Marvel-Mittwoch: Boba Fett: Black, White & Red #1 und Star Wars #5

Diese Woche müssen mal wieder klassische (Anti-)Helden ran: Boba, Luke, Han und weitere bekannte Charaktere haben ihre Missionen zu erfüllen.

Achtung: Wie immer besprechen wir im Marvel-Mittwoch die Handlung der Comics, sodass sowohl der Beitrag als auch die Kommentare Spoiler enthalten können.

Mangels eines inneren Zusammenhangs gibt es für die beiden Hefte keine einzuhaltende Lesereihenfolge.

Boba Fett: Black, White & Red #1 – rezensiert von Lukas

Inhalt

War er einst eine der beliebtesten Star Wars-Figuren überhaupt und hat häufig in eigenen Comic-Serien im Mittelpunkt gestanden, ist Kopfgeldjäger Boba Fett in den letzten Jahren zunehmend im Hintergrund geblieben. Zuletzt glänzte er 2021 im Krieg der Kopfgeldjäger, seitdem musste er als gelegentlicher Nebencharakter in Ethan Sacks Kopfgeldjäger vorbeischauen und für Jango Fett: Pfad der verlorenen Hoffnung seinem späteren Dad die Aufmerksamkeit überlassen.

Im Black, White & Red-Mantel ändert sich das durch den ersten Boba-Fett-Miniseriencomic des Kanons. Nach Darth Vader und Maul schließt sich mit Fett diesmal eine weitere Figur mit den Attributen Beliebtheit, Schweigsamkeit und Brutalität dem Club der Schwarz-Weiß-Roten an und befindet sich damit in bester Gesellschaft.

Auf den 30 Seiten der ersten Ausgabe darf der einfache Mann, der seinen Weg in der Galaxis geht, unter Autor Benjamin Percy (Darth Maul: Black, White & Red #1) beweisen, was in ihm steckt. Das muss er auch, um den titelgebenden „The Impossible Job“ in der (wie beim letzten Vertreter der minimalkolorierten Miniserien für Erwachsene mit dieser Ausgabe abgeschlossenen) Geschichte zu meistern.

Genau genommen sind es sogar zwei Aufträge, mit denen es der mandalorianische Klon hier zu tun bekommt und die in etwa je eine Hälfte des Hefts einnehmen. Der erste lässt ihn einen Häftling aus dem imperialen Gefängnis auf Sterna IV holen, welches exakt denen auf Narkina 5 aus Andor entspricht. Nachdem man mitten in die Action hineingeworfen wurde, gelingt es Boba, seinen Auftrag zu erfüllen und dem Gangsterboss, der persönliche Rache an diesem Ziel nehmen wollte, es zu überbringen. Fett wird dabei so wortkarg präsentiert, wie man ihn aus der Originaltrilogie kennt, und anstatt einem innerem Monolog seiner Gedanken sorgt eine rot geletterte Erzählerstimme für die nötige Atmosphäre als unvermeidliches Voice-Over.

Im direkt anschließenden Auftrag, der dem Heft trotz seiner Überlänge einen leicht episodischen Charakter verleiht, muss Boba dem Imperium einen Dienst erweisen, um nicht für die Sache auf Sterna IV zur Rechenschaft gezogen zu werden: Er soll den Datendieb Bantan Jabar lebend fangen und zurückbringen. Bei der folgenden Jagd durch ein vulkanisches Planetensystem gelingt es ihm, eine Rebellenzelle, der er begegnet, so gegen das Imperium auszuspielen, dass er nach der erfolgreichen Erfüllung des Auftrags mit weißer Weste davon kommt, niemanden mehr im Nacken hat und sich den künftigen Abenteuern stellen kann.

Letztendlich wird hier nicht viel Neues erzählt, obwohl man nach Das Buch von Boba Fett an sich froh sein kann, eine typische Boba-Geschichte zu bekommen, die auch aus Legends-Zeiten stammen könnte. Hier wird nicht das Rad neu erfunden oder dem Charakter irgendetwas hinzugefügt. Hier darf Boba Fett einfach Boba Fett sein und Boba-Fett-Sachen machen.

Zeichnungen

Das Schwarz, Weiß & Rot-Label mit seinem unverkennbaren Look begleitet Star Wars-Lesende schon zwei Jahre. Bei Darth Vader half der Stil noch der surrealen, albtraumhaften Atmosphäre, die den gefallenen Jedi oft umgibt. Bei Maul fiel es durch die Wahl des Charakters und der Settings fast gar nicht auf und wirkte wie eine beinahe naturalistische Darstellung des Geschehens. Bei Boba hingegen passt es zum ersten Mal überhaupt nicht, obwohl Chris Allen in seinem Star Wars-Debüt alle bekannten Raumschiffe, Spezies und die Gadgets des Kopfgeldjägers wunderbar einfängt. Einzig die weit entfernten Sterne der Galaxis, die vor allem im letzten Drittel des Hefts zu sehen sind, fügen sich nicht gut in die klassische Star Wars-Optik ein und wirken wie Fremdkörper.

Viel wichtiger als die Zeichnungen ist bei diesen Reihen aber stets die kaum vorhandene Kolorierung. Das typische Begrenzen der Farben bringt zwar gezeichnete Schatten und insbesondere die Tusche von Allen und Craig Young perfekt zur Geltung, zum Kopfgeldjäger selbst passt sie aber überhaupt nicht. Grüntöne auf Rüstung und Schiff, der gelbe Umhang, das Jetpack,… All diese Elemente leben doch von ihren Farben und deren Wirkung! Den Zeichnungen hätte es besser getan, wäre der Comic als Teil einer „regulären“ Serie erschienen. Dann hätte aber die generische Handlung noch weniger Alleinstellungsmerkmale gehabt, wenn der atypische Look nicht mehr über das inhaltliche Mittelmaß hinwegtäuschen kann.

