Boba Fett geht auf eine sehr persönliche Mission, die weit in die Vergangenheit zu seinen ersten Gehversuchen als Kopfgeldjäger zurückreicht. Welcher Gastauftritt aus einer beendeten Comic-Reihe im Heft überrascht und was dieses Mal aus der speziellen Markenzeichen-Optik gemacht wird, verraten wir euch im heutigen Marvel-Mittwoch.
Achtung: Wie immer besprechen wir im Marvel-Mittwoch die Handlung der Comics, sodass sowohl der Beitrag als auch die Kommentare Spoiler enthalten können.

Inhalt

Autor Ethan Sacks muss man Star Wars-Comic- oder Kopfgeldjäger-Fans nicht mehr vorstellen. Seit 2019 hat er zahlreiche Bildgeschichten mit den zwielichtigsten Gestalten der Unterwelt verfasst, die meist zum besseren Output der Line-Ups zählten – in erster Linie die komplette Reihe Kopfgeldjäger und die Miniserie Jango Fett. Da erscheint es logisch, dass er mit Boba Fett: Black, White & Red #3 und seiner Story Meeting of the Minds das Anthologie-Format nutzen darf, um sich wieder mit dem Kodex der Berufskiller zu befassen, und diesmal darf bei ihm der berüchtigste von allen im Mittelpunkt stehen.
Was er erzählt, ist schnell zusammengefasst. Boba begibt sich ganz ohne aktuellen Auftraggeber auf eine persönliche Vendetta, um eine jahrzehntealte offene Rechnung zu begleichen. Warum er das tut, wird erst nach und nach offenbart, vor allem durch Flashbacks in die Klonkriege, als er noch seine Rüstung aus der vierten Staffel The Clone Wars trug. Warum er es gerade jetzt tut, also ob er Urlaub hat oder die Suche nach dem Individuum Corm Vargon durch etwas konkretes ausgelöst wurde, bleibt unklar.
Das spielt aber auch keine Rolle, da Sacks es weiß, auf den 30 Seiten des Black, White & Red-Formats genug herauszuholen, um die geneigte Leserschaft bei Laune zu halten. Fetts persönlicher Kompass als Kopfgeldjäger treibt die Geschichte an und liefert dabei mehrere coole Charaktermomente, die immer knapp die Peinlichkeit verfehlen, zu einer Parodie des seit Das Buch von Boba Fett stark an Ernsthaftigkeit eingebüßten Charakters zu werden. Zwar liest sich die Prämisse auf dem Papier wie eine typische Videospiel-Quest, durch Sacks‘ geschicktes Zusammenspiel aus Ortswechseln und der schrittweisen Auflösung der Vorgeschichte bleibt das Heft aber von der ersten bis zur letzten Seite spannend.
Er wird es in seinem Worldbuilding auch nie müde, jede Menge Namen und kurz auftretende Randcharaktere zu erschaffen, die die Galaktische Unterwelt jedes Mal ein kleines Stückchen größer machen. Außerdem würde man erwarten, dass ein derart erfahrener Star Wars-Autor wie er bei einem einseitigen Cameo-Auftritt einer reinen Comicfigur jemanden aus seinen Werken wählen würde, doch falsch gedacht. Korin Aphra, der Vater von Doktor Chelli Aphra, tauchte bis zum heutigen Tag in keinem Comic von Ethan Sacks auf, ist als Querverbindung zu den Abenteuern der Archäologin aber eine schöne Überraschung beim Lesen, die außerdem sinnvoll eingebaut ist. Aphra liefert nämlich das letzte Puzzlestück, dass Fett zur epischen finalen Konfrontation mit Corm Vargon führt, in der die nachdenklichen Themen Unsterblichkeit und Transhumanismus am Beispiel der B’omarr-Mönche aufkommen.
Zeichnungen
Juan José Ryp liefert mit dem Heft seine erste Arbeit für Star Wars ab und setzt damit direkt ein großes Ausrufezeichen. Seine weichen und beweglichen Zeichnungen wirken in ihren Verläufen teils mehr wie klassische europäische Gemälde und weniger wie ein amerikanisches Comicheft, wodurch hier seine europäische Herkunft und größte Wirkstätte einfließt. So verkauft sich Meeting of the Minds insgesamt viel hochwertiger, als noch die ersten beiden Hefte und dürfte das optische Highlight der Mini-Serie sein. Die typische Nicht-Kolorierung ordnet sich so organisch den Zeichnungen unter, dass Schatten und rote Akzente die Linienführungen sogar betonen, anstatt sie abzuschwächen. So eine Wirkung wünscht man sich bei jedem Heft des Labels, das Marvel schließlich selbst gern als experimentell bezeichnet.






Fazit
Mit Boba Fett: Black, White & Red #3 erreicht die vierteilige Miniserie ihren vorläufigen Höhepunkt an Qualität. Ethan Sacks ist völlig in seinem Element und erzählt eine spannende abgeschlossene Kopfgeldjäger-Geschichte, die qualitativ und thematisch an seine letzten Beiträgen in dem Milieu anknüpft. Die erhabenen Gemälde von Juan José Ryp sind – wie jede Kunst – Geschmacksache, für mich allerdings viel zu schön, um „nur“ übliche Comiczeichnungen zu sein. Hier wird zum ersten Mal deutlich gemacht, wie man die wenigen erlaubten Farben wundervoll einsetzt, um die Wirkungskraft eines Comics zu erhöhen.
An nächstem Silvester geht dann nicht nur das Jahr zu Ende, sondern auch diese Reihe – und Boba wird es in Black, White & Red #4 bestimmt noch mal ordentlich knallen lassen. Am nächsten Mittwoch geht es aber erst einmal mit Legacy of Vader #11 weiter.
Wir bedanken uns bei Marvel für die Bereitstellung der digitalen Vorabexemplare, ohne die unser Marvel-Mittwoch nicht möglich wäre.










