromane und dieser Comic-Arc bilden nicht nur namentlich im Deutschen eine schöne Trilogie. Auch inhaltlich passt es gut.
Währenddessen gibt es im Hochzeits- und Schlachtvorbereitungs-Trubel die Zeit, dass Figuren wie Yaddle und Kisma Uttersond spannende Interaktionen und Konsequenzen bekommen. Die Liebe zwischen Lula und Zeen ist zwar weiterhin (wie in Band 8 und 9) eher unterstellt als jederzeit deutlich zu erkennen, aber durch die kurze Pause und das Treffen mit so vielen vertrauten Charakteren, wird uns wieder klarer, woher sie kommen und was sie erlebt haben und dadurch der Moment ihrer Hochzeit eindrucksvoller. Insgesamt ein gelungenes Heft, das die Haupthandlung wieder mehr in den Vordergrund rückt und damit für Die Hohe Republik-Fans wieder eher zur Pflichtlektüre gehört – zumindest mehr als der vorherige 13. Band.
Wir danken Panini für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

Star Wars: Die Hohe Republik ist ein mehrjähriges Buch- und Comicprogramm, das hunderte Jahre vor den Skywalker-Filmen spielt und die Jedi in ihrer Blütezeit zeigt. Weitere Infos, News, Podcasts und Rezensionen gibt es in unserem Portal und in der Datenbank. Beachtet auch unsere Guides zur Lesereihenfolge von Phase I, Phase II und Phase III.