Fazit

Boba Fett: Black, White & Red belohnt Fans des Kopfgeldjägers nach einer langen Durststrecke zwar mit keinem Meisterwerk, charakterisiert die Figur aber wieder so, wie sie allgemein geliebt wurde. Dazu kommt eine recht typische, abgeschlossene Geschichte, die mit Andor-Verbindungen und Action-Momenten zu unterhalten weiß. Mit dem einzigartigen Stil, der nach Darth Vader und Darth Maul noch nie so wenig gepasst hat, wie für Boba Fett, begrenzt man sich optisch allerdings stark und beraubt die zumeist schönen Zeichnungen mehr ihrer Wirkung, als dass man das Gesamtwerk bereichert.


Star Wars #5 – rezensiert von Matthias

Der Inhalt

Luke, Han, Rynn und Valance sind auf Loradil gelandet, um die gestrandete und unter Beschuss geratene Frachter-Crew zu retten. Vor Ort stoßen sie auf ein altes Militär-Raumschiff. Als sie es zu erkunden beginnen, stoßen sie alsbald auf die Angreifer, eine größere Anzahl alter Kampfdroiden, unter Führung eines Taktik-Droiden. Auf engstem Raum beginnt eine wilde Schlacht, in deren Verlauf Rynn von Luke, Han und Valance getrennt wird, aber dann doch den Droiden entkommen kann und Aufnahme im benachbarten Frachtraumschiff findet.

Han, Luke und Valance erwehren sich so gut es geht den permanenten Angriffen, müssen sich aber schließlich doch zurückziehen. Auf der Suche nach irgendwelchen Dingen, die ihnen im Kampf gegen die Droiden helfen könnten, stoßen sie auf einen Haufen alter Klontruppen-Rüstungen.

Auch auf Kaltrais stehen die Dinge weiter auf Sturm. Gerade wähnten sich die Zantarrk noch als die Sieger der letzten Auseinandersetzung, da bricht plötzlich der Widerstand über sie herein. Der totgeglaubte Jesrit eliminiert erst ein Grüppchen von Zantarrk-Aufsehern und reißt dann die eben noch versklavten Nagai mit, einen Aufstand zu wagen.

Leia und Mon diskutieren derweil auf Chandrila, wie sich die Dinge im Fenril-Sektor entwickeln und was dies für die Neue Republik im Ganzen und die Hoffnungen, die sie für diese hatten, bedeutet. Und als ob sie nicht schon Sorgen genug hätten, stürmt auch noch Alaytia herein und unterrichtet die beiden darüber, dass das Fenril-Konsortium eine eigene Kampfflotte zusammengestellt hat und zu einem Angriff auf die Neue Republik anzusetzen scheint.

Die Umsetzung

Alex Seguras große Storylines sind ja bekannt dafür, von Zeit zu Zeit mal etwas durchzuhängen. Offensichtlich ist es in diesem Heft mal wieder so weit, nur hängt die Geschichte diesmal aber besonders tief, denn der Kampf ist nicht nur ziemlich belanglos, sondern ist in seiner Umsetzung hochgradig irritierend. Da stehen sich Dutzende von Kampfdroiden und das Grüppchen um Han und Luke quasi gegenseitig auf den Füßen, ballern, was das Zeug hält, aber keiner fällt um oder wird ernstlich verletzt. Man hat sogar ausgiebig Zeit zu einem Pläuschchen. Wir haben schon einiges Merkwürdiges in Star Wars-Comics gesehen, aber das ist schon echt verwunderlich. Ansonsten kann man nicht viel an der Geschichte kritisieren, denn es ist ja quasi nichts an Geschichte da. Einziges, aber auch nicht besonders strahlendes Highlight ist da die selbstkritische Reflexion von Mon, dass sich die Neue Republik so gar nicht in die erhoffte Richtung entwickelt und dass es wohl falsche Erwartungen und Annahmen auf der eigenen Seite gab. Das ist ein gutes Schlaglicht auf das, was wir schon in anderen Werken über die Neue Republik erfahren haben, und dürfte die ehrliche Stimmungslage gut wiedergeben.

Ungewohnte Schwächen zeigen sich diesmal auch bei Phil Noto. Zwar ist der überwiegende Teil der Panels in der üblichen Qualität, aber bei einigen Köpfen scheint das Gesicht verrutscht zu sein, was sehr irritierend und maskenartig aussieht und so gar nicht zu seinem üblichen Qualitätsstandard passt. Zudem wirken die Kampfszenen sehr statisch, was ich aber eher der Geschichte anlaste. Andererseits gelingt es ihm sehr eindrucksvoll, die alten Kampfdroiden in Szene zu setzen, was gewisse Retro-Vibes in mir hervorruft. Schön, die alten Blechbüchsen noch mal im Einsatz zu sehen.

Fazit

Das Heft lässt doch recht gemischte Gefühle bei mir zurück. Die Geschichte war mal wieder viel Lärm um Nichts, aber viel beunruhigender ist, dass es diesmal bei der dramaturgischen und zeichnerischen Umsetzung doch einige für Phil Noto ungewohnte Probleme gab.


Boba ist wieder am 29. Oktober im Einsatz, wenn Boba Fett: Black, White & Red #2 veröffentlicht wird. Mit Star Wars #6 geht es schon am 1. Oktober weiter. Und nächste Woche darf dann Aphra in Doctor Aphra: Chaos Agent #4 wieder zeigen, wozu sie so alles imstande ist.

Wir bedanken uns bei Marvel für die Bereitstellung der digitalen Vorab-Exemplare, ohne die unser Marvel-Mittwoch nicht möglich wäre.

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